Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

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Feindes. (Allerdings flieht hier nicht der
Drache selbst, sondern eine Schlange, beides
aber kommt auf dasselbe hinaus, wie auch
Hugo von Skt. Viktor in seiner Erklärung
des Panthermythus (Instit. mon.) Drache
und Schlange unterschiedslos gebraucht:
„Als unser Herr, der wahre Panther, in
die Unterwelt hinabstieg, band er daselbst
den großen Drachen, den größten Feind
der Menschen, nämlich die alte Schlange."
Da der Drache erstens als wuthschnanbend,
zweitens als besiegt gezeichnet werden sollte,
mußte für die zweite Rolle sein Pendant,
die Schlange, herhalten.) Der Panther
setzt siegreich seinen Lauf fort: Triumph
des auserstandenen Heilands. Wie also
der Widder den Opfertod Jesu sinnbildet,
so der Panther die Auferstehung. Dank
dem sterbenden, dank dem auferstandenen
Erlöser werdet ihr in das Himmelreich ein-
gehen, wozu die Taufe den Durchgang
bildet: das ist's, woran diese zwei Bild-
werke in ihrer Nebeneinanderstellung auf
diesem Taufstein mahnen.

(Schluß folgt.)

Ueber mittelalterliche lyolzskulp
turen aus Mberschwaben

von Pfarrer Dr. Probst in Essendorf.

Erster Artikel.

Weitaus die meisten und wohl auch
besten Skulpturen aus Holz stammen,
bei uns wie anderwärts ans dem Ende
des 15. oder Anfang des 10. Jahrhunderts.
Skulpturen aus Stein sind zwar an den
Portalen der gothischen Kirchen aus weit
älterer Zeit zahlreich erhalten; viel spär-
licher aber, worüber die bisher erschienenen
Hefte des interessanten Werkes von Mün-
zenberger H Aufschluß geben, sind die gleich-
zeitigen Holzskulpturen. In Schwaben
insbesondere sind dieselben geradezu als
eine Seltenheit zu betrachten.

In unserem engeren Vaterland beschäf-
tigte sich zuerst (1849) der sehr verdiente
Kirchenrath Dursch* 2) einläßlicher mit
diesem Gegenstand. Er glaubt (I. c. S. 31)

J) Zur Kenntniß und Würdigung der mittel-
alterlichen Altäre Deutschlands. Frankfurt am
Main.

2) Verhandlungen des Vereins für Kunst und
Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Sechster
Bericht 1849, S. 26.

einige Skulpttiren vorfuhren können,
„welche noch ans der Grundlage des byzan-
tinischen Stils zu beruhen scheinen"; allein
die weit überwiegende Zahl der in seiner
Sammlung vereinigten Skulpturen erkennt
und anerkennt er als Erzeugnisse des
15. Jahrhunderts.

Ausfallend ist, daß selbst in Ulm, das
doch ein alter Centralsitz der bildenden
Künste in Schwaben war, und dessen Bild-
werke auch am genauesten untersucht und
edirt sind, keine Holzskulptnr sich mehr
vorfindet, die älter wäre als der in der
dortigen Sammlung aufbewahrte Palmesel,
der wohl im Jahr 1420 von Hans Acker
gefertiget wurde (ct. Pressel: Ulm und
sein Münster, Festschrift 1877, S. 48).
Zuvor schon (1871) wurde von Manch
eine Abbildung und Beschreibung desselben
gegeben in den Verhandlungen des Ver-
eins k. S. 11. Sodann würden jene
Holzfiguren kommen, welche an dem Hanpt-
portal des Münsters sich befinden, nämlich:
Mutter Anna, Maria und Johannes (Ab-
bildungen in den Verhandlungen des Ver-
eins k. 1873, Tafel II); sie verratheu
aber nach Presset <Festschrift 1877, S. 49)
schon die Einwirkung der Schule Syrlins,
womit wir ganz übereinstimmen, also zweite
Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Und doch kann darüber kaum ein Zweifel
sein, daß in Ulm Skulptur und Malerei
schon im 14. Jahrhundert eine Stätte
hatten. In der Kirche 311 den Wengen
wurde um 1400 der Lukasaltar errichtet
(seit 1631 entfernt und verschollen), zu
welchem die Meister Eberhard, Lukas,
Martin ein ewiges Licht stifteten. Da die
Namen dieser drei Meister, ersterer als
Schreiner und Bildschnitzer, beide letztere
als Maler auch sonst Vorkommen, so wird
mit Recht angenommen, daß dieselben zu
dem Lukasaltar in einem noch näheren
Verhältnisse gestanden haben werden (cf.
Verhandlungen des Vereins rc. 1870,
S. 25). Pressel in seiner Festschrift (S. 28)
führt als die ältesten Pfründen am Münster
an, die mit Altären daselbst verbunden
waren: der Raiseraltar 1378, der Bal-
tingeraltar 1381, der Kraftenaltar und
Kaibenaltar 1387 und einen Maler Rudolf
Dchaggan und den Meister Eberhard, die
zu jener Zeit lebten. Aber es hat sich
Nichts erhalten, auch vorausgesetzt, daß
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