Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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Anspruch nahmen. Noch zur Zeit Satt-
lers befand sich in der Kirche der alte
Hochaltar, ein, nach Sattlers Beschreibung
zu urteilen, zum Kleiderkasten degradirter
Flügelaltar, welcher nebst den Bildern der
12 Apostel (wohl auf der Predella) auch
solche aus der Geschichte der heiligen Regins-
windaufwies; er ist inzwischen verschwunden.

Gehen wir nun über zu den mit
dem Namen dieser Heiligen bezeichneten
kirchlichen Denkmälern der Stadt Lanfsen.
Hier müssen wir zunächst uns zu einem
kleinen, aber sehr merkwürdigen Bau be-
geben, der mit seinen altersgrauen Mauern
neben der großen Reginswindenkirche im
Garten des Helfers ausragt. Es ist das
die Reginswindenkapelle, bestehend
aus einem quadratischen schönen Quadev-
ban von nicht großen, aber in gutes Ver-
hältniß gesetzten Dimensionen *), mit acht-
seitigem massiven Steindach gedeckt, wel-
ches den Jnnenraum mit einer Art Knppel-
wölbung, einem achttheilig aufsteigenden
Stafselgewölbe überspannt und mit einem
Steinkreuz gekrönt ist. Innen nichts als
eine Steinbank der Westseite entlang (die
Thüre führt nördlich herein) und einige
ehrwürdige Reste gemalter Apostelkreuze;
an eben dieser Westseite ist außen, setzt
fast ganz im Boden, ein kleines Gewölbchen
zu sehen, wohl keine Krypta, sondern eine
Nische für Schädel und Todtengebeine.
An dies Quadrat schließt sich östlich ein
halbachteckiges Chörchen an, ohne Streben,
mit Sterngewölbchen, dessen Kappen Back-
steinfüllung haben und dessen Rippen auf
Fratzenkonsolen aufsitzen, und mit zweichei-
ligen Fenstern, deren Bögen mit gut
gothischem Maßwerk gefüllt sind; außen
auf der Nordseite eine jetzt teere Bildnische
mit hübschem Ziergiebel.

An diesen Bau knüpfen sich nun manche
schwierige Fragen. Ganz sicher ist das,
daß er nicht aus Einer Zeit stammt, daß
der quadratische Theil der ältere, der Poly-
gone Ehor späterer Anbau ist. Das er-
hebt über allen Zweifel, die Art der An-
einandersügung beider Teile; der Chor ist
dem Quadrat bloß äußerlich angeschistet,
das Mauerwerk nicht eigentlich verzahnt;
das Dachgesims des Chors überragt das

*) Die Seite 17' 5" lang; Abbildung s. in der
Dberamtsbeschreibnng von Besigheim S. 261.

des Quadratbaues, so daß die Mauer
des ersteren theilweise noch aus dem
Steinhelm des letzteren auslagert; der
Chorbogen, welcher beide Theile ver-
bindet, ist sichtlich später eingebrochen.
Zweifellos ist sodann auch, daß das Portal
und die drei zweitheiligen Maßwerkfenster
des Quadratbaues nicht ursprünglich sind,
sondern aus der Zeit des Chorbaues stam-
men, dessen Fenster ganz dieselben Formen
haben. Eben die Veränderungen aber,
welche mit dem Quadratbau vor sich gingen,
erschweren so sehr die Lösung der aus
der Form des Werkes und Gesimses nicht
mit Sicherheit zu entscheidenden Frage,
aus welcher Zeit dieser früheste Bautheil
stamme. Daran wird nun wohl nicht zu
denken sein, daß wir in diesem Ban noch
die von Bischof Hnmbert im 9. Jahrhun-
dert ausgesührte Reginswindenkapelle vor
uns hätten; aber mit vollem Recht wird
man ihn noch der romanischen, oder spä-
testens der Uebergangszeit znweisen, nament-
lich im Hinblick aus das massive Stein-
dach und die eigenthümliche, mit demselben
kombinirte achtseitige innere Einwölbung.
Wir bezeichnen daher diesen Steinbau als
Nachfolger der ersten von Bischof Humbert
vielleicht nur in Holz ausgesührten Kapelle
und möchten ihn ins 11. oder 12. Jahr-
hundert versetzen; in der Zeit der Hoch-
gothik, wohl nach Vollendung der Basilika
und vielleicht, wie dies manchmal vorkam,
mit dem übriggebliebenen Baumaterial
wurde das Quadrat um das Chörcheu
vergrößert und zugleich mit mehr Licht
versehen durch Einbrechung größerer Fen-
ster; denn wenn nun auch sie Heilige iü der
großen Basilika ihre Ruhestätte fand, so
wahrte man doch ihrer ersten Grabstätte
und dem darüber erbauten Heiligthnm Ver-
ehrung und Anhänglichkeit. (Forts, folgt.)

Die Reinigung der hl. kirchlichen Gesässe
und Geräthschaften.

Von Vikar Schnell in Tettnang.

Die Erhabenheit und Heiligkeit des Dienstes,
tvelchen der katholische Priester in der Kirche voll-
zieht, verlangt, das; alle Geräthschaften, welche
hiebei znr Verwendung kommen, nach Materie
und Form entsprechend würdig und schön seien.

Ganz besonders für die hl. Gesässe, tvelche
ans dem Altäre und zur Spendung der hl. Sa-
kramente verwendet werden und znr Aufnahme
des atlerheiligsten Leibes und Blutes und der hl.
Oele dienen, ist von jeher nur das kostbarste
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