Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 90
DOI Heft: 10.11588/diglit.15863.45
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15863.47
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15863.48
DOI Seite: 10.11588/diglit.15863#0094
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1887/0094
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
90

Röcklein daraus zurecht, ob es passe oder
nicht. Auch hier, wie bei dem Kirchen-
gestühl mag es lehrreich sein, zuerst in
einigen Beispielen zu sehen, wie der Beicht-
stuhl nicht gemacht werden soll. Wir legen
zwei Grundrisse vor in Vso Maßstabe,
Fig. 1 und 2 der Beilage. Da fällt uns
sogleich ans, daß beide wie auf Ver-
abredung den Mittelraum beinahe quadra-
tisch grundgelegt haben. Dies gienge bei
einem Menschen an, der wie ein Türk seine
Beine unter sich schlägt. Die Zeichner wer-
den schwerlich Lust haben, eine halbe Stunde
auf diesem Sitze zuzubringen. Auch hat
Nr. 1 vergessen, daß sowohl in der inne-
ren Abtheilnng als in den beiden äußeren
Armlehnen nöthig sind. Was aber bei
beiden Entwürfen am meisten ins Gesicht
fällt, ist die schräge Anlage der äußeren
Abtheilungen. Diese ist das allerunge-
schickteste, was je erfunden werden konnte.
Man mag die einzelnen Theile anordnen
wie man will, mag Raum im Ueberfluß
zur Verfügung haben, oder zur Sparsam-
keit genöthigt sein: unter allen Umständen
wird ein solcher Beichtstuhl unpraktisch,
unbequem, unangenehm sein. Und diese
unglückselige Anordnung hat sich eine solche
Alleinherrschaft zu erringen gewußt, daß
die Meisten der Meinung sind, es könne
und dürfe nicht anders sein.

Wie hat ein solches Monstrum nur ein-
mal entstehen können? Wie konnte es
wieder und wieder Nachahmung finden?
Das Letztere ist nicht zu begreifen, wenn
man auch einen großen Glauben an die
menschliche Gedankenlosigkeit hat. Für das
Erstere könnte vielleicht eine Erklärung ge-
sunden werden. Es kann sein, daß in
einem Falle, wo der Beichtstuhl halb in
eine Wandnische einznlassen war, der Archi-
tekt sich nicht anders zu helfen wußte, und
Andere dann diese Form als Regel an-
sahen, wiewohl auch in diesem Falle eine
richtige und bequeme Lösung so nahe lag.
Man sehe nun auf beiden Entwürfen 1
und 2 die mit K bezeichnten Kniebänke
an, bei Nr. 1 im Spitzwinkel auslanfend,
bei Nr. 2 auch noch geistreich in einem
Kreissegment formirt — und konstruire
sich, wenn es möglich ist, einen Menschen,
der da knieen soll! Da helfen nicht ein-
mal mehr die Klammhaken! Fügen wir
bei, daß bei Nr. 1 das Gitter ums Dop-

pelte zu weit von der Rückwand entfernt
ist, und daß es bei Nr. 2 bis auf die
Armbank heruutergeht, damit ja nichts
mehr zur vollkommenen Unbrauchbarkeit
fehle.

(Fortsetzung folgt.)

Jur Geschichte der Glockemnschrif-
ten aus dem Bamberger Land.

Von Prof. H. Weber.
(Fortsetzung.)

Ztvei Glocken (Hannberg und Effelter)
haben Inschriften, welche nicht mehr lesbar
sind, vielleicht, wie auch anderwärts vorkam,
nur mit einem nassen Pinsel in den Mantel
hineingezeichnet.

Die sog. Katharinenglocke, welche früher
auf der bei der Oberen Pfarre zu Bamberg
befindlichen Katharinenkapelle hieng unb spä-
ter in den Pfarrthurm gebracht wurde, hat
eine Inschrift in gothischen Majuskeln, ge-
mischt mit lateinischer Lapidarschrift, welche
offenbar nur dekorativen Zweck, aber keinen
Sinn hat, wie Otte, Handbuch S. 256 und
Glockenkunde S. 135 solche bietet. Auch
Schellenberger, welcher 1787 die Geschichte
dieser von ihm verwalteten Pfarrei schrieb,
gibt S. 55 eine genaue Nachbildung dieser
Inschrift, „die er aber Andern zur Erklä-
rung überläßt".

Innerhalb der folgenden Kategorien ordne
ich die einzelnen Glocken möglichst chrono-
logisch.

Inschriften.

I. Zur Ehre Gottes.

-j- Anfang des Pater Koster. Dann M. G-. f CYNRADVS.
Pfarrkirche zu Bnrgebrach.

st Zu gottes lob und danck gos ich diese
glocken. Ohne Jahrzahl und Namen des
Gießers. Pfarrkirche zu Effelter.
ch Titulus triumphae (? triumphalis ?) J. N. R. J.
Daun folgen die unerklärlichen 8igla TAI
A I S L A. Anno domini 1324. Karincliten-
kirche zu Bamberg.

st Vox ego sum vite

Christum laudare venite.

Anno domini 1520. St. Anua-Glvcke ilt der
Oberen Pfarre zu Bamberg. Auf der einen Seite
das Bild des hl. Johannes des Täufers, auf
der andern das der hl. Anna.

st Zu gottes lob gehöre ich,

Christo! glockengieser zu Nürnberg gos mich.
1569. Christus am Kreuz mit Maria und
Johannes — St. Stephanus. Ehemalige Kol--
legiatkirche zu St. Stephan in Bamberg.
Schramm nennt sie die „Bemperlesglock"; in
einem Mskr. aus dem 16. Jahrhundert ist sie
die „Bampera" genannt.
loading ...