Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

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das geschätzte Tafelbild im Sommerrefek-
Lorium von Bebenhausen und an die dor-
tigen mannigfaltigen Wanddekorationen
durch Malerei erinnert.

In Oberschwaben finden sich vier Cister-
cienserfranenklöster (Heiligkreuzthal, Gn-
tenzell, Heggbach und Baindt), die mit dem
Vorort Salem sicher in mehr oder we-
niger naher Berührung standen. Es ist
aber zurzeit nicht möglich zu sagen, ob sich
ans dieselben von dorther ein direkter oder
indirekter Einfluß ans dem Gebiete der
Kunst erstrekt habe. Auf dem Gebiete der
Baukunst insbesondere stellte sich bei den
drei letztgenannten der Mangel an guten
Werksteinen entgegen, wodurch eine schlichte
Bauweise bedingt wurde. Heiligkrenz-
thal ist nach dieser Seite hin etwas besser
gestellt; allein es fehlen darüber ausführ-
liche Untersuchungen. Auch Klemm führt
darüber in seiner Schrift: Baumeister
Württembergs, nichts an.

Daß jedoch die Achtung der mittelalter-
lichen Kunstwerke in diesen Klöstern auch
zur Zeit ihrer Aufhebung noch nicht gänz-
lich erloschen war, mag daraus hervor-
gehen, daß, wie Kraus vermuthet, die sehr
schätzbaren Gemälde in Kirchberg am Boden-
see (die Versuchung des hl. Antonius) von
dem letzten Abt von Salem hierher mit-
gebracht wurden; daß ferner Heiligkrenz-
thal noch eine Anbetung der Weisen ans
dem Morgenland von Schaffner besitzt und
auch ans Heggbach sich noch acht Tafeln
Oelgemälde (jetzt in Stuttgart) erhalten
haben.

Wie weit auch andere namhafte Klöster
in Oberschwaben sich selbständig an der
Uebnng der Kunst betheiligt haben, darüber
fließen die Nachrichten spärlich. Die Monu-
mente selbst sind, vorzüglich durch die
Neubauten im vorigen Jahrhundert, zum
größten Theil beseitigt worden. Aber wahr-
scheinlich ist, daß der Mangel an Stein-
metzarbeiten, der durch das ungenügende
Material hervorgerufen wurde, durch Wand-
malereien ersetzt wurde. Ueberdies haben
sich Miniaturmalereien, die in den
Klosterzellen mit Vorliebe betrieben wurden,
erhalten ans Weissenau (jetzt in Sig-
maringen). Der dortige Bruder Rnsillns
ist der älteste bekannte Namen eines Malers
in Schwaben (cf. Veröffentlich, des Vereins
für Kunst uub Alterthum in Ulm und

Oberschwaben 1865 S. 26). Bedeutend
und ergiebig war besonders die Schreib-
stube im Kloster Zwiefalten, die sich
über das 12., 13. und 14. Jahrhundert
fortsetzte (jetzt in Stuttgart; cf. Janitscheck:
Gesch. der deutschen Malerei S. 104;
118, 122 bis 124, 167). Ob die Wein-
gart er Liederhandschrift (jetzt in Stutt-
gart; Janitscheck 1. c. S. 179) daselbst
angefertigt worden sei, oder von auswärts
acquiriert wurde, mag anheimgestellt bleiben.
Ueberdies führt auch Hafner in der Ge-
schichte von Ravensburg mehrere Namen
von Kartenmalern und Briefmalern daselbst
an, von denen jedoch Arbeiten nicht benannt
sind. Wir fügen noch die Bemerkung hin-
zu, daß (nach Janitscheck 1. c. S. 268)
das älteste datierte Werk Holbeins von
1493 zwei Flügel eines Altares sind, die
er für die Neichsabtei Weingarten
malte, jetzt, in vier Tafeln zerschnitten, im
Dom von Augsburg aufgestellt.

Der L)irsauer Bilderfries.

Vvu Stadtpfarrer Eugen Keppler in
Freudenstadt.

Vierter Brief.

Zäh sind Sie, das ist wahr! Wenn
Sie meine Erklärung, ohne sie entkräften
zu können, nicht gelten lassen mögen, dann
hänfen Sie rülgshernm so viel Schutt
nebensächlicher Bemerkungen und Be-
denken an, daß zuletzt das, was ich be-
hauptete, ganz verdunkelt und unkenntlich
gemacht ist. Und das heißen Sie wider-
legen und mich eines Besseren belehren!
Auf mich macht es im Gegentheil den
Eindruck, als ob Ihnen das? wogegen Sie
etwas Triftiges nicht einzuwenden wissen,
im Grunde doch einlenchte und als ob Sie
nur deshalb sich nicht unumwunden dafür
erklären, weil es zufällig nicht in Ihrem
Kopse gewachsen! — Mehr brauche ich
eigentlich nicht zu erwidern; aber doch will
ich mehr thnn als ich brauche, da mir
Ihre Einwände Gelegenheit geben, mich
deutlicher anszusprechen.

Sie stoßen sich daran, daß ich in diesen
Lisenenträgern die unermüdliche, einsicht-
volle Thätigkeit der Ordenslente verkörpert
sehe. Sie finden es weit hergeholt, daß
ich hier „an mbar gemachte Wälder
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