Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

Seite: 42
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In dem ganz neuen Werke voll I)r.
Janitscheck ^) wird auf S. 206 im Text
der Deichsel'fche Altar aus Nürnberg (jetzt
in Berlin) abgebitdet, welcher 1409 ver-
fertigt wurde. Auf dem geöffneten Flügel
links ist die hl. Elisabeth dargestellt; die
Falten des Mantels sind u n g e b r o ch e n,
der Saunl in eine Schraubenlinie
angeordnet, auch der Schleier ganz ähnlich
gelegt und gefältelt, wie bei den Figuren
von Eriskirch; desgleichen bei den andern
Figuren, Maria, Petrus Märtyrer und
Johannes der Täufer. Bei allen un-
gebrochene Falteil lind zugleich zierliche
langgezogene Schraubenlinien des Mantel-
faums. Ferner ist daselbst auf einer be-
fondern Tafel der Jmhof'sche Altar mit
Flügeln abgebildet; bei sämmtlichen Figuren
ungebrochene Falten der Mäntel; bei den
beiden Apostelfiguren auf den Flügeln ist
auch gut ansgebildet die Schraubenlinie
des Mantelfaums vorhanden, die nur bei
deil zwei Mittelfiguren weniger zur Ent-
wicklung gelangt, weil dieselben sitzend
dargestellt sind, die aber auch hier nicht
ganz fehlt. Die Entstehung des Bildes
fällt zwischen 1418 und 1422 (l.c. S. 207).
Die Behandlung des Faltenwurfs und der
Säume bei diesen Gemälden ist ganz kon-
sequent durchgeführt und die Ueberein-
stimmung mit der Figur von Eriskirch
ist srapprant. Es ist kaum zu zweifeln,
daß der hervorgehobene Gesichtspunkt mit
Erfolg ^)noch weiter verfolgt werden könnte;
für unfern Zweck aber mag die obige
Hinweisung genügen und die Zeit der
Entstehung dieser Bildwerke in den Anfang
des 15. Jahrhunderts mit vieler Wahr-
scheinlichkeit verlegt werden. Auch in der

st Geschichte der deutschen Malerei. Berlin, 1888.

2) Für Bayern möchten wir Hinweisen ans
eine Madonna zu Kaisheim und auf ein bischöf-
liches Denkmal zu Würzburg 1415. Abbildungen
bei Sighart: Geschichte der bildenden Künste im
Königr. Bayern II S. 393 und S. 534. Aller-
dings geht diese Behandlung auch bis in die
romanische Kunstperiode zurück, wie mehrere Ab-
bildungen bei Bode (Gesch. der deutschen Plastik)
beweisen. Aber an die romanische Kunstperiode ist
bei den Figuren von Eriskirch wohl nicht zu denken.
Die Schlankheit derselben und die lebhafte Be-
wegung weist dieselben der späteren gothischen
Kunstperiode zu. Sie halten aber den Vergleich
mit den von Bode (Gesch. der deutschen Plastik
S. 78 und 79). abgebildeten Statuen des Frei-
burger Doms vollständig aus, womit ihr be-
deutender Werth angezeigt ist.

Nähe von Ravensburg, in der Kirche von
St. Christina, konnte ich ein Madonnen-
bild ausfindig machen, das in diese Zeit
paßt. Der Mantelfaum ist auf beiden
Seiten in zierliche Schraubenlinien gelegt
und die Falten desselben sind über den
Leib hin ungebrochen. Ob dasselbe aber
dem gleichen Meister oder der gleichen
Werkstatt angehören dürfte, wie die Eris-
kircher Statuen, ist doch zweifelhaft. Die
Gesichtsbildnng dieser Madonna und das
Kind in ihren Armen halten eine Ver-
gleichung mit letzteren nicht aus. Aber
man sieht doch daraus, daß Figuren mit
dem Typus der Gewandbehandlung der
Eriskircher Statuen auch anderwärts nicht
ganz fehlen und daß wahrscheinlich Ravens-
burg der Ort ihrer Entstehung sein wird.
Es ist deßhalb auch die Notiz *) recht
wichtig, daß „um das Jahr 1437 ein
Keltenofer als geschickter Bildhauer"
in Ravensburg gelebt hat. Da dieser
Geschlechtsname auch bei Dursch im Nach-
trag zu feiner Aesthetik (S. 569 Christoph
Keltenofer) mit Vor- und Zunamen an-
geführt wird (im Jahr 1480 als Maler
thätig), so scheint hier eine weitere Künstler-
familie in Ravensburg sich zu enthüllen,
welcher näher nachzuforschen die Mühe
lohnen dürfte; um so mehr als es Hafner
schon gelungen ist, die Bürgeraufnahme
eines „Christoph Keltenofer, des Malers
von Augsburg 1509" für Ravensburg zu
entdecken (cf. 1. c. S. 322), obwohl der-
selbe mit dem von Dursch angeführien gleich-
namigen Maler kaum identisch sein wird.

Der

Glasmaler Ludwig Mittermaier.

Von Psr. Detzel in St. Christina-Ravensburg.
(Fortsetzung.)

Erst nachdenr Mittermaier ein Freund
die pekuniäre Unterstützung eines kgl. baye-
rischen Reutamtmanns, Heinrich Sommer,
durch Fürsprache zuwege gebracht, nach-
dem auch der Edelmann Freiherr v. Süß-
kiud in Bächingen und der Banqnier Gustav
Godefroy in Hamburg, die den Werth des
Mannes erkannt und ihm mehr freundschaft-
lich als bankmäßig ausreichende Betriebs-
kapitalien anvertrauten, konnte er vom

0 cf. Geschichte von Ravensburg von Hafner
1887 S. 327. Es wäre wüuschenswerth, wei-
teres von diesem Keltenofer erfahren zu können.
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