Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

Seite: 111
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16,6 m Länge, also ungefähr 139 Qua-
dratmeter, zu wenig für die Seelenzahl.
Der Chor ist 5,5 m breit und 6,6 m
laug, der Thurm ist da an das Schiff
angelegt, wo es gegen den Chor stößt.

Drei Bauprojekte sind schon bearbeitet worden.

Das erste läßt den Thurm und den alten
Chor stehen, was wir nur billigen können, setzt
ans die eine Seite des alten Schiffs einen großen
Chor und fügt an denselben eine neue Kirche
an, die wegen ihrer Breite von 17,5 in eine
dreischiffige Anlage fordert. Damit wäre aller-
dings überflüssig Raum gewonnen, aber mit zu
großen Opfern. Zudem können wir für kleine
Gemeinden und Kirchen die Dreischiffigkeit nicht
befürworten.

Der zweite Plan verläßt die alte Baustelle
und will in einiger Entfernung davon eine große

Fig. 13.

dreischiffige Kirche setzen. Dies wäre nun recht
hübsch, wenn man Geld genug hätte zum vollen
Neubau nebst Erwerbung eines großen Bau-
platzes. Zu große Kirche ist besser als zu kleine.

Der dritte Plan besteht in einer einschiffigen
Kirche mit Krcuzflügeln.

Wir richten uns nach den bestehenden
Verhältnissen und suchen (s. Fig. 13) von
dem Vorhandenen zu erhalten, was mög-
lich ist, nicht nur den Thurm und Chor,
sondern auch noch etwas von dem Schiffe.
Der alte Kirchenplatz bietet ziemlich freien
Raum und reicht hin, um aus einer Seite
des alten Schiffs einen neuen Chor an-
zulegen, auf der anderen ein Langhaus.
Dadurch gewinnen wir mehr als den

doppelten Flächenranm unb behalten den
alten Chor als Nebenkapelle. ')

(Schluß folgt.)

Literatur.

Die Kunst- und A l t e r t h u m s-
D e n k m a l e i m K ö u i g r e i ch
W ü r t t e m b e r g. Im Aufträge des
K. Ministeriums des Kirchen- und
Schulwesens bearbeitet von Or.
Eduard Paulus, Konservator
der vaterländischen Kunst- und Alter-
thumsdenkmale. Erste Lieferung, Text
und Atlas ä M. 1.60. Stuttgart,
Paul Reff 1889.

Man wird es mir glauben, daß ich mit ganz
besonderen! Verlangen der ersten Lieferung dieses
Staatswcrks entgegengesehen habe; bin icb doch
bei Ausarbeitung meiner eigenen Statistik in un-
lösliche Beziehungen zu Württembergs Kunstdenk-
mälern getreten. Als ich eines Tages von den
Ferien heimkam, fand ich ein von der Verlags-
handlung in dankensiverthester Weise übersandtes
Freiexemplar der ersten Lieferungen auf meinem
Pulte vor. Ich konnte mir, da dringende Ar-
beiten Erledigung heischten, bloß die Lektüre dessen,
was über die Stuttgarter Kirchen im Text gesagt
ist, und einen flüchtigen Durchblick der Tafeln
des Atlasses verstatten, hielt mich aber schon
daraufhin berechtigt und verpflichtet, ein Dank-
schreiben an die Verlagshandlnng zu richten. Ich
ahnte nicht, daß meine aufrichtige Freude am
Werk mir bitter vergällt tverden und daß ich in
die Lage kommen würde, dem Dank ein Wort
der Klage und des Protestes nachznsenden. Zei-
tungsstimmen machten mich zuerst darauf auf-
merksam, daß der Text Steine des Anstoßes
berge; ich prüfte selbst und fand Sätze, auf denen
mein Auge mit höchstem Befremden haften blieb.
Sie können auch in dieser Rezension unmöglich
verschwiegen werden.

In einem summarischen Ueberblick über die
Kunstbewegung auf dem Gebiet des Neckarkreises
heißt es S. 7, nachdem die Leistungen des spät-
gothischen Stils im 15. und Anfang des 16. Jahr-
hundert anerkannt worden: „Im Lauf des 16. Jahr-
hunderts geschieht dann in der deutschen Renaissance
Bedeutendes .... Das erlischt alles im dreißig-
jährigen Kriege, genauer nach der Schlacht bei
Nördlingen (1634), nach welcher das protestan-
tische Württemberg, und deshalb gerade der Neckar-
kreis, durch die Völker des römischen Königs
Ferdinand mit Mord und Brand zur Wüstung
gemacht wird.... In den Jahren 1688—93
wird sodann eine ähnliche, ganz auf dieselbe Quelle
zurückzuleitende gründliche Verwüstung über die
protestantischen Theile Südwestdentschlands, dies-
mal durch den allerchristlichsten König von Frank-
reich, Ludwig XIV. verhängt."

tz In Nr. 8 S. 75 Z. 20 v. o. ist zu lesen
Quadratfnß statt Quadratmeter.
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