Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

Seite: 81
DOI Heft: 10.11588/diglit.15864.47
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15864.48
DOI Seite: 10.11588/diglit.15864#0085
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1888/0085
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

perausgegeben und redigirt von Professor Dr. Rexxler in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Keppler.

Erscheint monatlich einmal. Halbjahr!, fiir M. 2. 05 durch die wiirttemb. (M. i. 90
im Stuttg. Bestellbczirk), M. 2. 20 durch die bayerischen und die bieichspostanstalten,
fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3. 40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden yOQQ
* \/* auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags lOOO.
direkt von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, UrbanSstraße 94,
zum Preise von M. 2. 05 halbjährlich.

Die Ruinen des Klosters cherrenalb.

Von Stadtpfarrverweser Schöning er.

(Schluß.)

Als ein Werk aus Abt Johanns Zeit
kündigt sich auch der hohe Giebel auf der
Westmauer des Paradieses an. Denn er
trägt den auf diesen Abt hinweisenden Wahr-
spruch »Loli Deo« und die Jahreszahl
1462. Dieser Giebel enthält ein spät-
gothisches Fenster, das aber nicht ganz in
der Mitte über dem romanischen Portal
steht. Die Bekrönung des Giebels ist ge-
bildet durch ein sehr zierliches spätgothisches
Thürmchen, welches den Ruinen hauptsäch-
lich das malerische Aussehen gibt. Aus
einem quadratischen Sockel, an welchen die
Wasserschläge der Seiten sich anschließen,
erheben sich vier stark profilierte Pfeiler-
chen, oben verbunden durch spätgothische
Rundbögen mit Nasen, und diese bekrönt
durch zierliche Eselsrücken, darüber die
schlanke mit Krappen besetzte Pyramide.
Auf den Seiten sind die Oessnnngen zwi-
schen den Säulchen gefüllt durch die Sta-
tuen zweier Mönche. Unter dein Thürm-
chen ragt aus der Giebelwand eine Konsole
mit dem Brustbilde eines Engels mit Po-
saune in der linken, Kreuz und Dornen-
krone in der rechten Hand. Auf der Kon-
sole steht ein Ecce homo, oder Erbärmde-
bild. Die spätgothischen Ueberreste sind die
am besten erhaltenen. In der Kirche stehen
noch rechts und links vom Triumphbogen die
spätgothischen steinernen Statuen Johannes
des Täufers uud Johannes des Evangelisten.

Erwähnt mag noch werden, daß im
Schloß Eberstein bei Gernsbach in Baden
ein früher hier befindliches Steindenkmal
sich vorfindet. Es ist dies eine 6 Fuß
hohe, 4 Fuß breite Sandsteiuplatte, auf
welcher in Hautrelief Christus am Kreuz,
zu den Füßen Maria und Johannes, zu
den Seiten (nach Näher) Stephan von

Tigerno und Robert von Molesme aus-
gehauen sind. Der Wahlspruch »Soli

Deo« weist wieder auf Abt Johann von
Udenheim hin. Außerdem befinden sich

verschiedene Wappen auf der Platte, von
Eisterz, Burgund, Württemberg, Psalz-
bayern, Baden und Eberstein. Großherzog
Leopold kaufte seiner Zeit dieses Denkmal,
das über dem Eingang an der jetzigen
Kaltwasserheilanstalt eingemauert war.

Zum Schlüsse werfen wir einen Blick
aus die vielen Grabsteinplatten, die nament-
lich an den Wänden der Vorhalle aufge-
stellt sind. In der Kirche befinden sich
auch sehr viele, aber sie sind zum größten
Theil durch Bänke und Bodenbelag ver-
deckt. Hinter dem jetzigen Altar, fast
unter dem Triumphbogen liegt die Grab-
platte des Bischofs Konrad von Spever,
eines Ebersteiners, der im Jahre 1245 starb.
In der Vorhalle stehen die Grabplatten der
verschiedenen benachbarten Adelsgeschlechter
der Ebersteine, Flehingen, Gärtringen,
Gültlingen, Rennhingen, Straubenhard.
An vielen ist die Inschrift und alles ver-
waschen und abgeschlisfen. Einige sind
noch erkennbar; so ist namentlich hervor-
ragend der des Ritters Sur von Gült-
lingen mit drei mächtigen Adlern in Haut-
relief, leider verstümmelt. (In der Got-
tesackerkirche von Neuenbürg findet sich der
gleiche Grabstein noch gut erhalten.) Aus
deu Grabsteinen früherer Aebte findet sich
mehrmals eine Hand mit dem Kelch oder
dem Abtsstab, auch die ganze Mönchssigur
eingegraben. Eine solche Grabsteinplatte
diente oft dem Gedächtniß mehrerer Aebte
zugleich, daher finden sich auf einer die
Namen Dietrieus I., Narcquarckug V., Ru-
pertus VIII., Hainricus X. zugleich am
Rand herum eingemeißelt.

Am besten erhalten ist der auch durch
seine Größe hervorragende Grabstein des
Abtes Marcus, der die Gräuel des Bauern-
loading ...