Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 7.1889

Seite: 120
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Anfang bis zu Ende festhält und nirgends die
neuerdings in Arbeiten dieser Art mitunter be-
liebte dummjocose, über Anschauungen früherer
Zeiten witzelnde Manier nachahmt. Der unpas-
sende Ausdruck Adoranten für die Beipersonen
der bekannten italienischen hl. Familien dürfte in
Assistenten nmgewandelt werden; wenn hier St.
Michael öfter in der Nähe der Madonna erscheint,
so ist daraus noch nicht zu schließen, daß beson-
dere Beziehungen zwischen beiden angedeutet wer-
den wollen, sowenig als bei den anderen Heili-
gen (vrgl. S. 61). Die „weiße Tunika" und
der „brokatene Chorrock" S. 75 dürfte eher als
tveiße Albe und brokatene Dalmatik jit bezeich-
nen sein. — Keppler.

Martin Knollen. Ein Leben im
Dienste der christlichen Kunst. Mit
besonderer Berücksichtigung der Werke
Knollers in seinem Vaterland, dar-
gestellt von Al. Menghin. Meran,
Januar 1887. 12. 80 S. Preis
60 Ps.

Das Büchlein ist fast zu klein für den großen
Meister, mag aber gute Dienste thnn, bis tvir
eine eigentliche Monographie über ihn erhalten.
Mit seinen fleißig zusammengesuchten Notizen,
seinen gut gemeinten, für den Meister schwärmen-
den, wenn auch nicht genügenden Ausführungen,
mit seinem Porträt des Meisters, das seinen
geistvollen Kopf und sein hellblitzcndes Künstler-
auge bewundern läßt, mag dieses Schriftchen
immerhin wieder die Aufmerksamkeit auf diesen
zweifellos größten Maler seiner Zeit lenken. Den-
selben Zweck haben die folgenden Zeilen, die ;
gleicherweise das obige Büchlein und den Meister
und seine Werke freundlicher Beachtung empfehlen
möchten.

Martin Knoller, geboren 8. Nov. 1725 in
Steinach in Tirol, gestorben 24. Juli 1804, hatte
zu seinem eigentlichen Lehrer den Direktor der
bildenden Künste in Wien, Paul Troger und
wurde von ihm namentlich zur Fertigkeit im
Zeichnen ausgebildet. Als 30jähriger Mann kam
er nach Nom, kam hier zur Erkenntnis;, daß er
nichts könne und gab sich ganz in die Schule der
großen Italiener, namentlich aber des drei Jahre
älteren, eben damals in Rom blühenden Raphael
Mengs. Hier bildete sich allmählich der Charak-
ter seiner Kunst heraus; dieselbe theilt den frei na-
turalistischen Zug der ganzen damaligen Kunst,
übertrifft aber letztere an Tiefe der Gedanken
und an Wärme und Wahrheit des religiösen Ge-
fühls. Die Sicherheit und Virtuosität der Zeich-
nung ist staunenswerth, seine Phantasie uner-
schöpflich; sein künstlerisches Schaffen ein genial
leichtes und rasches, aber nie flüchtig und ober-
flächlich, sondern im Bunde mit dem ganzen In-
teresse des Geistes und mit dem Fühlen seines
Herzens; die Kompositionen läßt er mit spielen-
der Leichtigkeit und mit schöpferischer Kraft ans
dem Pinsel fließen; sie sind nach zöpfischer Art
frei und ungezwungen, mitunter ansgegossen,
aber doch nicht willkürlich, nicht ohne logisches

und künstlerisches Band. Dabei ist Knoller ein
Farbenkenner und Farbenfreund ersten Ranges.
Ein Hauptverdienst obigen Büchleins ist die Auf-
zählung aller Werke des Meisters in Italien und
Deutschland. Wir nennen hier kurz die Orte,
wo Hauptwerke des Meisters sich finden, und
bitten, ans Reisen dieselben nicht übersehen zu
wollen. Aus der voritalienischen Periode sind die
Fresken am Plafond der Pfarrkirche in Anraß
im Pnsterthal, ebenso das Hochaltarbild. In
Italien fertigte er Altarblätter für die Kirche
all Anima in Neapel (unbefleckte Empfängniß
Mariä Geburt und Vermählung); in der Kirche
Della Minerva in Assisi sind von ihm zwei
Altarblätter (Madonna und St. Philipp Neri
und Tod des hl. Joseph); in No in im Campo-
santo eine Freske: die Kreuzabnahme; in Mai-
land malte er mehrere Paläste. In Deutsch-
land sind seine Hauptwerke die Fresken in der
Klosterkirche von Ettal in Bayern, in der Ser-
vitenkirche zu Volders in Tirol und in der
Klosterkirche zu Neres heim in Württemberg,
die letzteren die vorzüglichsten. Es sind sieben
große Knppelbilder, darunter das Riesengemälde,
die triumphierende Kirche darstellend, in der
Hanptknppel. Zu unserer Freude können wir
die Mitteilung machen, daß Herr Photograph
Sinn er von Tübingen sich an die fast unlös-
bar scheinende Aufgabe gemacht hat, dieses Bild
photographisch aufznnehmen, und zwar mit bestem
Erfolg. Deniselben danken wir auch erste, sehr
gelungene Aufnahmen des Baues. Wir werden
später ausführlich darüber berichten.

Annoncen.

Verlag von B. V. Voigt in Weimar.

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