Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

Seite: 18
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nett Vorkommen, aber jeder gediegene Gold-
schmied wird es verächtlich betrachten.
Möchte man hierin lieber, statt neuer
Entwürfe, zu den älteren Mnstern zu-
rückkehren. Solche finden sich in Gmünd,
Biberach, Ochsenhausen, Weilderstadt,
anch in Mengen in merkwürdiger Um-
rahmung und an manchen andern Orten
unseres Landes. Die Ansführung kostet
allerdings mehr Arbeit, aber ist auch ge-
diegener, handlicher, haltbarer. Während
in der Herstellung von Kelchen die Klein-
kunst entschiedene Fortschritte gemacht hat,
ist sie hierin zurückgeblieben und hat sie
noch viel zu lernen und nachzuholen. —

Ausstellung kirchlicher Auuftwebereien
und Stickereien

unter dem hohen Protektorate Sr. Erz-
bischöflichen Gnaden Er. Philippus
Krementz, Erzbischof von Köln.

Ans Ersuchen desKomits's der Ansstellung
kirchlicher Kunst-Webereien und Stickereien
haben sich Dienstag den 15. November Vor-
mittags 12 Uhr folgende Herren in der
Königl. Webeschule 31t Crefeld versammelt,
um in Verbindung mit den Mitgliedern des
Komitö's eine Jury zu bilden, welche für
die Herstellung kirchlicher Gewänder maß-
gebende Gesichtspunkte bezeichnen sollte:
Rektor Aldenkirchen (Viersen), Dom-
propst Dr. Berlage (Köln), Paramenten-
fabrikant Bister (Crefeld), Paramenten-
fabrikant Casar et t o (Crefeld), Geh. Kom-
merzienrath Heimeudahl, Präsident der
H andelskammer (Crefeld), Oberbürgermeister
Küper (Crefeld), Lanterbach, Vertreter
der Parameutenfabrik Dautzenberg (Crefeld),
Dechant Lefranc (Crefeld), Direktor der
Webeschule L emb cke (Crefeld), Geistl. Rath,
Stadtpfarrer Münzenberger (Frankfurt
a. M.), Pfarrer Pan ly (Crefeld), Dom-
kapitular S ch n ü t g e n (Köln), Fabrikbesitzer
Herm. Scheibler (Crefeld), Oberpfarrer
Dr. Schmitz (Crefeld), Pfarrer Schulz
(Aachen), Konservator Schulze (Crefeld),
Gymnasial - Direktor Dr. W 0 l l s e i f f e n
(Crefeld).

Entschnldigt waren die Herren Regierungs-
rat Dr. Königs (Düsseldorf), Domprä-
bendar Dr. Schneider (Mainz). Letzterer
hatte ein schriftliches Gutachten eingeschickt,
welches bei den Verhandlungen eingehende
Berücksichtigung fand.

Nach einer kurzen Begrüßung der Ver-
sammlung wurde Herr Oberpfarrer Dr.

Schmitz zum Vorsitzenden, Herr Konservator
Schulze zum Schriftführer gewählt.

Die Berathungen wurden bis 1 Uhr Mit-
tags geführt und Nachmittags von 3 bis
7 Uhr fortgesetzt.

Dieselben hatten zum Gegenstand:

1) das Material,

2) das Muster,

3) die Ausschmückung der kirchlichen

Gewänder.

Folgende Resolutionen waren das Resul-
tat der Verhandlungen:

I.

а. Seidenstoffe. Bezüglich des Materials
der liturgischen Gewänder haben Schönheit
und Dauerhaftigkeit als Haupteigenschaften
zu gelten, daher dürfen zu deren Anfer-
tigung aus Seidenstoffen nur schwere,
rein seidene Gewebe verwandt werden,
welche als die haltbarsten, auch die wohl-
feilsten sind. Bei gemischten Stoffen gibt
die Anwendung von Leinen und Baum-
wolle zu ernsten Bedenken bezüglich der
Haltbarkeit Veranlassung.

5. Brokat. Eine Rückkehr zur Herstellung
der wirkungsvollen Gold- und Silber-
stoffe nach alter Art ist im hohen Grade
wünschenswerth und wird die Verwendung
des cyprischen Goldfadens in seiner ehe-
maligen Güte hierzu besonders empfohlen,
e. Sammet. Auch die Erzeugnisse der 311
neuem Glanze erstandenen Sammetfabri-
kation, glatte wie gemusterte, verdienen
in hohem Grade empfohlen zu werden,
ä. Farbe. In Erwägung, daß viele neuere
Farbstoffe sich durchaus nicht bewährt
haben, wird die ausschließliche Anwendung
der licht- und wasser-echten Farben als
unerläßlich bezeichnet. Für die Wahl,
Mannigfaltigkeit uird Zusammenstellung
der Farbentöne verdienen die alten Vor-
bilder viel mehl Beachtung, als sie bis-
her gefunden haben.

б. Futter. Als Futter dürfen nur solide
Stoffe verwendet werden; wo Seide zu
kostspielig fein sollte, wird ein Leinen-
gebilde zu empfehlen sein, dem durch ein
anfgedrncktes Muster der geeignete Schmuck
gegeben werden kann.

II.

Muster. Dem Muster, bei welchem 3x1-
nächst der Flächencharakter zu betonen ist,
sollte irgend eine Beziehung zum kirch-
lichen Zwecke nicht fehlen. Dasselbe ist
dem pflanzlichen Gebiete und anch aus
dem Bereiche der christlichen Thiersymbole
zu entnehmen im engen Anschlüsse an die
stylgercchten Vorbilder der Vergangenheit.
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