Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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Figuren oder Ornamente zeigten, geschlos-
sen waren. Als dieselben im Lause dieses
Jahrhunderts durch diebische Hand entfernt
worden, wurden sie bei der vor einigen
Jahren vorgenommenen Restauration des
Kreuzes durch silberne Plättchen mit den
eingravirten Evangelistensymbolen ersetzt.

Der 13 cm hohe Kruzisixus, ohne Dornen-
krone, mit gescheiteltem Haupthaar, hat ziem-
lich stark ausgerichtete Arme, eingezogene
Finger, hervortretende Rippen, ziemlich
großes Lendentuch, dessen rechte Seite unter
der linken heraufgezogen und herausge-
schlagen ist. Die Füße sind wie beim
vorigen mit Einem Nagel angeheftet.

3. Besonders schön ist auch das Kreuz
in der Kirche zu W e ch s e t w e i l e r, Filial
von Zogenweiler. Dasselbe hat große
Aehnlichkeit mit dem von Schnetzenhausen,
das im Archiv 1887 Nr. 10 S. 101 näher
'beschrieben ist; besonders gilt dieses von
den Ornamenten der Stäbe aus der Rück-
seite; das schöne Laubgewinde setzt sich auch
auf den Vierpässen fort; in der Mitte be-
findet sich gleichfalls ein Lamm, nur hier
stehend abgebildet. Aus der Vorderseite
erstreckt sich das Ornament mtr bis an
die Nierpässe, auf letzteren befinden sich
Medaillons, welche in Silber getrieben die
Symbole der Evangelisten darstellen mit
den Namen derselben in gothischeu Mi-
nuskeln; in den Kreissegmenten das gleiche
Ornament wie auf einem der Tettnauger
Kreuze. Auf der Vierung ist eine runde
Kapsel befestigt, worin sich Reliquien hinter
Glasverschluß befinden. Die auf einem
Pergamentstreifen stehende Schrift in gothi-
schen Minuskeln lautet : de s. jeoriosOeor^io)
mart. de s. laurentio, de esortio (cormortio)
ursulä, de focietate achaci (Achatii). lieber
dieser Kapsel ist die Jahreszahl 1496 an-
gebracht. — Das Kreuz 45 cm hoch, 33
breit. Stamm 4 cm breit. Der Kruzisixus
ist ein guter Guß, mit schönem Gesicht,
ohne Krone, Haupthaar schön gescheitelt,
Arme ziemlich stark auswärts gerichtet, die
Füße übereinander, mit Einem Nagel be-
festigt, der sonderbarer Weise nur durch
den linken zurückstehenden Fuß geht.

4. In der Kapelle des sog. Bruderhauses
in Ravensburg befindet sich außer einem
einfachen romanischen Rauchfaß und gothi-
schen Reliquiar auch ein Vortragkreuz aus
der spätgothischen Zeit (s. Beil. Fig. 4).

In der Mitte tritt ein Quadrat stark über
die Kreuzbalken hervor, auf der Vorder-
seite mit Laubornamenten, auf der Rück-
seite mit einem Medaillon, dessen ursprüng-
liche Verzierung aber abhanden gekommen
und durch eine unpassende ersetzt ist. Das
Laubwerk an dem Längen- ititb Querstab
windet sich wie bei dem Jettenhauser Kreuze
(Archiv 1886 Nr. 10) um einen knorrigen
Stamm und reicht bis an die Vierpässe,
auf welchen sowohl vorn als rückwärts in
Silber getriebene Medaillons mit den Sym-
bolen der Evangelisten und Spruchbändern
angebracht sind, wie aus dem zuletzt be-
schriebenen Kreuze. Von den ursprüng-
lichen acht Medaillons fehleit drei, die
durch unpassende andere ersetzt sind. Um
diese Medaillons schlingt sich je ein die
Außentheile des Vierpaßendes ausfüllendes
Laubwerk. Der Kruzisixus, 14,5 cm hoch,
mit starkem, vorwärts und nach rechts ge-
neigten Haupte, reichem Haupthaar, ohne
Dornenkrone, etwas beschädigtem Kinn, fast
gerade ausgehenden Armen, ist aus einem
besoudern Kreuze befestigt, das aus einem
runden Stabe mit abgeschnittenen Aesten
gebildet ist; letzteres ist 25 cm hoch, 16
breit, während das Hauptkreuz 39,5 hoch
und 30 breit ist mit 4 cm Stammbreite.

5. Das Kreuz in der Kapelle zu Staig,
Filial von Blitzenreute, ist 43 cm hoch,
die Breite der Arme beträgt 36,5, die des
Stammes 4 cm. Ein kräftiges Laubwerk
zieht sich auf der Vorder- und Rückseite
in Schlangenlinien hiit, bei jeder Wendung
sich umschlagend; auf der Rückseite füllt
dieses Ornament auch die Vierpässe aus.
Während bei den andern Kreuzen das her-
vortretende Mittelquadrat sein besonderes,
durch einen glatten Rand von dem der
Kreuzesarme getrenntes Ornament zeigt,
ist aus diesem Kreuze das des Mittelstücks
mit dem des linken Querbalkens verbunden.
Das Motiv der Zeichnung ist aus der
Rückseite einheitlich durchgeführt, nicht so
auf der Vorderseite, indem hier die Ver-
zierung des linken Seitenarmes und der
Vierung nicht zttut aitdern stimmt. An
den Vierpässen fehlen die ursprünglichen
Ornamente; sie sind durch geringwerthige
Rosetten aus neuerer Zeit ersetzt. Der
Kruzisixus ist klein, nnv 9 cm hoch, mit
ziemlich stark vorwärts geneigtem Haupte,
geschlossenen Augen, ohne Dornenkrone,
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