Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

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nach einigen Wanderungen zu verschiedenen
Verwandten desselben i. I. 1865 der Kirche
in Salach geschenkt worden.

Die Gemälde-Sammlung des Kardinal
Fesch war bekanntlich allsgezeichnet durch ihre
Reichhaltigkeit, indem sie weit über 3000
Nummern zählte, und durch ihreir inneren
Werth. Die Versteigerung derselben war
wohl die großartigste Kunst-Auktion, welche
je stattgefunden hat. Sie wurde i. I. 1845
gehalten.

Nach langeiil Suchen unb Forschen gelang
es endlich, den Katalog der geilannteil Samm-
lung von George, Kunst-Experten des Lonvre-
Museums, zll erhalten. Jil demselben findet
sich ein Bild „Die Kreuztragung", Balid 4,
S. 56, angeführt.

Die Beschreibung, welche insbesondere die
Umstände erwähnt, daß der Herr unter dem
Kreuze gefallen, sowie, daß eben seine Mutter sich
ihm nähert, lind die Größen-Angabe lassen keinen
Zweifel, daß unser Gemälde gemeint ist. lieber
den Maler desselben heißt es: »La gravure, que
P. Poilly a donnee d’apr&s cette composition
ne laissait aucun doute au Cardinal, qu’elle ne
füt reellement d’Annibal Car rache. L’ex-
pression forte et penetrante des figures, le grand
eilet du tableau, devaient naturellement contri-
buer a entretenir cette pensee. Toutefois il
se pourrait, que ce ne fut qu’une belle repe-
tition falte dans l’ecole.« Eine weitere
Untersuchung unterläßt der stellenweise etlvas
flüchtig bearbeitete Katalog.

An Annibale Carracci und feine Schule
bei jenem Gemälde zu denken, lag allerdings
ziemlich nahe, aber Julius Hübner, Direktor
der Kgl. Gemälde-Gallerie zu Dresden, sagt
auch von Ribera, daß die meisten Bilder
desselben von dem Eklektizismus der Bolog-
neser schule Zeugniß oblegen („Die Dres-
dener Gallerte" Bd. 1, S. 23). Aus Jose
Ribera (1588—1656), wenigstens als
Inspirator unserer Kreuztragung, weisen
aber zwei Umstände mit überzeugender Ge-
walt hin. Nänllich der Sinton voll Chreite
unserer ^ Kreuztragung stimmt überein nlit
dem aus Ribera's Kreuztragung int Belvedere
zu Wien, und die grelle Beleuchtung unseres
Bildes, welche Licht und Schatten besonders
an den Falten der Gewänder so scharf schei-
det, ist dieselbe wie z. B. auf Ribera's ster-
bendem Seneca in der alten Pinakothek zu
München.

_ Ob nun das Bild Original oder Kopie
ist, sollte bei einer Restauration — ebenso
wie von dem folgenden Gemälde — bestimmt
werden. Einer solchen bedarf es durchaus
schon wegen des vielen Schmutzes, mit dem
es bedeckt ist. In seinem jetzigen Zustande
kann dasselbe trotz seiner figurenreichen, ge-
drängten Komposition und trotz der natür-
lichen Lebendigkeit der einzelnen Gestalten

und seines ourbcn-Reichthums auf den Nicht-
kenner keinen großen Eindruck machen.

Das zweite Gemälde, „Schutzengel mit
Kind", ist besser erhalten, namentlich die bei-
den Hauptgestalten. Es erinnert sofort an
Murillo (Bartoloms Esteban M. 1618 bis
1682); aber in dem genannten Kataloge
der Sammlung des Kardinal Fesch war es
nicht zu finden. Es ist in demselben ein
„Schutzengel" angegeben und als Kopie nach
Guido Neni bezeichnet. Derselbe stützt sich
aber auf einen Stab, und das von ihm ge-
führte Kind trägt eine Blume in der Hand,
Umstände, welche bei nnserm Gemälde nicht
zutresfen. Das Salacher Bild stimmt in
vielem überein mit dem Schutzengel von
Mttrillo im Museum von Madrid; nament-
lich in der Zeichmtng der Gesichter des
Engels und des Kindes. Auch ist auf bei-
den Bildern das Gewand des Engels mit
einem schmalen, bandartigen Streifen um
die Hüfte zusammengehalteu, der dann zwi-
schen den Schultern in der Luft flattert.
Die edle Einfachheit der ganzen Darstellung
ist bewundernswert und eines Murillo wür-
dig; der Engel, breit unb sicher ausgeführt,
in faltenreichem, weißem Gewände, mit seinen
weichen, verklärten Gesichtszügen eine herrliche
Gestalt.

Möchte das Bild bald, nach einer Aus-
besserung seiner Schäden, in seiner vollen
Herrlichkeit erscheinen und die verdiente
Würdigung ftitben.*)

Wenn eine Pfarrgemeiude die Schenkung
solcher Kunstwerke annimmt, so sollte sie auch
Mühe und Kosten nicht scheuen, dieselben in
gtttem Zustand zu bewahret:. Nur wenn
dies geschieht, erfüllen sie ja ihren Zweck,
die Gläubigen zu erbauen; daun aber zeich-
iteir sie auch eine Kirche aus vor vielen ihrer
Umgebung.

Geislingen a. St. Fuhrmans.

Ueber die „L)irscher'sche Madonna"

von Pfarrer I)r. Probst in Essendorf.

(Fortsetzung.)

Schramm aber hält seine weiblichen Jdeals-
gestalteu entschieden schlank, das Oval des
Gesichtes länglich, die Augen groß, Hals
schlank; das Beiwerk findet keine Berück-
sichtigung.

Allerdings haben wir nur ein einziges be-
glaubigtes Bild von ihni, aber eben deßhalb
stellt sich die Aufgabe, zu suchen, ob nicht

*) Selbstverständlich dürfen die Bilder zum
Zwecke einer Restauration bloß in Meisterhand
gegeben werden. Wir sind gerne erbötig, wenn
es gewünscht wird, in der Wahl des Meisters
behilflich zu sein. A. d. R.
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