Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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Für eilten Neubau stand int Jahre 1886
eine Summe von 60 000 M. zur Ver-
fügung.

Unter Zngrnndlegnng dieser Summe
war zunächst ein Projekt mit schlichter
einschiffiger Anlage des Langhauses und
einem gerade abschließenden Chor ausge-
arbeitet und vorgelegt worden. Das Pro-
jekt war der Gemeinde zn einfach; in
rühmlicher Opserwilligkeit und von einem
lobenswerthen Stolze erfüllt bot sie als-
bald den für eine reichere Anlage noth-
wendigen Zuschuß an; die Wünsche, welche
sie nunmehr äußern durfte und äußerte,
bezogen sich hauptsächlich ans einen Poly-
gonen Chorabschluß, ans Stellung des
Thurms seitlich vom Chor ttnd ans eine
dreischifsige Anlage des Langhauses; in
letzterem Betreff wurde aber der Wunsch
näher dahin formulirt, daß die beiden
Seitenschiffe bloß als Seitengäuge (für
den Verkehr in der Kirche und besonders
für Prozessionen) veranlagt werden möch-
ten, also nur in der hiefür nöthigen Breite,
und ohne daß ans Stuhlanlagen in diesen
Räumen reflektirt werde.

Unter Beachtung dieser Wünsche und
unter Zngrnndlegnng einer Bausnmme von
ea. 76 000 M. wurde das zweite Projekt
entworfen, welches ben Beifall der Ge-
meinde und die Gutheißung des Bischöf-
lichen Ordinariats fand. Der Sitnations-
plan zeigt, daß der Länge des Neubans
durch zwei Straßen nnübersteigliche
Grenzen gezogen waren; demgemäß mußte
aus größere Breitenanlage Bedacht ge-
nommen werden. Als Baustil empfahl sieh
der srühgothische, und es wurde auch hier
der Nachdruck nicht aus Häufung der Zier-
glieder und Ornamente gelegt, sondern aus
tüchtige und richtige Verhältnisse, welche
mehr als ausschweifende Ornamentik die
Würde, die Kraft und den Adel des Stils
zur Wirkung kommen lassen. Der Chor
erhielt ein Kreuzgewölbe, dessen Rippen
von Wanddiensten getragen werden; vier
große zweitheilige Fenster mit schlichtem
srühgothischen Maßwerk erhellen ihn; nörd-
lich slankirt ihn der Thurm, südlich die
geräumige Sakristei. Die Wandslncht des
Langhauses erhielt außer dem kräftigen
Dachgesims, den oben mit Stirnbögen ein-
gefaßten maßwerklosen Fenstern, einem
das Portal umrahmenden Gurtgesims und

einem einfach, aber kräftig profilirten
Seitenportal weiter keine Gliederung oder
Dekoration. Die Westfa?ade erhält eine
kräftige Gliederung dadurch, daß das
Mittelschiff, durch zwei Streben slankirt,
etwas über die Nebenschiffe hervortritt;
so gibt sich an ihr in wirkungsvoller
Weise die innere Anlage kund. Das drei-
fach abgetreppte Portal krönt ein Giebel
mit Schlnßblnme; über ihm erhebt sich
eine größere Fensteranlage, welche das
obere Gnrtgesims umzieht; zu Gunsten
der Orgel sind jedoch die beiden Fenster
als Blenden behandelt und nur zwei
Rundsenster offen gelassen.

Interessant ist die Behandlung der
Seitengänge. Dieselben sind in der
Weise überwölbt, daß in jeder Travee
über die ganze Breite des Seitenschiffs
hin ein der Wölbung des Arkadenbogens
folgendes Spitzbogentonnengewölbe geführt
ist; diese Gewölbe ruhen ans Spitzbögchen
ans, welche sich zwischen Pfeiler und
Außenwand einspannen. Durch diese Art
der Einwölbnng erzielt sich eine bedeutende
architektonische Wirkung und durch die
Spitzbögen der beiden Laufgänge öffnen
sich hübsche perspektivische Durchblicke und
Ansichten.

Die Dimensionen des

N e tt b

aus

sind folgende:



Gesammtlichtlänge . . .

30,23

m

„ breite . . .

13,40


Schisshöhe bis zur Decke .

11,40



Schisfweite (ohne Gänge und



Pfeiler).

9,40


Seitliche Gangbreite . .

1,30



Schifflichtlänge ....

21,00



Chorlichtlänge.

8,45



„ weite.

6,20



Chorhöhe bis zum Scbeitel



des Gewölbs ....

10,20


Thurmhöhe bis zum Haupt-



gesims.

24,50

n

Thurmhöhe bis zur Spitze

40,00

tr

Querschnitt im Geviert . .

5,40

rr

Ueberbaute Fläche . . .

464

□ m

Kubikinhalt des Raums bis



zur Oberkante aller Haupt-



gesimse.

3060

□ m

Die neue Kirche bietet Raum für 275
Erwachsene im Schiff, für 8 im Chor,
für 17 Sänger aus der Orgelempore, zu-
sammen für 300 Erwachsene, ferner für
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