Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

Seite: 12
DOI Heft: 10.11588/diglit.15864.8
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15864.9
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15864.10
DOI Seite: 10.11588/diglit.15864#0016
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1888/0016
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
— 12 —

in drei Schisse theilt, nicht mehr eine lose
hineingesetzte durchbrochene Scheidnngs-
wand; eine feste strenge Gliederung weist ^
vielmehr jedem Theil seinen Platz, seine
Größe, seine Ausgabe zu. Die quadrati-
schen Gewölbe
des Mittel-
schisss, welche
die doppelte
Seitenlange
der Neben-
schisssgewölbe
besitzen, erfor-
dern nun be-
deutend mäch-
tigere Stützen
als diese, und
daraus ergibt
sich dann die
kombinirte
Anordnung,
daß ein mächtiger Mauerpfeiler bis zum

Mittelgewölbe hinansstrebt, während schwä- z
chere Stützen dazwischen die dort zu stützen- i

den Nebengewölbe ansnehmen. So ent-

steht eine klare, wahrhaft organische Gliede-
rung des gan-
zen Baues. Die
Mittelstützen
sind dann Säu-
len, oder auch
sie sind vier-
eckige , aber
schwächere
Pfeiler; ebenso
sind dieHanpt-
pfeiler entwe-
der mit schmä-
leren Halb-
pfeilern (Pi-
laster) oder mit
Halbsäulen
umgeben, deren
vordere bis znm
Hauptgewölbe
emporsteigt

Kig. 163. Stiftskirche zu Ellivangcn. Nlld daher eilw

sehr schlanke

Form erhält. Daß diese Pfeiler, nach-
dem einmal das Gesetz ihrer Zusammen-
setzung gegeben war, in größern Bauten
noch reicher mit mehreren vorgelegten Halb-
pfeilern, mit dünnen Säulen in den ein-
springenden Ecken ansgestattet werden

konnten und wurden, bedarf kaum einer-
besonderen Erwähnung. Ja, zuweilen
wurden sie sogar ganz aus Säulen zu-
sammengesetzt, und es entstand das Säu-
len bündel oder der Bündelpfeiler.
Hatte der Gedanke einer selbständigen,
ganz frei tragenden Stütze der Säule ihre
Gestalt vorgeschrieben, so war dieser Aus-
gangspunkt jetzt gänzlich vergessen, und
die wesentlich anders gewordene Stütze,
welche nur ein organisches Glied des
Banganzen darstellte und von diesem
ihre Größe und Gestalt erhielt, konnte
nicht nur freistehend, sondern überall,
wo etwas zu tragen war, also auch als
Halbsäule oder Halbpfeiler an der Wand
der Nebenschisse oder in einschiffigen Räu-
men gebraucht werden.

(Fortsetzung folgt.)

Neue Studien über paramentik.

Bon Pros. Koppler.

(Fortsetzung.)

Dies muß man im Auge behalten, um
die Weiterentwicklung der ganzen Angele-
genheit zu verstehen. Die Caselbewegung
war in England, Frankreich und Deutsch-
land in lebendigen Fluß gekommen; aber
dieser Fluß führte, wie das bei Menfcheu-
bestrebungen fetten ganz zu vermeiden ist,
neben hellen und klaren Mastern reinen
Kunstsinnes und erleuchteten Eifers auch
manche trübere Woge allzu ungestümen
und unklugen Eiferns mit sich. Die ge-
winnsüchtige Industrie hätte ans begreif-
licher Vorliebe für die reducirten Maße
und steifen Formen des Meßgewandes am
liebsten den ganzen Fluß abgedämmt, und
da sie das nicht vermochte, suchte sie we-
nigstens nach Kräften feine Master zu trü-
ben. Bei der steigenden Erregung der
Geister richteten sich die Angen nach Rom.
Eine Menge von Anfragen, so scheint es,
wurden bezüglich der Form des Meß-
gewandes der Rituskongregation vorgelegt.
An sie wendeten sich um einen Entscheid
die konservativen Richtungen, welche An-
erkennung der geschichtlichen Entwicklung
der Casnla auch über das 16. Jahrhundert
hinaus verlangten, wenn auch nicht gerade
Legitimirnng des letzten Produktes dieser
Entwicklung, der Baßgeige. Dorthin wen-
loading ...