Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

Seite: 53
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Archiv für christliche Uunst.

Organ des Rottenburger Diözefan-Vereins für christliche Kunst.

peransgegeben und redigirt von Professor Dr. Kcppler in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Aunstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Aeppler.

Or. 6.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährl. für M. 2. 05 durch die württemb. (M. t. 90
im Stuttg. Bestellbezirk), M. 2. 20 durch die bayerischen und die RcichLpostanstaltcn,
fl. 1. 27 in Oesterreich, Ares. 3. 40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
auch angenommen van allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags
direkt von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße 94,
zum Preise von M. 2. 05 halbjährlich.

1889.

Erweiterung und Vergrößerung
von Kirchen.

(Fortsetzung.)

Im Folgenden führen wir noch eine
Reihe lehrreicher praktischer Fälle vor und
geben Lösungen derselben, welche als Para-
digmen für ähnliche Fälle dienen mögen.
Die Probleme sind alle aus der Wirklich-
keit genommen, die Ortsnamen ans be-

stimmten Gründen verschwiegen, aber stets
zu erfragen. Schlichte Grund- und Aufrisse
fördern das Verständniß. Sämmtliche Plän-
chen sind im Maßstab 1/500 ansgeführt.
Der abwechselnd gestrichelte und pnnktirte
Riß zeichnet den Kirchhof oder Kirchplatz.
Die starken Grnndrißlinien deuten das vom
alten Bau Bleibende an, die pnnktirten das
Fortfallende, die einfachen Liliien das Ren-
gebaute.

Fig. l. Grundriß der Kirche und des verfügbaren Platzes.

Erstes Beispiel.

Wir sehen am Grundriß die Dimensionen einer
im Jahre 1720 gebauten Kirche mit breitem, aber
nicht tiefem Chor, und dem Thurm auf der Ost-
seite. Der Chor bietet außer dem Altar nur noch
Raum zu 2 Chorstühlen. Diese Kirche, mit einem
Lichtraum im Schisse vou ca. 218 Quadratmeter
hätte etwa noch für eiue Gemeinde von 7 — 800
Seelen ausreichenden Raum, aber nicht, wie sie
es haben sollte, fiir 16—1700. Der alte Kirch-
hof, etwas erhöht, aber von öffentlichen Wegen
auf allen Seiten umgeben, ließe schon einen au-

sehnlichen Neubau zu. Aber einen massiven Thurm
legt man doch nicht gerne nieder, um mit großen
Kosten einen neuen zu bauen — ebensowenig den
gewölbten Chor und das Schiff, das ztvar flach
gedeckt ist, aber noch gesunde Mauern hat. Ueber-
dies ist man zum Sparen gebieterisch genöthigt,
denn es sind keine Mittel da. Zu Bettelvogt,
Hebammenschule, Industrieschule und andern fiir
die Gemeiudekasse wohlthätigen Zwecken hat die
Stiftungskasse genug, ja viel Geld gehabt. Einige
Jahrzehnte laug aufgespart, hätte cs einen schönen
Baufond gegeben. Das hört sich nicht sehr auf-
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