Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

Seite: 16
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seren Figurenfries angewendet sich sehr
fruchtbar erweisen kann: nicht zwar für
die Ergründnng des verborgenen Sinnes
an sich; denn diese muß ganz voraus-
setzungslos geschehen; wohl aber für die
Verificirnng des auf objektivem Wege ge-
fundenen Gedankengehalts. Der Grund,
warum man ohne jede Voreingenommen-
heit an die Deutung gehen muß, liegt
darin, daß diese Zeichen ihre feste und
darum jeder Willkür entrückte Bedeu-
tung haben. Schon die Künstler des
klassischen Alterthums behielten die Hülle,
in die sich einmal ein Gedanke gekleidet
hatte, der allgemeinen Erkennbarkeit wegen
getreulich bei, wenn auch ein jeder gleiches
Recht hatte, denselben so oder anders aus-
zudrücken. Dies Recht aber hatte der
christliche Künstler nicht. Er war durch
die viel bindendere Rücksicht auf die hl.
Schrift als die Quelle und auf die
Schrifterklärer als die Wegweiser alles
christlichen Symbolismus gehalten. Deß-
wegen ist aber auch durch Schrift und
Tradition dem geheimen Sinn meist mit
Erfolg beizukommen. (Dies die Antwort
auf die Frage, ob auch etwas Sicheres
herauszubringen sei!) Fürchten Sie indes;
nicht, es sei nun schon alles glatt! Die
Bedeutung auch der christlichen Symbole
(ja dieser am wenigsten!) liegt nicht ans
der Oberfläche; auch wann der Sinn im
Ganzen klar, ist er doch noch nicht für den
betreffenden Fall klar; der Geist des Mönch-
thums selbst, der aus diesen Zeichen uns
anspricht, kann verschieden gefaßt werden.
Also glücklicherweise genug Gegenstände
der Auseinandersetzung zwischen uns beiden!
Glücklicherweise, ja, denn ein zu lange
fortgesponnenes Einvernehmen könnte gar-
leicht als eine abgekartete Sache erscheinen!
Glücklicherweise, besonders auch deßhalb,
weil die Aufklärung solcher Räthsel wie
der vorliegenden nur durch Widerspruch
möglich ist. Ist auch die Wahrheit (sagt
Lessing) noch durch keinen Streit aus-
gemacht worden, so hat dennoch die Wahr-
heit bei jedem Streit gewonnen. Also
nur frisch das Kampfroß bestiegen!

— „Ist es nicht ein Andalusier,

Ist es doch ein Bock von Holz!" —
Ich sage Ihnen, Sie sollen Ihren
Mann fittden, und bleibt nur mein pole-

misches Geschick hinter meiner Streitlust
nicht zu weit zurück, so soll es Ihnen
schlecht ergehen! Jenen aber, die ihre
hämischen Bemerkungen darüber machen,
uns über solche „Kleinigkeiten" herumstreiten
zu sehen, antworten wir stolz mit dem Alt-
meister der Polemik: „Die Wichtigkeit
ist ein relativer Begriff, und was in einem
Betracht sehr unwichtig ist, kann in einem
andern sehr wichtig werden. Als Be-
schaffenheit unserer Erkenntniß ist dazu
eine Wahrheit so wichtig als die andere:
und wer in dem allergeringsten Dinge für
Wahrheit und Unwahrheit gleichgiltig ist,
wird mich nimmermehr überreden, daß er
die Wahrheit bloß der Wahrheit wegen
liebt." (Fortsetzung folgt.)

Zeitschriftenschau.

Die bestausgestattete katholische Kunstzeitschrift
besitzt Frankreich in seiner »Revue de l’art
chretien, publiee sous la direction d’un co-
mite d’artistes et d’archeologues* (Decslee,
Lille-Paris, Preis des Jahrgangs 22 M.). Jnl
Jahr 1883 begann eine neue >serie der alten, von
Ablw Corblet 1850 gegründeten Zeitschrift;
der Jahrgang 1889 bildet den siebenten Band
dieser neuen Serie. Sie erscheint in Quartal-
heften im Quartformat, mit bestem Papier und
Druck und feiner Ausstattung, das Heft circa
150 Seiten stark und mit mehreren Kunstblättern
versehen. Vom nächsten Jahrgang an sollen
jährlich sechs Hefte ausgegeben werden. Aus
dem reichen Inhalt des Jahrgangs 1889 ist be-
sonders hervorzuheben eine Serie von Artikeln
mit der Aufschrift: Elements d’iconographie
chr6tienne. Types symboliques, par L. Cloquet ;
sodann eitt interessanter Bericht über eine Ex-
kursion der St. Thomas- und St. Lukasgilde
in den Norden Deutschlands; ein Artikel von
Helbig über die Kirchenrestaurationen im Norden
Deutschlands; beachtenswerte Winke für Innen-
dekoration einer Kirche aus besondere festliche
Anlässe, von C. de Farcy.

In der „Allg. Ztg." 1889 Nr. 340 veröffent-
licht Dr. Georg Hetzer eine kleine Studie
über eine frühmittelalterliche Basilika am Fuße
des Wendelsteins, nämlich über die ehenralige
Klosterkirche in Fischbachau, wohl die
älteste erhaltene Basilika Südbayerns. Das
Kloster wurde von dem großen Abt Wilhelm
dem Seligen von Hirsau gegründet; die Kirche,
eine ehemals flachgedeckte Pfeilerbasilika mit drei
gleich langen Schiffen ohne Querhaus und Thürme,
ist im wesentlichen noch identisch mit der im An-
fang des zwölften Jahrhunderts geweihten, nur
tvurde sie im achtzehnten Jahrhundert verstnckt
und verzopft.

Hiezu eine Beilage: Der Hirsauer Bilderfries.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Gef. „Deutsches Volksblatt".
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