Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 6.1888

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Terracotta- Märchen von V ill ero y und
Boch in Mettlach (Merzig); das Suppe-
daneum mit mosaikartig behandelten, streng
stilisirten Löwenfiguren, die Rückwand unter
dem von Säulen getragenen Altartisch mit
guten Figürchen, die Predella mit einem
(nicht mehr stilisirten, sondern fast fratzen-
mäßig gestalteten) Agnus dei; die Arbeit ist
int Ganzen vorzüglich, nur sollte für die
Altarmensa Ein massiver Stein in Ver-
wendung kommen, nicht auch einzelne ge-
brannte Platten oder Kacheln.

Nach der genauen Besprechnng dieser
wichtigsten Werke, der Altäre, mögen nur
noch wenige Bemerkungen über andere Zweige
der kirchlichen Kunst folgen. Die Skulptur
arbeitet fast durchgängig unter der Devise:
theuer und schlecht. Recht guten Eindruck mach-
ten nur die trefflichen Eisengußfignren von
Kustermann in München, fein broncirt; das
ftub wahre Kunstleistungen, was Modell lind
sorgfältige Ausführung anlangt; für Fcld-
kreuze kann man nichts mehr empfehlen als
einen Kruzifixus dieses Ateliers. Auch der
Zinkgußkruzifirns von Ru pp in Mün-
ch e n verdient Anerkennung. K l n m p p u. Cie.
in München pries Oxyphoridstatuen an, d. h.
Gipsstatuen, die galvanoplastisch verkupfert
und broncirt sind; sie werden als „wetter-
beständig und unzerbrechlich und billiger als
Zinkguß" prädizirt; Vorsicht wird am Platze
sein. — Die Glasmalerei war würdig
vertreten durch eine Reihe von tüchtigen, nach
richtigen Prinzipien hergestellten Werken der
Firmen Hertl und L er sch in Düsseldorf
und Mayer in München; die neu erfun-
dene Kunst, die Patina von Jahrhunderten
gleich mit einzubrennen, hat denn doch auch
ihre bedenkliche Seite. — Im Reiche des
Edelinetalls war nicht sehr viel ganz
Befriedigendes zu finden; sehr häufig fehlt
es an der Zeichnung, oft an der Ausfüh-
rung, nicht selten an beidem. Wahre
Schmerzenskinder sind einmal die Monstran-
zen, sodann die Leuchter, namentlich die
gothischen. Die Firmen sollten Preise aus-
schreiben für gute Zeichnungen, vielleicht würde
doch ein tüchtiger Kopf mit Hilfe alter
Muster bessere Entwürfe allssinnen. Die
hervorragendste Leistung war eine Monstranz
von Rorz in Jilnsbruck von kühnem
Renaissancebau, delikat ausgeführt; nur die
oberste Nische ist etwas plump und schwer
(Preis 7500 Mark). In Filigran arbeitet
recht lobenswerth Kronenbitter in
München. — Sehr ist zu begrüßen das
herrliche Wiederaufblühen einer tauge ver-
schollenen Kunst: der Feinschmiede-

technik; hier allein ist eigentlich ein un-
leugbarer Fortschritt gegen frühere Ausstel-

lungen zu verzeichnen. Die Firmeil: Peter
Kölbl uild Konrad Gautsch in Mün-
chen, M. L li g e r in A s ch a f f e n b n r g
hatten Gitterwerke, Leuchterchen, Glocken-
züge, Hängelämpchen, Laternchen ausgestellt,
die deil Venetianerarbeiten kaum nachstehen;
Söller in München hatte ein prächtiges
schmiedeisernes Grabkreuz ausgestellt. —
Ebenso konnte man eine Freude haben an
der Entwicklung der Ledertechnik für
stilvolle Einbände; Dieffenbacher nnb
Freudenberger in H eid elb erg, Schick
in Karlsruhe, Pllstet in Regens-
burg hatten hieriil gut ausgestellt. — Die
Paramentik endlich war wohl ohne Zwei-
fel an: besten vertreten dllrch die Firma
Osiander in Ravensburg; der Ornat
nach den Zeichnungen des Pros. Spieß in
München mit diskreter Verwendung voil
architektonischen Umrahmungsmotiven ist eine
wahre Musterarbeit zll nennen nnb zeigt die
Nadelmalerei auf der Höhe der Feinheit uild
Accuratesse. Auch die Arbeiten der Kunst-
stickereianstalt von Marianne Rieppel
in München sind lobenswerth, ebenso die
der Anna Ball in Gengenbach, be-
sonders der letzteren Antipendium mit gailz
vorzüglicher Figurenstickerei. Leider war nur
Ein Meßgewand größeren Schnittes zu
sehen, eine reich und schön gestickte Casel in
der Elsäßer Ausstellung.

Damit sei ilnsere Nachlese abgeschlossen.
Wir wollen nur der Ueberzeugnng noch Aus-
druck verleihen, daß auf den verschiedensten
Gebieten unsere Meister nnb Kunstanstalten
über ein reiches technisches Können verfügen;
woran es fehlt, das sind meist tüchtige Zeich-
nungen und Entwürfe. Solche zu liefern
ist wieder eine Kunst für sich, nnb nicht viele
'Meister sind gleich geschickt nnb gleich fähig
zu planen uild Pläne auszuführen. Das
Kunsthandwerk soll sich von erprobten uild
erfahrenen Männern des geistlichen und
Laieli-Staildes gute Entwürfe fertigeil lassen,
wornach es arbeiten kann. Und feine Zeich-
nung eines Altars, einer Monstranz oder
eines Kelches soll zilr Ausführung kommen,
ehe sie bie Prüfung der kirchlichen Oberbe-
hörde bestanden hat. Schon damit könnten
viele Mißgriffe verhütet werden.

Oer Bildhauer Jakob Buß vou
Bavensburg.

Bon Pfarrer Karl Anton Busl in Bavendorf.
(Schluß.)

Abgesehen von der Frage sedoch, ob
die Figur nicht ursprünglich Flügel hatte
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