Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 95
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weiht sie ihm die demütigste Anbetung ihres
Herzens. Während ans dem großen Zel-
lenbild und aus dem Reliquiar in San
Marco St. Joseph neben Maria steht und
das Gefäß mit dem Gold in Händen trägt,
dessen Inhalt er freudig betrachtet, ist er
auf einem Tafelbild in den Uffizien und
auf der Darstellung der Schrankthüren
von Maria Novella in engere Beziehung
zum Vorgang gebracht. Hier hat sich der
königliche Greis, nachdem er feine Hul-
digung dem Kind zu Füßen gelegt, zu
Joseph gewendet, und er begrüßt ihn mit
herzlicher Vertraulichkeit, welche St. Joseph
mit demutsvoller Verbeugung erwidert.
Dieser Gedanke ist von rührender Schön-
heit; St. Joseph kann ja bei diesem Vor-
gang nur Nebenperson sein, aber so ist er
in zarter Weise aus dem dunklen Hinter-
grund, den in der Regel die Kunst ihm
als Standplatz anweist, in die Scene
hereiugenommeu. Es ist auch ein Zug
zarten Gefühls, welcher Nachahmung ver-
dient, wenn Fiesole nirgends dem Kinde
selbst die Gaben dargereicht werden läßt;
der eben adorireude König legt dem Kinde
seine Gabe zu Füßen, und das Kind segnet
ihn; diese Darstellung ist würdiger und
weihevoller als wenn z. B. das Kind mit
seinen kleinen Händen im Golde spielt.

Welche Rolle die Mutter Jesu in den
Passionsdarstellungeu Fiesole's spielt,
haben wir bereits gesehen. Nun sind noch
zu neunen die Bilder, welche ihr seliges
Sterben und ihre glorreiche Verherrlichung
schildern. Ein Taselgemälde in den Uffi-
zien gibt den Moment unmittelbar nach dem
Abscheiden der seligsten Jungfrau. Sie
liegt auf einer mit weißem Tuch belegten
Bahre, au deren Enden vier große Leuchter
stehen; St. Petrus hält zu Häupten des
Leichnams die Exequien; ihm levitiren Tho-
mas und Philippus, und zwei Engel mit
Rauchfaß und Weihwasser leisten Mini-
stranteudienste. Der Heiland steht an der
Seite der Bahre, das „Seelchen" auf dem
Arme, und er segnet den Leichnam. Zu
Füßen hält ein Apostel einen kreuzförmig
gestalteten Palmzweig; zwei Engel mit
Leuchtern sind zu seinen Seiten. Die an-
dern Apostel sind um Jesus gruppirt. Der
hl. Leichnam ist ganz in den an der Schul-
ter besternten blauen Mantel gehüllt; die
Arme sind über der Brust gekreuzt, das

Antlitz still und feierlich; die Apostel zeigen
keine Trauer; eher eine stille, süße Freude.

Die Krönung Mariens gehört zu
den Lieblingsthematen Fiesole's. Die Ge-
danken und Formen für diese Darstellung
holt er aus dem Himmel selbst, aus seinem
Verkehr mit den Engeln, und seine ganze
Engelnatur leuchtet aus den Gestalten und
Farben seiner Krönungsbilder. Hier zeigt
es sich so recht, daß die übersinnlichsten
Themate die seinem Genius Nächstliegenden
sind. Je weniger ein Thema den Boden
der Erde berührt, um so erreichbarer ist
es seiner Seele und auch seinem technischen
Können, weil dies ganz unter der Leitung
seiner Seele steht. Bei Erdeudarstellungeu,
bei Wiedergabe von Ereignissen, welche sich
auf dem harten Boden der irdischen Wirk-
lichkeit abspieleu, zeigt sein Pinsel oft
Fehler und Schwächen, weil seine Seele
sich gleichsam nicht so lange auf dieser Erde
halten kann, daß sein Pinsel im Stande
wäre, richtig zu bilden und zu formen;
bei solchen himmlischen Darstellungen wird
auch seine Formenwelt korrekter und voll-
kommener.

(Fortsetzung folgt.)

Beichtstühle.

(Schluß.)

Um unsere Ansgabe richtig anzusasseu,
machen wir uns zuerst klar, was wir
eigentlich brauchen. Der Beichtstuhl be-
steht aus 3 Abtheiluugeu, die eine in der
Mitte, die zwei andern symmetrisch auf
beiden Seiten.

Für die mittlere Abtheilung, den Sitz-
platz, brauchen wir einen bequemen Sitz,
nicht zu schmal, aber auch nicht zu breit,
was eben so unbequem wäre. Rechts und
links an den Wänden sind Armlehnen, die
auch, wenn zu hoch oder zu niedrig, un-
bequem werden. Die Höhe des Eingangs
und der Ueberdachnng muß so sein, daß
ein Manu von hohem Wuchs darin stehen
kann. Aus die Stellung des Gitters ist
sorgfältig zu achten. Die Tiefe des Sitz-
platzes sollte womöglich so sein, daß mau
beim Sitzen die Beine ausstrecken kann.
Da nicht überall genügender Raum dazu
ist, so müssen wir bei diesem Stück uns
auf ein Minimum einlassen, über das aber
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