Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

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f 8. Antonius ora pro nobis. Anno 1718. Jo-
hann Keller goss mich in Bamberg. Im
St. Antonispital (Laurenzikapelle) zu B.
j S. Elisabetha ora pro nobis. 1721. In ber
gleichnamigen Kapelle zn B.
f 8. Aegidius ora pro nobis. 1746. In der
ehemals zum Aufsees'schen Seminar gehörigen
Kapelle zn B.

J 8. Materne ora pro nobis. 1761. In der
gleichnamigen Kapelle zu B.
f 8. Angele custos ora pro nobis. Joachim
Martin Keller me fudit Bambergae. Anno
1773. Der hl. Schutzengel. Pfarrkirche zn
Nenckenroth.

V. Bitte NM Abwendung von Schaden?)

f Jesus Nazarenus Rex Judaeorum. Titulus
triumphalis defendat nos ab Omnibus malis.
Anno 1614. Hanns Pfeffer in Nürnberg gos
mich. Auf beiden Seiten das Bild des hl.
Otto. St. Ottoglocke auf dem Michelsberg
zn B.

f Exurgat Deus et dissipentur inimici ejus. 1614.
Hanns Pfeffer in Nürnberg gos mich anno
1614. Auf beiden Seiten das Bild des hl.
Michael, wie er den Satan mit dem Schwert
bedroht. Michelsberg in B-

t Derselbe Text mit dem Chat: Ps. 67. S. Maria. 8. "Wolf-
g-ang-us. Hans Pfeffer 1614. Pfarrkirche zu Reundors.
f 8. Angelus custos omnium et singulorum in-
colarum civitatis Bambergensis. 1628. Exur-
gat Deus et dissipentur inimici ejus et fugiant
cpii oderunt eum a facie ejus. Sancte Deus,
sancte fortis, sancte et immortalis miserere no-
bis. Jesus Nazarenus Rex Judaeorum. Titulus
triumphalis liberet nos ab omnibus malis.
Ecce ch crucem Domini fugite partes adversae.
Vicit leo de tribu Juda. Radix David Alle-
luja. Johannes Kopp goss mich in Vorcheim
1628. Der Hl. Bischof Martin, der einem
liegenden Armen die Hand reicht. Ter hl.
Schutzengel mit einem Kind. Wappen des
Fürstbischofs Johann Georg Fuchs von Dorn-
heim und des Weihbischofs Forncr, welcher
Oberpfarrer in St. Martin zu B. war, wo
diese Glocke sich befand.

Hier ist im Manuskript die Rechnung Beigefügt, welche
als kulturgeschichtlich interessant folgen mag.

Anno 1628 ist diese große Glocke (sie hat 6' im Durch-
messer. 4' 6" in der Höhe) zu Vorcheim von Johann Kopp
gegossen worden, so 65 Centner und 96 Pfund gewogen,
vom Centner 20Va Thaler zu giessen, also über die em-
pfangenen 25 Pfd. Zihn (Zinn) Abzug
fl. Pfd. Pf.

1596 5 9 seine Arbeit und beigeschafftes Metall.

142 1 29 ihme zahlt 6V2 Centner accorbirte Abgang.

von 10 Centner einen gewogen (?) zu 18 Pfd.
den Centner angeschlagen.

86 I 11 der Glockenschwengel und 2 Tragschilder so
2 Cent. 60 Pfd. gewogen.

2 8 11 für das Jochholz.

6 — — dem Glockengiessersgesell Trankgeld.

4 6 22 acht Knecht und Mitlanger Trankgeld, so die
Glocken hereingeführt.

84 — — bey Hereinführung verzehrt (NB. Forchheim
ist von Bamberg nur fünf Stunden entfernt!)
32 — — dem dafigen Schmied für feine Arbeit.

ch Daß Otte, Glockenknnde S. 121 ff. nicht wenige der
folgenden Inschriften als „magische" bezeichnet, mag ihm
als protestantischem Theologen, welchem das Wesen der
kirchlichen Segnungen wohl nicht klar ist, zu gut gehalten
werden. Wenn wir auch nicht alle zur Nachahmung em-
pfehlen wollen, so sind sie doch von Aberglauben frei.

51 — — dem Vorchheimer Schmied für seine Arbeit au
dem Joch.

5 — — für 2 Wappen und Effigies zur Glocken zu
schnitzen.

1 — — dem Mahler solche abzureisen.

4 3 28 verzehrt Herr Pfleger mit einem Pferd, Mit-
läufer. Kirchner und Zimmermann, als sie zu
Vorcheim den Glockenform gesehen.

10 7 21 verzehrten etliche Herrn, als sie zur Giessung
solcher Glocken nach Vorcheim gefahren; andere
Unkosten mehr, so nicht zu melden, hat solche
gekostet 2011 fl. 5 Pfd. 2R/2 Pf.

Glockenstuhlkosten.

215 5 4 darunter begriffen:

60 — — für den Zimmermann überhaupt.

43 1 20 für 8 Stück Aichen zu Lichtenfels gekauft.

25 2 24 für 28 Stämme Holz den Bannachern gezahlt,
und die Hallstätter dahin anzuweisen,' lvelche
dürres Aichenholz hergegeben haben.

18 — — für 36 Aichenbretter zu 18—20 und 22 Schuh
lang allhier zahlt.

Summa Summarum 2226 fl. 10 Pfd. 25’/2 Pf.
j* Heiligste Maria wend Hagel lind Feuer von
uns. Joseph Etzel goss mich in Vorcheim
1667. Bild der hl. Jungfrau. Pfarrkirche in
Neuckeuroth. (Fortsetzung folgt.)

Aus der Vorarlberger Ausstellung.

Die Ausstellungen sind eine Mode. Oder
eine Krankheit? Beide sind ansteckend. Jedes
Städtchen will eine Ausstellung haben. Die
Ausstellung in Bregenz ist aber nicht das
Werk einer Stadt, sondern eines Landes,
des Vorarlberger Ländchens, das seiner Pro-
duktionskraft in Landwirthschaft, Gewerbe
und Kunst hier ein gutes Zengniß ausge-
stellt hat.

Uns interessirt von all diesem Reichthum
nur das, was in kirchliche Kunst oder ins
Kunstgewerbe einschlägt, vor allem das, was
von älteren Zeiten herkommt. Denn vom
Alten kann man immer viel lernen, und das
Lernen ist uns noch sehr nöthig. Dies lehrt
jede Ausstellung neuerer Werke. Die christ-
liche Kunst- und Gewerbthätigkeit hat übri-
gens Fortschritte gemacht, die man nicht mehr
ignoriren darf, daher finden wir sie anch
schon in allen Ausstellungen vertreten.

Die Bregenzer Ausstellung war in drei
Lokalitäten untergebracht. Außer dem Ans-
stellungspark mit Jndustriehalle und anderen
Bauten befand sich die Abtheilung „Kunst
und Alterthum" in der Turnhalle, die „Schul-
und Unterrichtsausstellung" im Postgebäude.
Diesen zwei Abtheilungen sollen unsere Schritte
zugelenkt sein. Die Turnhalle war durck
Zwischenwände in kleine Kabinete eingetheilt,
wodurch ein größerer Ausstellungsraum ge-
schaffen wurde. Aber den ausgestellten Ge-
genständen gereicht diese Einrichtung nicht
zum Vortheil, unb dem aufmerksamen Be-
sucher nicht zum Vergnügen, denn das Licht
ist in diesen Abtheilungen sehr spärlich zu
sehen, und es scheint sogar, daß einige der
schönsten Sachen am schwächsten damit be-
dacht sind. Warum man Gemälde an die
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