Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

Seite: 76
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Tag tretenden Kreuzung italienischer und
deutscher Kunst; zudem können wir
jetzt, dank der emsigen Forschung Sem-
per's, die zwei bedeutendsten Meister,
die dabei betheiligt waren, mit Na-
men nennen und an ihren Werken hier
und anderwärts genau den Charakter
ihrer Kunst bestimmen. Da viele Reise-
wege nach und über Brixen führen, so
möchten wir allen, namentlich den christ-
lichen Malern ein Studium dieser Wand-
gemälde warm empfehlen ltnb durch die
nachfolgende kleine Skizze erleichtern. Bei
Entwurf der letztern kommt uns zu
Statten G. Tinkhausers Aufsatz in
den Mittheilungeil der k. k. Cen-
tral k o m m ission z u r E r f o r s ch ll n g
u nd Erhaltung der B a u d e n k m a l e
1856, S. 17 ff., 33 ff.: Der alte Kreuz-
gang des bischöflichen Münsters zu Brixen;
ferner das treffliche Schriftchen von
H ans Semper: Wandgemälde und

Maler des Brixener Krenzgangs (Inns-
bruck, Wagner 1887, mit 15 Lichtdrnck-
bildern, wovon 8 ans dem genannten
Kreuzgang; 89 S. Preis 3 M.); sodann
ein eigenes Stlldinm der Bilder an Ort

Künstler, vor bald 25 Jahren gemacht,
wo noch manches gut zu sehen war,
was inzwischen die Zerstörungskraft von
Luft und Wetter ganz oder halb ver-
zehrt hat.

Der Kreuzgang, um den es sich handelt,
ist im Quadrat geführt und legt seine
Nordseite an die Südseite des Domes an;
der mächtige Bau, in dessen Untergeschoß
er sich befindet, war einst bischöfliche Re-
sidenz und Wohnung der gemeinsam leben-
den Kanoniker; jetzt ist in demselben
das Bezirksamt, das Obergymnasinm und
der Kapitelssaal der Kanoniker samt dem
Archiv untergebracht. Der Dom ist ein
ans alter Grundlage 1745 ansgeführter
mächtiger Barockbau, der Kreuzgang aber
noch vom alten romanischen Ban, zwischen
1174 und 1234 aufgeführt, im 14. Jahr-
hundert eingewölbt. Er hat im Ganzen
zwanzig gewölbte Traveen oder Systeme,
welche sich in großen Arkaden gegen den
Hof öffnen; die Arkadenbögen sind durch
vier auf Sänlenpaaren ruhende kleinere
Rundbögen getheilt. In der Zählung
der Traveen folgen wir Tinkhanser und
Semper und geben zunächst zu größerer
Deutlichkeit eine kleine
grundrißliche Ansicht des
Kreuzganges.

Wir beginnen unsere
Wanderung in der Mitte
des südlichen Flügels,
wo ein Thor hereinführt,
durch welches ehedem die
Bischöfe zu den feier-
lichen Pontisikalien ihren
Weg nach der Domkirche
nahmen. Jndieserzwan-
zigsten Travee ist nur
über dem Portal ein sehr
stark verblichenes Kreuz-
bild, bei welchem wir uns
nicht lange aufzuhalten
brauchen, ebensowenig
bei dem verdorbenen, wie
es scheint auch übermal-
ten Johannes auf Pat-
mos in der erstenTravee;
beide gehören zu den spä-
testen Bildern des Kreuz-

gangs.

und Stelle, endlich Bleististanfnahmen der Bedeutend und aller Beachtung werth
Fresken, von einem talentvollen jungen sind aber die Fresken der zweiten
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