Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

Seite: 32
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Material als geziemend angesehen und von der
Kirche zur Anwendung bestimmt worden. Daß
diese hl. Gefässe nun immer rein und schön
seien, darauf hat der Priester und in erster Linie
der l-ectoi- ecclesiae ein Hauptaugenmerk zu
richten. Da außer dem Priester, Diakon und
Subdiakon niemand die hl. Gefässe mit bloßen
Händen berühren darf, so trifft die Genannten
die Pflicht, für Reinerhaltung und Reinigung der-
selben selbst zu sorgen.

Im Nachstehenden nun sollen verschiedene
Reinigungsmethoden genannt werden, welche
sämmtlich die praktische Erprobung für sich haben.
In Betracht kommen zunächst die ganz unschäd-
lichen Mittel.

Kelche, Patenen, Lunula, Ciborien, Konse-
krationspyxis, Monstranzen sollen jährlich we-
nigstens zweimal (Frühjahr und Herbst) einer
gründlichen Reinigung unterzogen werden.
Eine solche Reinigung erfordert aber ein
Zerlegen der Gefässe in ihre einzelnen Theile.
Vermittelst geeigneter kleiner Zangen werden die
Schrauben, welche Cnppa, Nodus und Fuß der
Kelche znsamnienhalten, losgelöst, und, wenn
man mehrere Kelche zugleich reinigt, je besonders
gelegt und bezeichnet. Ist dies geschehen, so
werden sämmtliche Theile (die gefaßten Steine,
Porzellanntedaillons, emaillierte Theile ausge-
nommen, da ihnen das Wasser schadet) 1) in heißes
Soda-(Langen-)Wasser gelegt und mit Seife ver-
mittelst weicher Bürste gebürstet; dann werden
sie 2) in feines Sägmehl gelegt, bis alles trocken
ist; hierauf werden sie herausgenommen, sorgfäl-
tig vom Sägmehl gereinigt und 3) mit einem
Pariser Roth-Lappen, oder mit einen: ganz
weichen Hirsch- oder Rehleder-Lappen, oder mit
t r o ck e n e m B a u m w o l l z c n g leicht abgcwischt.
Der Pariser Roth-Lappen gibt einen schönen
Glanz. Er kann bezogen werden von Karl Bäuer-
in München, Reichenbachstraße.

Nach einem andern Verfahren werde)! die
auseinandergenommenen Gegenstände a) unge-
fähr 1k Stunde lang in scharfes Laugenwasser
gelegt, dann b) mit weichein Flanell abgcrieben,
c) in frischem Q u el l w as s e r abgespült, ck) auf
einem mit reinem Tuch bedecktet: Tisch der Sonne
ausKesetzt oder in der Ofcnwärme getrocknet;
darauf e) mit trockenem Banmwollzeug
oder obengenanntem Leder leicht abgcrieben.

Ein drittes Verfahren gibt ein altes Rezept
des Regensburger ornatus ecclesiasticus. Dar-
nach werden die auseinander gelegten Gegen-
stände 1) in ein warmes Wasser eingetaucht und
letzteres ins Sakrarium oder in die Piscina ge-
schüttet, 2) darnach mit Seife, die in scharfer
Lauge (am besten in einer Pfanne, t Vierling
reicht für viele Gefässe) zu einem Brei gekocht
worden, allenthalben überstrichen und so 3) eine
ganze Nacht oder doch einige Stunden stehen
gelassen und nach diesem 4) in warmem Wasser
abgespült und, wenn nöthig, mit einer Bürste, wie
sie die Uhrenmacher oder Goldschmiede haben, in
den Ecken und Vertiefungen sauber gereinigt.
Nachdem sie drei- oder viermal abgewaschen, wer-
den sie 5) in ein frisches klares Brunnenwasser
gelegt und ohne daß sie ab getrocknet

werden, auf einen mit sauberer Leinwand
bedeckten Tisch der Sonne oder Ofenwärme aus-
gesetzt. Wenn sich sogenannte Tropfenflecken bilden,
werden sie am besten mit Baumwollstücken oder
mit obengenanntem Leder blank gerieben.

Außer diesen genannten Mitteln giebt es für
einzelne Metalle noch andere, die aber mehr
oder weniger angreifen und schleifen. 1) Für-
Silber und versilberte Gegenstände eignet sich
vorzüglich „Gnmpoldts Patent-Putz-
Pasta" (Verlag chemisch-technischer Präparate
I. Gumpoldt, München.)

Es ist dies eine harte Seife, von der man
etwas ans ein Stück nassen Flanell reibt, und
mit der man die Gegenstände ziemlich fest über-
fährt. Darauf entfernt man mit nassem reinem
Flanell oder mit Wasser die anfgeriebene Seife
wieder, und reibt zuletzt mit weichem leinenem
Tuch oder mit Putzleder trocken nach.

Auch für im Feuer vergoldete Altäre
läßt sich diese Putz-Pasta erfolgreich verwenden.
Sehr geeignet ist sie zum Reinigen von Glas.

2) Für Messing-Gegenstände ist das
besteMittel die „ Universal - Metall - Putz-
Pomade" von Adalbert Vogt & Cie. in Berlin.

Diese kann man in jedem besseren Kaufladen
bekommen, Gebrauchsanweisung ist darauf. Um
dem Messing eine schöne Politur und Goldglanz
zu verleihen, reibt man es mit „gebranntem
Hirschhorn" mittels gebrauchten, nicht
neuen leinenen Lappens entweder trocken oder
noch besser mit Spiritus vermischt ans. Dieses ge-
brannte Hirschhorn bekommt man in jeder Apotheke.

3) Kupfer reinigt man am einfachsten mit
* Essig und Salz, spült es mit reinem Wasser ab

und reibt cs trocken. Oder auch wie

4) Zinn mit heißem Svdaivasser und Zinn-
kraut (Katzenwedel) abgerieben, in frischem Wasser
abgespült und getrocknet.

Zum Reinigen von ö) Kännchen, Flaschen
ii. s. Ith, die man mit dem Wischer nicht behan-
deln kann, sind sehr gut des Münchener Th.
Kommerells „Email-Schrote", 1 Theil
Email-Schrote, 2 Theil Wasser kalt oder warm,
am wirksamsten Laugen- oder Sodawasser. Ein
Säckchen, ca. 1 Pfund, kostet l M.

Die genannten Mittel beruhen ans Angaben
! von bewährten Männern der Praxis und sind
von mir wiederholt angewendet und geprüft wor-
den, auch sind sie bei nur ein lvenig gutem Willen
und praktischem Geschick leicht zu handhaben. Es
hängt jedoch von der genauen Einhaltung des
gewählten Verfahrens der Erfolg ab.

Die neue gothische Monstranz

für die in Restauration begriffene Kirche in Ried-
lingen bringt die Beilage in phototypischem Bilde
zur Anschauung. Der Entwurf des reichen
Werkes stammt von Professor Kolb in Stutt-
gart, die Ausführung in Silber mit Perlenschmuck
und einigem edlen Gestein besorgte Meister Ball-
mann in Berg. Der Preis beträgt 3000 M.

Hiebei eine Aunstbeilaget
Gothische Monstranz für die Kirche in Riedlingen.

Stuttgart, Buchdruckerct dcr Akt.-Ges. „Deutsches Volksblntt".
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