Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

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ltenbe Haltung wird bälder und siche- „.
rer, als alle Gegenvorstellungen es >
vermocht hätten, jener Kunst ein Ende ,
machen, die von der Schönheit abge-
fallen ist und daher sich selbst aufge-
geben hat.

Noch haben wir aber mit der Hell-
malerei nicht ganz abgerechnet. Auch
soweit sie die verunreinigende Berüh-
rung mit dem Häßlichen vermieden hat,
hat sie, obwohl noch so jung, bereits
sich zur Manier versteift, — das '
klarste Zeichen, daß sie kein wahrer
Fortschritt zu nennen ist und nicht
von langer Lebensdauer sein kann, —
ein klarer Beweis namentlich, daß es
mit ihrer gerühmten näheren und nächsten
Verwandschaft mit der Natur nichts ist.
Das Mauierirte ist ja Fälschung der Natur,
ist unnatürlich. Man betrachte nur diese
Landschaften und landschaftlichen Hinter-
gründe der Plainairisten; hier sollte sich
ihre Stärke zeigen, aber sie sind sammt
und sonders nach Einer Manier geutacht,
meist nicht Nachbildungen, sondern Kari-
kirnngen der Natur.

(Schluß folgt.)

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Erweiterung und Vergrößerung
von Kirchen.

Fünftes Beispiel.

Die Seelenzahl der Gemeinde ist nur 450,
aber das Kirchlein reicht auch für die
kleine Zahl nicht ans; es sollte ums Dop-
pelte größer sein.

Hier drängen sich alle möglichen Schwie-
rigkeiten zusammen, abgesehen von den
schweren Hindernissen, welche die zu leichte
Baukasse in den Weg legt.

Der Bauplatz ist sehr eingeschränkt, eine
Erweiterung desselben durch Ankauf nur
mit großen Opfern möglich. Der Thurm
ist bautüchtig, ihn abzureißen wäre Van-
dalismus. Hinter dem Thurm wäre noch
Raum für eine längere und breitere Kirche,
aber der bisherige gewölbte Chor steht im
Wege. Ein Gewölbe reißt man nicht gerne
nieder, wenn man es retten kann. Wäre
es schadhaft, oder gar falsch, von Holz
und Mörtel hergestellt, dann dürfte es
wohl fallen. Ist es aber der Erhaltung
würdig, dann verengt es uns den Platz.

J

F>g- 12.

Lösung Fig. 12,
hurm und Chor

Gleichwohl wagen wir die
setzen die neue Kirche zwischen
und gehen damit auf beiden Seiten so weit her
ans, als der Platz erlaubt.

Um sie breiter zu machen, fahren wir mit der
Umfassungsmauer noch in den Thurm bis zur
Thoröffnung, in den alten Chor bis zur Mitte
der Seitenwand.

Den breiten Schluß theilen wir in drei Ab-
theilungen, von welchen A der neue Chor wird,
in gleicher Höhe mit dem Schiff, L zur Sakristei,

Fig. 12a.

und C zu einem nach der Chorseite hin offenen
Oratorium eingerichtet wird. Beide letzteren
Räume können zweistückig angelegt oder auf un-
gefähr die halbe Höhe des Chors erhoben werden.

Durch den Thurm führt nachher wie vorher
der Haupteingang. So gewinnen wir mit ge-
ringem Aufwands den doppelten Raum und be-
halten noch das hübsche alte Chörchen als Neben-
kapelle.

Daß die Choranlage und die Erhaltung der
alten Theile dem äußern architektonischen Ge-
samteindrnck durchaus nicht schadet, vielmehr ein
charakteristisch belebtes Außenbild schafft, zeigt
schon die schlichte Skizze Fig. 12a.

Sechstes Beispiel.

Die Gemeinde zählt 717 Seelen. Das
Schiff der Kirche hat 8,4 m Breite nnd
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