Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

Seite: 55
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Tragpfeiler stehen gelassen, und schleunigst mit
dem besten Material von Backstein und Mörtel
kantig ansgebessert, darüber die Bogengerüste ein-
gesetzt und die Bogen gewölbt, hernach die Ver-
bindung, beziehungsweise Ausfüllung zwischen Neu
und Alt hergestellt. In der Verlängerung wird
wieder ein Bogen angefügt. Die Umfassungs-
mauer des Seitenschiffs bekommt, den Arkaden-
bogen entsprechend, Fenster, welche so reichliches
Licht in den ganzen Raum werfen, das; die
Kirche Heller wird als sie vorher war. Mit diesen
Prozeduren haben >vir mehr als bcu doppelten
Raum gewonnen. Der Techniker mag berechnen,
welche Summe eine neue Kirche mit dieser be-
deutenden Bodenfläche gekostet hätte. Aber wo
bleibt die Symmetrie in dem zweischiffigen Bau
und in der Fayade? Wir brauchen sie nicht, und
Niemand, der in die große, tveite Halle eintritt,
vermißt sie. Da das Durchbrechen der Mauern
zur Gewinnung von Arkadenöffnungen keine
Schwierigkeiten darbietet, hätte unser Bauplatz
noch zwei andere Lösungen erlaubt, wodurch wir
bedeutend mehr Raum erhalten konnten, nämlich,
wie Fig. 3 andeutet: ans der Nord- und Südseite
je ein Seitenschiff anznfügcn, oder, was unbedenk-
lich zu empfehlen wäre, das südliche Seitenschiff
so laug und breit anzulegen, als der Platz es
erlaubte, und das nördliche über die ganze Länge
anszndehncn.

(Fortsetzung folgt.)

Der

Glasmaler Ludwig Mittermaier.

Von Pfr. Detzel in St. Christina-Ravensburg.

(Schluß.)

41. Muthlangen bei Gmünd. Ein
Fenster mit St. Georg. Karton von C.
Andrea.

42. Ellerbach bei Dillingen. Ein Fenster
mit St. Johannes Ev.

43. B a i n d l ki r ch e n in Oberbayern. Zwei
Figurenfenster und zwei Ornamentfenster.
Kartone von C. Andrea. Besonders gewaltig
ilnd charakteristisch soll hier der Kopf des
hl. Ulrich sein.

44. Würzb u r g. Ein Fenster mit Maria
und St. Michael in der Porträtsignr des
Stifters, in gothischem Stile. Karton von
G. Eberlein?

45. Pfrungen in Württemberg. Ein
Kruzifixus mit Maria itnb Johannes, ferner
die vier latein. Kirchenväter: St. Ambrosius
und Hieronymus, St. Augustinus und Gregor
der Große. Diese Fenster in Pfrungen sind
wohl die schönsten Arbeiten Mittermaiers.
Sie sind von solch ungewöhnlicher Schönheit,
daß allein ihre Besichtigung eine weitere Reise
in diesen abgelegenen Landort werth ist, dem:
sie gehören überhaupt zum Vorzüglichsten,
was je in alter und neuer Zeit in der Kunst
der Glasmalerei dieses Genres ausgeführt
wurde. Schön der Kartonzeichner C. Andrea

zeigt hier, daß er in der eigentlichen religiösen
Komposition zu den Künstlern erster Größe
gehört. Eine tiefe und zarte Empfindung,
verbunden mit einer reichen Gestaltungskraft
voll innerer Wahrheit zeigt uns diese Kren-
zignngsgruppe. Auf dein Antlitze des eben
verschiedenen Heilandes, schrieb damals die
„Allg. Ztg.", liegt jene tiefe, göttliche u>:d
süße Ruhe des nun vollbrachten ewigen Ver-
söhnungsopfers mit bereits durchbrechenden
Strahlen der nahen Auferstehung, daß bei»:
Anblick dieses Christus in jedem nicht ganz
abgestumpften Gemüthe gewiß der Wunsch
anfdämmern muß, nur gleich auch sprechen
zu dürfen: „Es ist vollbracht, Vater in Deine
Hände empfehle ich meinen Geist!" Maria,
die durch innere Leiden mitgekrenzigte Mutter,
stehet zur rechten Seite, physisch gebrochen
und einer Ohnmacht nahe, aber geistig doch
noch stark erhält sie sich aufrecht in Ihm,
welcher auch ihr das Wort gesprochen: „Ich bin
die Auferstehung und das Leben!" Johan-
nes ans der linken Seite des Kreuzes stehet da
init zum Beten gefalteten Händen, die kraftlos
niedersinken wollen; seine Angen sind thränen-
los, aber das Blut des gebrochenen Herzens
droht aus ihnen zu dringen; der Blick wendet
sich nach dem Haupte des verschiedenen Er-
lösers und in dem von unaussprechlichem
Seelenschmerze erblaßten Antlitze des Jüngers
steht lesbar der Gedanke: „So kann, so darf
die liebendste Liebe nicht enden; der Unbe-
greifliche muß es noch herrlich hinausführen!"
Wirklich der Totaleindruck dieses Bildes bleibt
unbeschreiblich. Jeder, der die Fenster ge-
sehen, muß gestehen, daß in diesen Worten
keine Uebertreibnng liegt. Von den Kirchen-
vätern siild besonders Augustinus und Gregor
der Große Gestalten voi: hoher Feierlichkeit,
in deren Angesicht eine solche geistige Kraft
und Innerlichkeit liegt, daß sie den tiefsten
Eindruck machen. Und nun zu all diesei:
Vorzügen der Zeichnung und Koinposition,
die Glnth und Brillanz der Farbe, wie sie
nur Mittermaier eigen war! Er selbst schreibt
an den damalige:: Pfarrer Jlg: „Ich kann
Euer Hochwürden versichern, daß wir Ihnen
eine Arbeit bringen, die ihresgleichen in Würt-
temberg nicht hat und Ihre Kirche einen
Schmuck erhält, der Sie zeitlebens freuen
wird."

46. Zeit (Schloß Zeit bei Lentkirch). Pfarr-
kirche. Drei Fenster mit den Heiligen Fran-
ziskus, Rosalia und Theresia. Kartone von
E. Andreä.

47. B i e r i n g e n (Württbg). Eii: Marien-
fenster. Karton von C. Andreä.

48. EllWangen (Dorf). Zwei Fignren-
und zwei Ornamentfenster. Karton zu den
Figuren von C. Andreä.
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