Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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ohne Bedeutung im kirchlichen Kalender
auf den Tag vor Weihnachten festgesetzt
ist, werden von den Kirchenvätern in dem
Stande ihrer ursprünglichen Makellosigkeit
als ein Vorbild des Heilandes und
seiner Braut, der Kirche, gedeutet. Na-
mentlich ist es der Repräsentant des ge-
sammten Menschengeschlechtes, Adam, wel-
cher nach dem Vorgänge des Apostels
(Rom. 5, 12 sf., I. Cor. 15, 45 ff.) im
Vergleich und Gegensatz zu Christus sehr
oft als Typus Christi aufgefaßt wird.
„Beide sind wahre Menschen, jedoch mit
dem Unterschiede, daß die menschliche Na-
tur bei Adam in einer menschlichen, bei
Christo in einer göttlichen Persönlichkeit
snbsistirt. Jener ist ein irdischer, dieser ein
himmlischer Mensch (I. Cor. 15, 45. 67);
Adam ist ein Kind Gottes durch Adoption,
Christus von Natur; Adam, ins Paradies
versetzt, ist Gott ungehorsam; Christus,
auf die fluchbeladene Erde gesetzt, wird
gehorsam bis zum Tode am Kreuze; Adam
wird aus dem Paradiese vertrieben, um
dem Grabe zu verfallen, der zweite Adam
ersteht, nachdem er die Sünde getilgt, aus
bem Grabe und fährt zum Himmel aus.
Was ihr Verhältniß zum Menschengeschlecht
betrifft, ist Adam die irdische Wurzel, die
Quelle des natürlichen Lebens des ganzen
Geschlechtes, Christus aber, das göttliche
Haupt, die Quelle des übernatürlichen
Lebens, welcher alle einzelnen Glieder durch
seinen Geist sich zu eigen macht; dort
fleischliche Geburt, hier geistige Wieder-
geburt aus Gott; durch Adams Fall wur-
den Alle Sünder, durch Christi Gerechtig-
keit werden viele Sünder Gerechte; durch
den ersten Adam Tod, durch den zweiten
Adam Auferstehung; durch Adam erfolgte
die Ausscheidung des ganzen Geschlechtes
aus dem irdischen Paradiese, durch Chri-
stum erfolgt die Rückkehr aller Erwählten
ins himmlische Paradies." *)

(Schluß folgt.)

praktische ^athschläge für Pfarrer
bei Rirchenbauten.

Von Pfarrer Saupp in Dottcrnhausen.

Wenn ein neneö Gotteshaus erbaut oder
eine größere Renovation vorgenommen wird, * 2

i) Weher und Welte's Kirchenlexikon,

2. Aust. Freibnrg, Herder. I. Bd. S. 210.

so hat der Pfarrer eine große und verant-
wortungsvolle Aufgabe. Seine Sache wird
es in der Regel sein, die Initiative zu er-
greifen, die Einleitung zu treffen, die Korre-
spondenzen zu besorgen und zwischen den beim
Bau thätigeu Faktoren, namentlich bei An-
ständen und Schwierigkeiten, den Vermittler
zu machen; und wenn grobe Fehler Vorkom-
men, wird daher einigermaßen mit Recht auch
sein Rücken mit hcrhalten müssen. Daß
nun, so viel an ihm ist, solche Fehler mög-
lichst verhütet werden, dazu möchten diese
„Rathschläge" einiges beitragen.

1. Der Kostenpunkt wird auch bei
Kirchenbauten zuerst in Frage kommen und
wohl zu erwägen sein, schon angesichts der
Worte des Herrn m der hl. Schrift: »Quis
ex vobis volens turrim aedificare non prius
sedens computat sumptus, qui necessarii sunt,
si habeat ad perficiendum, ne... incipiant
illudere ei« etc. (Pul. 14, 28). Man setze
sich also zuerst nieder, um die Kosten zu be-
rechnen, und mache sich klar einerseits, tvas
erreicht werden soll, und andererseits, was
au Geldmitteln ausgegeben werden kann.
Stellt sich eine zu große Differenz heraus,
dann muß entweder das Bauwesen verein-
facht werden oder man wird warten müssen,
bis mehr Mittel zur Verfügung stehen. Um
eine Uebersicht zu bekommen, stelle man eine
Berechnung an, wie viel Kubikmeter Mate-
rial zu einer den Bedürfnissen entsprechenden
Kirche nothwendig sind, und wie viel etwa
ein Kubikmeter Material kostet 1) für das
Fundament, 2) für den Sockel, 3) für das
eigentliche Mauerwerk, wie viel etwa Stein-
hauerarbeit erforderlich ist, was aufzuwenden
ist für Holz, für Bedachung u. dergl. Dies
läßt sich annähernd schon berechnen, und
wenn es der Pfarrer allein nicht fertig bringt,
so nehme er einen Sachverständigen oder
auch zuverlässige tüchtige Handwerksleute zu
Hilfe. Wenn in diesem Punkt einige Klar-
heit und Uebersicht vorhanden ist, dann ist
man viel sicherer und nie ganz abhängig von
den Technikern, und man weiß, was etwa
zu größerer Dekoration und Ornamentirung
mehr aufgewendet werden kann oder wo man
vereinfachen muß.

Ad vocem „Geldpunkt" möchte Einsender,
da fast bei jedem Kirchenbau der »nervus
rerum« Verlegenheit verursachen will, jedem
Pfarrer oder Stiftungsrath das alte Wort
mehr zur Beherzigung empfehlen: „Spare
in der Zeit, so hast du in der Roth!" Die-
ser hausbackene Spruch aus unfern Zweck
angewendet, heißt: Fange mit der Anlegung
eines Kirchenbanfonds nicht erst an, wenn
die Roth da ist, d. h. wenn die Kirche schon
bcfeft oder baufällig oder zu klein ist, sou-
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