Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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die Chorstühle auf 2500 M., die vier Fenster,
ebenfalls wohlthätige Stiftung von zwei Ge-
schwistern kosten, 2800 M. Die zwei Seitenaltäre,
die wie der Hochaltar Marmorsäulen und mar-
morne Antipcndien haben, 2000 M-, die eben-
falls durch Wohlthäter gedeckt wurden.

2. Der Chor in Reichen Hofen gehört dem
13. Jahrhundert an, hat ein massives Kreuzge-
wölbe. Im vorigen Jahrhundert wurden der
Schlußstein und die Gurten in der Hanptkreuz-
ung zerschlagen, um ein ovales Feld mit Rah-
men zu einem schlechten Deckengemälde zu be-
kommen. Der Stiftnngsrath übertrug nach reich-
licher Vorbereitung die Restauration Bildhauer-
Metz in Gebrazhofen. Dieser ließ die Rahme
nnd das Bild entfernen und die Gurten wieder
ziehen, die Gurtenträger und alle abgeschlagenen
Theile nach dem alten Muster ergänzen. Die
Gipser-Arbeiten besorgte Steiner von Deggingen
accurat und billig. Er hat auch alle Gesimse
im Chor und am Chorbogen der Kirche zu Wnchzen-
hofcn zu voller Zufriedenheit gezogen. — Metz
bemalte das Gewölbe und die Gurten einfach im
Stile der Frühgothik, ebenso die Chorwände und
den Chorbogen, und gothisirte die alten Bcicht-
nnd Chorstühle, soweit es möglich war. Zur
Bemalung verwendete er auch hier Oeltempera.
— Der Hochaltar von Metz ist ein edler früh-
gothischer Ban, kunstgerecht und fleißig allsgeführt.
Das Antipendium gliedert sich in drei durch
Säulen abgegrenzte Theile und hat drei bunt-
gefaßte Reliefs: Moses, Jsaias und Daniel.

Tabernakel und Thronus entsprechen den Vor-
schriften, sind außen und innen reich und würdig
geziert. In der Predella stehen in Nischen als
ganze Figuren Petrus und Paulus, im Hochbau
unter reichen Baldachinen und Pyramiden die
Statuen des lehrenden Heilandes, der hl. The-
resia und des hl. Konrad, nebst zwei Engel-
fignren mit Leidenswerkzeugen. Der Altar baut
sich stilgerecht nnd leicht auf. Das Eichenholz
ist sauber und astlos, die Fassung und Vergol-
dung durchaus fleißig. Die Kosten belaufen sich
auf 3800 M. Die übrigen Arbeiten, Ergänzung
und Renovierung des Gewölbes, Abänderung
der Chor- und Beichtstühle, Ueberarbeitung von
zwei vorhandenen Statuen, Fassung des ganzen
Chores und Chorbogens sowie der letztgenannten
Statuen, kosteten 2200 M., alles aus freiwilligen
Beiträgen. Mit diesen Restaurationen haben sich
die unermüdeten Seelsorger der Gemeinden, die
Wohlthäter und die Stiftnngsbehörden ein bleibendes
Denkmal gestiftet.

L7eue Publikationen.

Die Verlagshandlnng von Alphons Dürr
in Leipzig hat sechs Führichsche Kompo-
sitionen in photolithographisch vergrößerten
Holzschnitten als Wandbilder für das katholische
Haus heransgegeben. Die Bilder haben starkes
Papier und eine Größe von 50 : 08 cm; Preis
für das Blatt 75 Pf., jedes wird einzeln ab-
gegeben. Die Kompositionen sind folgende: die
hl. Nacht; am Weihnachtsabend; Emaus; Jesu
Einkehr bei der christl. Seele; Jesus segnet die

Kinder; die in Thränen säen, werden mit Freu-
den ernten, lieber Richtung und Geist dieser
Bilder braucht nichts bemerkt zu werden; der
Name Führich gibt darüber genügenden Aufschluß.
Die Wiedergabe derselben kann im Zusammen-
halt mit dem überaus niedrigen Preis eine sehr-
gute genannt werden. Die Sorge für einen
schlichten und guten Zimmerschmuck für die katho-
lischen Familien ist eine sehr ernste und wichtige;
darum verdienen diese Bilder die wärmste Em
pfehlnng; sie kommen in Betracht nicht bloß als
Mittel zur Pflege des Kunstsinns unter dem
Volk, sondern auch als Mittel zur Förderung
christlichen Glaubensgeistes und Gebetsgeistes.

2. Die M o s a i k f a b r i k von V i l l e r o y und
B o ch in Mettlach hat 1885 eine herrliche Ar-
beit zur Vollendung gebracht, nämlich den musi-
visch hergestellten Bodenbelag der Kirche Groß-
St. Martin in Köln, von dem nun auch eine
prächtige, kolorirte Abbildung veranstaltet worden
und zur Versendung gekommen ist. Dieselbe be-
weist, daß die genannte Firma nach Stil und
Technik vollständig den Höhepunkt erreicht hat,
den die musivische Kunst nur je einmal zur Zeit
ihrer höchsten Blüte inne hatte. Außer den ein-
färbigen oder einfach dessinierten Plättchen sind
hier die reizendsten musivischen Gemälde zur
Ausführung gebracht, Thier-und Lanbornament,
aber auch Figürliches: Personifikationen der acht
Seligkeiten, das Schiff der Kirche, Kampf- und
Jagdscenen n. s. w. Durch das treffliche Meister-
werk hat sich die Firma ein Recht auf Empfeh-
lung erworben.

Kerder'sche Wertcrgshcrnötung
in Ireiburg (Wreisgcru).

Soeben ist erschienen und durch alle Buch-
handlungen zu beziehen:

Bonaventura, o. Min.,
Der Lebensbaum. Z.

Lateinischen. Mit Approbation des hochw.
1 Ierrn Erzbischofs von Freiburg. Zweite,
erweiterte Auflage. Mit einem Licht-
druck, drei Facsimiles und zwei Noten-
beilagen. gr. 8°. (XVI u. 79 S.) M. 2.
Die zweite Auflage vorstehender Schrift
ist durch mehrere schätzbare Beigaben er-
weitert. Sie enthält neben der in Licht-
druck wiedergegebenen, herrlichen Dar-
stellung des Lebensbaumes aus dem Fran-
ziskanerkloster St. Croce in Florenz die
Reproduktion einer ähnlichen Darstellung
aus einer Handschrift vom Ende des 13.
Jahrhunderts. Von besonderem Interesse
aber sind, ausser einigen textkritischen Be-
merkungen im Vorwort, zwei Notenbeilagen :
alte Melodien zu den Versen, welche dem
Texte der Schrift zu Grunde liegen, nebst
beigefügter Harmonisierung derselben durch
Herrn Domchordirektor Fr. Schmidt in
Münster i. W.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblail".
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