Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

Seite: 66
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setzung von Thalhofers vortrefflichem
Handbuch der Liturgik. In den: großen
Traktat über die liturgischen Gewänder
kommt der Verfasser auch auf die Frage

zu sprechen, mit deren Lösung wir uns be-
schäftigten. Einiges aus seinen tüchtigen
Untersuchungen haben wir oben nachträg-
lich in unsere Darstellung einverwoben.
Zur Beruhigung und Freude gereicht es
uns, daß auch er zu denselben praktischen
Resultaten kommt wie wir. Er faßt seine
Gedanken und Vorschläge bezüglich der
künftigen Gestaltung des Gewandes in fol-
genden Satz zusammen: „Da eine Rück-
kehr zur mantel- oder glockenförmigen Casel
aus verschiedenen, besonders aus Utilitäts-
und Bequemlichkeitsrücksichten weder wün-
schenswerth noch erzielbar ist, so wird man
nur die Wahl haben zwischen der Casel-
form, welche zur Zeit des hl. Karl Bor-
romäus sehr weit verbreitet war und von
ihm mit Zustimmung des apostolischen Stuhls
für die Kirchenprovinz Mailand vorge-
schrieben wurde, und zwischen der römischen
Form, wie Gavantus (in appeird. ad rubr.
Missal.) sie beschrieben hat lind wie sie
in der Hauptsache noch jetzt in Rom ge-
bräuchlich ist" (S. 881). Das ist im
Grund dieselbe Lösung, welche wir oben
gaben; nur haben wir zur größeren Deut-
lichkeit die jetzt in Italien und auch bei
uns für die Regel zu Recht bestehende Form
besonders gestellt, weil sie denn doch von
der des Borromäus und Gavantus nicht
unwesentlich abweicht. Wir glauben aber,

daß sie auch in dieser Abweichung und in
ihrer Besonderheit zu dulden und erlauben
ist und für den alltäglichen Gebrauch die
Regel bleiben muß. In der Betonung der
zweifellosen Berechtigung und der Em-
pfehlungswürdigkeit der weiteren Formen
des hl. Karl Borromäus uub des Gavan-
tus steht Thalhofer ganz auf unserer
Seite.

Lhorschranken, Lettner und Ciborien
in Württemberg.

(Schluß.)

Im Innern ist der freie Einblick in den
Chor durch einen großen Zopfaltar ver-
wehrt; diefer wurde durch die Kapuziner
aufgestellt und zwar vor dem Chorbogen,
damit sie das nicht große Chörchen zum
Chorgebet für sich hätten. Unsere Auf-
merksamkeit muß sich nun eben dem Vor-
bau zuwenden, der in drei Traveen den
östlichen Theil des Schiffes einnimmt und
überwölbt und unter dessen Mittelgewölbe
der Altar steht; vgl. den Grundriß Fig. 1
und Aufriß Fig. 2. Nach dem Schiff
hin öffnet sich dieser Raum in drei spitzen
Arkadenbögen, die an der Wand auf Kon-
solen, in der Mitte auf zwei Freisäulen
ruhen; diese Bögen reichen mit ihren

Spitzen beinahe an den Plafond der nicht
hohen Kirche, und der letztere ruht un-
mittelbar auf dem über den Bögen laufen-
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