Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

Seite: 76
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flüsse ober Bergkrystalle, ober bte in der
Inschrift erwähnten Reliquien befanben.
Der Kruzisixns, 17,5 cm hoch unb von fast
gleicher Armweite, ist noch ganz gut er-
halten unb bem im „Archiv" 1886 Nr. 10
beschriebenen unb auf Blatt 2 ber. Bei-
lage abgebilbeten ganz ähnlich, so baß
man beibe Kruzifixe für Abgüsse nach dem-
selben Mobell halten konnte, wenn nicht
bie Große etwas verschieben wäre. Der
Christuskorper ist hohl. Dieses Kreuz steht
beim Volke in großem Ansehen unb führt
ben Namen Gangolfskrenz — St. Gangolf
ist nämlich Patron ber uralten Pfarrkirche
und sechseckigen Kapelle —, unb es besteht
bie Sage, bas Kreuz sei im Gangolfs-
brnnnen mit noch zwei andern Kreuzen,
von denen sich eines in Gornhofen, bas
andere in Aulenborf befinde, gewachsen.
(Vgl. Gutermann, im Anzeiger des german.
Museums 1856 S. 161 ff.) In Gorn-
hofen befindet sich wirklich noch ein roma-
nisches Kreuz, in Aulenborf bermals nur
eiues aus der spätgothischen Zeit.

2. Das Kreuz in der Pfarrkirche zu Gorn-
hofen, s. Fig. 6. 7, ist bedeutend kleiner als
das in Wolpertswende, nämlich nur 30 cm
hoch, 22,5 breit, Stamm 3,5 breit, an den
quadratischen erweiterten Enden fast 5 cm.
In der Mitte sind zwischen den einzelnen
Stäben Kreissegmente eingefügt, so daß
ein 7,5 cm im Durchnwsser betragender
Kreis entsteht. Das Kreuz mit Kruzifix
war in letzter Zeit mit einer dicken Qel-
farbe bestrichen, so daß das Kreuz als eine
einfache Arbeit aus Schmiedeisen und der
Kruzisixns als plumper Eisenguß erschien.
Durch die oben berührte Sage aufmerk-
sam gemacht, untersuchte Einsender das
Kreuz genauer, und nach Entfernung ber
Oelfarbe zeigte sich, daß Kreuz und Kruzi-
fixus aus der romanischen Zeit stammen,
aus Kupfer hergestellt und einst ganz ver-
goldet waren. Auf dem vorderen Rande
ist ein 5 mm breiter Streifen aufgenietet,
der mit einfachen Linienornamenten ver-
sehen ist. Auf der flachen Rückseite läuft
ein ähnliches Ornament ringsum; hier sind
auch auf den vier Schenkeln des Kreuzes
vier schwebende dein Mittelpunkt zugekehrte
Engelsfiguren eingraviert, zwei Bücher in
den Händen haltend, eine mit ausgestreckten,
eine mit gefalteten Händen. An den Enden
der Kreuzbalken befinden sich eben so wie

beim vorigen Kreuze ovale Oeffnungen.
Der Kruzifixus ist 14 cm hoch mit 13 cm
Armweite, das Haupt fast aufrecht, ohne
Dornenkrone, mit gescheiteltem in Strängen
über Brust und Schulter herabfallendem
Haare. Die Hände gehen bis zu den
Ellenbogen horizontal, von da ziemlich auf-
wärts; die Füße sind neben einander, stehen
aber nicht wie beim erstgenannten Kreuze,
auf einem Snppedanenm, sondern die Nägel-
öffnung befindet sich zwischen beiden Füßen,
durch den Verbindungsstreifen zwischen letz-
teren gehend. Das Lendentuch fällt als
sog. Herrgvttsrock einfach bis zu deu Kuieen
herunter, nur vorn und an den Seiten
etwas aufgeschürzt, wodurch ein einfacher,
ruhiger Faltenwurf gebildet wird, während
es beim Wolpertswender Kreuz mit einem
breiten Gürtel vorn geknotet, an den Sei-
ten stark aufgeschürzt, in bewegten Falten
herunterwallt. Wie an das erstangeführte,
so hat sich auch an dieses Kreuz die Sage
geknüpft, es sei in einer Quelle gewachsen;
auch sei es schon, von einem Orte in einen
andern gebracht, selbst in den ersteren zu-
rückgekehrt.

3. Bedeutend großer als das vorige, fast
so groß wie das in Wolpertswende, ist jenes
in der Pfarrkirche zu Thaldorf, s. Fig.
5a. 5b, aber ziemlich schmäler, daher es viel
schlanker und leichter erscheint. Zwischen
den einzelnen Stäben sind wie in Gornhofen
Kreissegmente eingefügt. Die nur wenig
ausladenden Rechtecke an den Enden haben
gleichfalls ovale Oeffnungen. Das Kreuz
ist 36 cm hoch, 26,7 breit, der Stamm
4, an den Enden 5 cm breit. Um das
aus 2 mm starkem Kupferblech hergestellte
Kreuz läuft vorn ein 6 mm breiter, 2 mm
hoher Streifen, in welchem kleine Kreise
zur Verzierung eingeschlagen sind. Auf
der Rückseite ist in der Vierung in einem
Kreise ein stehendes Lamm mit Kreuz ein-
graviert, rückwärts schauend, mit Nimbus,
zu beiden Seiten zurückgeschlagene Vor-
hänge; auf dem oberen Stabe eine aus
Wolken ragende, in griechischer Weise seg-
nende Hand in einem Kreuze. Auf den
Querbalken rechts und links vom Lamme
ist in großen lateinischen Buchstaben ein-
graviert: iVlaric Magdalena, aus dem
Längsbalken unten: Oe . Eruce . Om . cie .
sepulclstro) . Oni . Bartholomei . A .
(H)ypoliti . Nicolai . epi. (Die E er-
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