Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

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gelagerten Steinmasse, verkörpern den Ge-
danken, daß die Klöster mit ihren Be-
wohnern die Träger der Kirche sind." —
Daß diese Deutung geistreich, soll nicht
geleugnet werden; aber ebensowenig, daß
sie zu — und daß sie am Unrechten Ort
geistreich ist. Vorhin hätten Sie sollen
Ihren und der Mönche Geist mehr in Un-
kosten versetzen; bei den Böcken war der
Ort: denn daß Böcke nichts weiter als
Heerden bezeichnen sollen und Räder —
Mühlen, das kann man dock keine Aus-
legung nennen, wenigstens keine geistige,
am wenigsten eine geistliche! Dort mußte
also eine Idee erst gefunden, weiter her-
geholt, oder besser ans der Tiefe geschöpft
werden. Nicht so hier. Diese drei
stämmigen Mönche, welche (jeder in seiner
Art!) tragen und ansharren, tragen und
nicht verzagen: wobei der erste eine Ruhe
verräth, die etwas anderes ist als stoische
Unempfindlichkeit, der andere angenschein-
lich die Schweißperlen des Adamsflnches
sich von der Stirne wischt, der dritte (dessen
Haupt unter der Ueberanstrengung zur
Seite gedrückt ist) seine Augen zum Himmel
richtet und mit seinem Blicke seinen Gott
sucht: diese drei so ähnlichen und doch
wieder bestimmt charakterisirten Mönchs-
gestalten sind an und für sich Idee genug,
so daß es ganz nnnöthig ist, über sie hin-
anszugehen, um erst eine Erklärung her-
znholen, am wenigsten eine solche, die
diesen Mönchen zur Unehre gereichen würde.
Und so ist (wenn Sie es auch nicht so
bös meinten) die Ihrige! Nachdem Sie die
Hirsauer erst zu Protzen gemacht, zeihen
Sie dieselben nun des geistigen Hochmnths:
denn sich selbst öffentlich als Säulen der
Kirche hinstellen — wenn das kein geistiger
Hochmuth ist, so giebt es keinen! Lassen
wir also, ich bitte Sie, diese Mönchge-
stalten nichts anderes anssprechen als was
in ihnen liegt; wir werden damit genug
haben! Dieses ist: die Energie des Tragens;
freiwillige Unterwerfung unter das Joch;
Ausharren im Ausblick 311 Gott; Ab-
büßung der angeborenen Verderbnis) durch
ein Leben der Selbstverleugnung und Ab-
tödtnng; Erhebung und Stählung des
durch die Sünde verschlechterten Menschen
zu jener Kraft und Tugendhöhe, „daß die
Wunder der evangelischen Vollkommenheit
durch lange Jahre die alltägliche Geschichte

der Kirche geworden sind." (Montal.
Einl.) „Hier wird Herz und Leib be-
reitet znm Kampf unter dem Gesetze des hei-
ligen Gehorsams," so riefen diese schlichten
Gestalten mit den Worten St. Benedikts
in seinem „Prolog" den neu Eintretenden
zu und noch den im Orden Ergrauten
predigten sie: „Der Mönch soll immer

ohne Vorbehalt, ohne Murren gehorchen,
sogar in Dingen, die unmöglich scheinen
oder über die Kräfte gehen!" (II. Montal. 51.)

Sind Sie nun einverstanden L Hoffent-
lich werden Sie insoweit einverstanden
sein, daß Sie diese Gedanken mit Ihrem
so scharfsinnig vorausgesetzten „Programm
des Mönchthums" übereinstimmend finden
werden! Möchten Sie nur die Lichtblitze,
die in dieser glücklichen Voraussetzung
liegen, weise verwerthen, damit Ihnen nicht
zuletzt der bedauerlichste Vorwurf gemacht
werde, der einen Schriftsteller treffen kann,
der Vorwurf nämlich, Ihre eigenen besten
Gedanken verschleudert und die Erwar-
tungen, die Sie so glücklich erweckten, ge-
täuscht ;u haben! (Forts, folgt.)

Die Airchenrestauration in 5t. (Lhristina
bei Ravensburg.

Von Pfarrer Detzel.

Es sind jetzt gerade 50 Jahre verflossen,
seitdem die hiesige, der hl. Märtyrin Ehristina
geweihte Pfarrkirche einer vollständigen Re-
novation unterworfen wurde. Der damalige,
jetzt noch in bester Erinnerung stehende
Pfarrer Friedrich Schlegel, der jüngste Er-
konventnale vom Kloster Weissenau (7 15.
Mai 1848) hat, wie die Pfarrchronik be-
merkt, im Jahre 1837 „die gänzliche Re-
paration der Pfarrkirche, nach welcher man
sich so lange sehnte uub dieselbe 31t bewirken
suchte, durch das K. Kameralamt Weingarten
als Hanptzehntherrn, unter Beiziehnng der
übrigen Destinatoren vorgenommen". Es
wurde in diesem Jahre die „Pflästerung des
Kirchenbodens aufgehoben". Der Belag ge-
schah aber bloß mit Ziegelsteinen; zu einem
Boden ans Rorschacher Sandsteinen konnte
sich das K. Kameralamt, obwohl der Stif-
tnngsrat die Mehrkosten übernehmen wollte,
nicht verstehen. Ferner wurden neue Kirchen-
stühle — die jetzt noch vorhandenen — her-
gestellt und der Plafond des Schisses von
Gipsern ans Deggingen in seiner jetzigen,
gut erhaltenen Gestalt neu gefertigt. „Was
hiebei die Parochianen mit Hand- und Fuhr-
, srohnen, mit großem Fleiß und gutem Willen
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