Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

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ist mit großer Wahrheit gezeichnet; leb-
haftes Denken, tiefes Sinnen, mächtiges
Ergriffensein, herzliche Rührung — all das
weiß der Maler auf den Gesichtern wie-
derzugeben und zu unterscheiden. Etwas
zu mild ist vielleicht das Verhör vor dem
Hohenrat gehalten, wo der Hohepriester
und die Rathsherren mehr in ernstliches
Suchen und Forschen nach Wahrheit ver-
tieft, als von Haß beseelt erscheinen. Und
soviel auch Fiesole an technischem Können
sich angeeignet hat, dazu reicht seine Kraft
noch nicht ganz, die Ausstoßung des Hei-
ligen aus dem Synedrium und die Stei-
nigung dramatisch gewaltig zu schildern.
Die Handlung ist wie plötzlich eingefroren,
der Affekt zu Eis erstarrt; die stoßenden und
steinwerfenden Männer sehen aus, als
wären sie im Moment der That versteinert
worden. Doch ist zu bemerken, daß dies
Bild zu den stark restaurirten gehört. Unter
diesen Lünetten ist die Geschichte und
das M a r t y r i u m d e s h l. L a n r e n t i u s
in ähnlicher Weise erzählt. Aus der Dia-
konatsweihe ist wieder die Darreichung des
Kelches und die Berührung desselben mit
beiden Händen herausgehoben. Auf dem
zweiten Bild überreicht St. Sixtus dem
Diakon den Kirchenschatz, den er eben aus
der Kammer geholt hat, ehe die Häscher
die Thüre desselben erbrechen, und auf dem
dritten Bild vertheilt Laurentius diesen
Schatz an die Armen in der Kirche. Eben
läßt er ein Geldstück einem in die Hand
gleiten, der ans Handkrücken sich herge-
schleppt hat; ein Blinder sucht tastend mit
dem Stab den Weg zum Heiligen; eine
Mutter steht mit ihrem Kinde da, demütig
wartend, bis die Reihe an sie kommt; eine
andere Mutter hat ihr Kind ans dem Arm
und ist ein rührendes Bild der Armut und
Ergebung und Kindesliebe; zwei Kinder
haben ihre Münze schon erhalten, und das
eine will sie dem andern aus der Hand
nehmen, aber ohne Streit und Bosheit,
bloß aus kindlicher Neugier. Man sieht
hier, wie Fiesole auch ein Ideal von
Bettlern und Bettlerkindern in seiner Seele
trug, und wie er genrehafte Züge sich ein-
zumischen erlaubt, wo sie die Schilderung
verlangt. Laurentius vor Decius imponirt
durch seinen milden und doch so bestimm-
ten und festen Blick, Decins selbst hat

römische Gesichtsbildung. Das letzte Bild:
Laurentius ans dem Rost, ist sehr zerstört.

Nehmen wir hiemit Abschied von Fiesole.
Wir haben eine schöne Serie seiner un-
sterblichen Werke kennen gelernt, von
welchen die meisten nicht bloß Bewunde-
rung, sondern auch Nachahmung und Re-
produktion verdienen, auch zulassen, sobald
nur der Sinn und Geist dem Geist Fiesoles
sich gleichstimmt und das Bewußtsein beim
christlichen Künstler zum Durchbruch kommt,
daß letzter Zweck der religiösen Kunst ist:
beten z u lehren! —

Aur Geschichte der Glockeninschris-
ten aus dem Bamberger (and.

Von Prof. H. Weber.
(Fortsetzung.)

f S. Laurenti Archidiacone libera nos ab hoste
et igne. Johann Conrad Roth goss mich
in Vorcheim 1695. Vesperbild und St. Lau-
rentius. St. Stepbanskirche in B.

J Ad S. Ioannem Evangelistam. Dive Pa-
trone, tua qui toxica voce fugasti, fac mea
vox pellat fulgura, damna, neces. Durch
das Feuer bin ich geflossen. Johann Con-
rat Roth hat mich gegossen in Vorcheimb.
1716. St. Johannes der Evangelist. St.
Johannesglocke in der St. Jakobskirche zu B.
J Sit nomen domini benedictum. Johann Kel-
ler gos mich in Bamberg. 1716.

Gott zu lob und ehr
Je länger mehr und mehr
Las ich mein stimm erschallen
Wider alle donner knallen
Das sie weit von mir weichen.
Filialkirche zu Effelter.

J Ecce crucem domini fugite partes adversae.
Joachimus Keller me fudit Bambergensis
1773. Christus am Kreuz mit Maria und
Johannes. Pfarrkirche zu Lahm.

VI. Angabe des Zweckes.

f Vox ego sum vite. Voco vos orare venite.
Chorglocke im Dom.

J Hostis vim pello, laudes cieo dare claras
clerum cum populo sanctae Kunegundis ad
aras. Anno domini 1459. Die sog. Schlas-
glocke im Dom zu B. Diese Glocke zersprang
am 30. Mai 1885; der Umguß geschah am
30. März 1886. Jetzt „Apostelglocke" genannt,
trägt sie am oberen Rand die alte Inschrift,
unten:

Corpore rupto ivi Phoenix velut ille per
ignem;

Det Deus, ut sonitu Pacem tantummodo
signem.

A. D. 1886. In der Mitte: IHS und das
Monogramm „Maria".
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