Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

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49. D o n a u w ö v t h. Zwei große Chor-
fenster mit den Darstellungen der Geburt
Christi und der hl. drei Könige, Mariä Heim-
suchung und Aufopferung im Tempel. Kartone
von C. Andrea. Dies war Mittermaiers
letztes Werk; beim Einbrennen desselben
erkrankte er und war fünf Tage darnach eine
Leiche.

Auch noch an andere Orte hatte er größere
Werke gefertigt, so nach Seebach, Birk-
land, Mulsin gen, Römershofen,
F r a u e n s a t t l i n g, Spindelwangen,
P l a t t l i n g, Pondorf rc., so daß sich
die Zahl derselben über mehr denn sechszig Orte
verbreitet.

Von kleineren Werken werden auf-
gezählt:

1. Für G. Godefroy in Hamburg unter
anderen: a) den Knaben Jesus und Johannes
nach Perugino, b) Christus von den Phari-
säern versucht nach Leonardo da Vinci.

2. Für den Buchhändler Ebner in S tu t t-
gart drei allegorische Figuren, Baukunst,
Skulptur und Malerei, nach Kartonen von
Jul. Schnorr von Karolsseld?

3. Den Gebr. Erhard in Gmünd ein
großes Christus-Brustbild auf einer Scheibe.
Karton von C. Andreä.

4. Einem Freunde: a) das kolossale, dornen-
gekrönte Christus-Haupt nach den: Original-
Holzschnitt von Albrecht Dürer, ans eine
Scheibe gemalt, ohne alle Verbleiung, eine
der größten Schmelzarbeiten, die der Glas-
malerei gelangen, d) Christus unter den Phari-
säern nach Leonardo da Vinci, e) Maria
nach Schraudolph. 6) Auferstehung Christi
nach Deger. e) Heimsuchung Mariä nach
Albrecht Dürer, f) Kreuzigung nach Hans
Schäufelins Original-Holzschnitten, g) Al-
brecht Dürer und Hans Holbein, Porträte,
ganze Figuren in Landschaften, b) St. Georg,
den Drachen tödtend, nach Muggenthaler.

Noch eine große Anzahl kleinerer Bilder
nach Dürer, Schänfelin, H. Memling, Raphael,
Dominichino, Leonardo da Vinci, M. von
Schwind, Kaulbach, Ludwig Richter u. s. w.
wurden von ihm gefertigt, es mögen mehrere
Hunderte sein. In letzter Zeit liebte er es
nicht mehr, solche sog. Kabinettsbilder aus-
führen zu lasseil, weil die Mühe der Aus-
führung in gar keinem Verhältniß zilr ge-
wöhnlichen Bezahlilng stand.

So ward die Glasmalereianstalt Mitter-
maiers die Zierde imb der Ruhm seiner
Vaterstadt, des Kreises Schwaben und Neil-
burg und bis über den altlantischen Ocean
hinüber drang ihr Ruf, denn Pie fertigte
Werke auch nach New-Aork unb Boston.

Die Anstalt bestand auch nach dem Tode
Ludwig Mittermaiers fort, indem ein Vetter

desselben, Bernh ard Mitter m aier, ge-
boren 1839 zu Thannhausen a. d. Mindel
(bayer. Schwaben) dieselbe zuerst als Pächter
uild Leiter übernahm. Er erlernte zuerst
die Faß- ilnd Oelmalerei inld kam irach dem
Tode Ludwigs 1864 nach Laningen. Durch
seinen großeil Fleiß und seine Liebe zur christ-
lichen Kunst nlachte er tu kurzer Zeit der
Anstalt alle Ehre. Er fertigte unter anderm:
zwei Fenster nlit Gruppen der Geburt Christi
und Anbetung der Weisen nach Arbon
(Schweiz), eine große Rosette nach Trient,
vier Figurenfeilster nach R e w - I o r k (für
Gustav Schwab in Fordham), 4 Figuren-
f en st er nach Feldkirch, zwei solche nach
Ingolstadt, desgleichen nach Thann-
hausen, seine Heimath, zehn reiche Fenster
in die Domkirche und nach St. Ulrich in
Augsbu r g. Jil die katholische Stadtpfarr-
kirche iil Ravensbllrg kaiil von ihm ein
Fenster mit dein zwölfjährigen Jesusknaben
im Tempel, das noch ganz die alte Manier
Ludwig Mittermaiers zeigt; es ist vollftäildig
malerisch behandelt, zeigt alle Perspektive und
Rüancirungen eines Oelgemäldes, hat aber
den wunderbaren Farbenschmelz und die herr-
liche Leilchtkrast, besoilders in seinem Silber-
weiß , ganz so, wie es seinem Vorgänger-
eigen war.

Um mit deil übrigen Anstalten konkurriren
zu können, mußte and) die Anstalt zu Lau-
iugeu sich der Mosaik-Glasmalerei zu-
wenden, und Bernhard Mittermaier verstand
es, auch diese Kunst richtig zu traktiren. Sein
größtes Werk hierin, eine der bedeutendsten
Kunst-Leistungen überhaupt, findet sich in
der Stadtpfarrkirche zu Lauiilgeil selbst:
es siild die nenn reich eil Figurenfenster, welche
im Jahre 1881 in den Chor dieser Kirche
kamen. Die Kirche hat drei Chöre, welche
die architektonische Eigenthümlichkeit zeigeil,
daß sie alle in gleicher, gerader Linie ab-
schließen. Jil alleil drei Chören ist je das
Mittelfenster am reichsten gehalten, im Mittel-
chore sehen wir die leiblichen Werke der Barin-
herzigkeit, im rechten den Stammbaum Christi
uud im linken die 14 Rothhelfer dargestellt.
Die jeweiligen Seiteilfenster von allen drei
Chören sind in ihreil Kompositionen ganz
gleichartig gehalten. Ornamente und Figuren
wechseln ab, jedoch in der Weise, daß hier
die erstern vor letztern prädominiren, während
je in den Mittelfenstern die Figuren vor-
herrschen. Wenn auch mit wenigen Ausnahmen
die Zeichnung der einzelnen Figuren wie der
Ornamente eine durchaus korrekte ist und
man die Klarheit und Einfachheit der einzelnen
kleinen Kompositionen sowohl als die ganze
Art der Zusammenstellung und Auswahl der
Bilder nur lobenswerth finden kann, so sehen
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