Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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krieges im Kloster sah, 1525 resignirte
und 1535 starb. Die Platte zeigt oben
spatgothisches Rankenwerk (distelähnliche
Ornamentirnng) mit sich durchkreuzenden
Stäben, in der Mitte einen Arm mit dem
Abtsstab, darunter ein Spruchband mit
den Worten »Genetrix Dei« und unter
diesem ein Wappen mit zwei sich kreuzen-
den Pfeilen. Die Umschrift lautet:

Anno Dni MDXXXV die secunda
Mensis Martii obiit reverendus in Chro
Pater et Dominus Marcus de Gers-
pach XVII Abbas in Alba Domino-
rum . Cujus anima requiescat in pace.

An der Nordseite lehnt noch eine Sand-
steinplatte mit drei tief eingegrabenen Vier-
pässen, in diesen die Ebersteiner Rose, ein
Wappen mit drei Sternen und ein bärti-
ger Kopf mit einer Art Helm, die Ober-
amtsbeschreibnng nennt es eine Bischofs-
mütze.

Mit den Grabsteinen, die uns an das
Ende alter Ritter- mtb Klosterherrlichkeit
erinnern, beschließen wir unfern Gang
durch die Trümmer Herrenalbs. Es bleibt
wohl ein frommes Wünschen, daß diese
Trümmer auch wieder ein Auferstehen des
alten Klosters sehen dürften, wie einst die
Leiber anferstehen werden, die unter den
Grabsteinplatten die Ruhe fanden von
Kämpfen und Stürmen.

Die Vortragkreuze im Landkapitel
Ravensburg.

(Fortsetzung und Schluß.)

1. Beginnen wir mit dem Kreuze in
der Pfarrkirche zu Oberzell und zwar
wegen des Kruzifixns, der wohl nach den
romanischen der älteste und der ersten Hälfte
des 14. Jahrhunderts zuzuweisen sein wird;
er ist 12,5 cm hoch, die Entfernung der
Fingerspitzen von einander beträgt 11 cm;
die Arme sind etwas aufwärts gerichtet,
die Hände stärker. Das große, etwas
derbe Haupt, ohne Dornenkrone, vorwärts
geneigt, zeigt dichtes, gescheiteltes, über das
linke Ohr zurückgeschlagenes Haar. Die
Brust ist schmal, mit hervortretenden Rip-
pen, die Füße sind stark nach rechts geneigt,
die Kniee vorwärts gebogen, der rechte
über den linken stark hervortretend. Das
Lendentuch fällt sehr faltenreich bis unter
die Kniee herunter, dieselben noch um-

schlingend. Die Ähnlichkeit mit dem Krnzi-
sirus des Langenargener Kreuzes (s. Beit.
„Archiv" 1886 Nr. 10) ist unverkennbar.

Der Kruzifixns befindet sich an einem
besonderen, 22 cm hohen, 17 cm breiten,
8 mm dicken runden Stamm, der dann
am eigentlichen Vortragkreuz befestigt ist.
Letzteres ist 41 cm hoch, der Querbalken,
32 cm lang, der Stamm 4, über der
Vierung 6 cm breit. Auf den Stäben
einfaches gravirtes Laubwerk mit schraffir-
tem Hintergrund; das Mittelstück ist be-
sonders behandelt und zeigt anderes Mo-
tiv. Auf den Vierpässen befinden sich runde
Medaillons mit den Symbolen der Evan-
gelisten in schlechtem Guß, jedenfalls später
angebracht.

2. In der gothischen St. Gallnskapelle
in Eschau, Filial der Pfarrei Bavendorf,
früher selbst Pfarrkirche, befindet sich ein
sehr gefälliges, reiches und fleißig gearbei-
tetes Kreuz, 39 cm hoch 31 breit; Breite
der Bleche auf der Vorder- und Rückseite
3,5, des Kreuzes überhaupt 4,5 cm; der
Holzkern tritt nämlich ringsum einige mm
hervor, auf beiden Seiten um das Metall-
kreuz eine Art Rnndstab bildend, wodurch
das Kreuz an Kraft und Wirkung gewinnt.
Auf den Krenzstäben schlingt sich reiches
gravirtes Laubornament hin, das sich bei
jeder Wendung umschlägt, mit schrafsirtem
Hintergrund; das stark hervortretende Mit-
telstück ist besonders behandelt, vorn mit
eigenem Ornament, hinten mit eingravirtem
einfachen Kreuze. Besonders schön sind
.die Vierpässe verziert, nämlich mit sehr gut
gravirten Figuren in Brustbildern, oben
Gott Vater (?) in Wolken, von Laubwerk
umgeben, die rechte Hand segnend erhoben,
in der linken ein Buch; rechts eine bart-
lose Figur ohne Kopfbedeckung mit starkem
Haupthaar, in der Rechten eine Palme
haltend, in der linken eine Kreisfigur,
worin ein Adler (Johannes Evang. ?), links
die Figur eines Bischofs mit Mitra, Stab
und Buch ohne weiteres Attribut; unten
eine weibliche Heiligenfigur, in der Rechten
das Modell einer dreithürmigen romanischen
Kirche, in der Linken ein Rosenkranz.
Der Hintergrund der Figuren ist schraf-
firt. In den Vierpässen der Rückseite
befinden sich Oeffnnngen für Reliquien,
die früher mit silbernen Deckeln, welche
wahrscheinlich getriebene oder eingravirte
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