Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

Seite: 35
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jetzt einzig mögliche Dielung zn sehr schmutzt,
zu schnell sich cibnützt und namentlich gegen
Nässe und Schwammbildung keine Sicherheit
bietet. Auch für das Suppedaueum wird
Tylolith, sauber und beständig wie Stein,
dabei nicht thenrer als dieser und zugleich
warm wie Linoleum, sich vor jedem andern
Stoss eignen. 3) Als Dachbedeckung, die
gerade in diesem Material hergestellt von
einer natürlichen Dichtigkeit ist wie kein
anderes, da' in keinem die Platten so
groß und die Fugen so wenige sind. Dabei
ermöglicht das geringe Gewicht einen sehr
leichten Dachstuhl. Also vollständig wetter-
und feuerbeständige Dächer, saubere und
höchst widerstandsfähige Unterlage für die
Bänke, warme und doch marmorartige Ver-
täfernng der Wände: braucht es da noch
mehr, um künftigen und jetzigen Bauherrn
das Wasser im Munde gerinnen zn lassen?
— Doch noch Eines und das ist: daß
Tylolith verhältnismäßig nicht einmal theuer
ist und daß es bei zunehmender Verbreitung
und größerer Leichtigkeit der Herstellung
ohne Zweifel noch billiger werden wird.
Eine Platte, 1 Meter im Geviert, 5 — 6
Millimeter stark, naturfarbig und mit Schliff
auf einer Seite 2M. 75 Pf. und durchfärbt
3 M. 50 Pf. Mit zunehmender Platten-
stärke steigt der Preis entsprechend, beträgt
aber bei 18—20 Millimeter doch nicht mehr
als 5 M. 50 Ps. Die Lieferung von
kleineren, von dreieckigen, sechs- und mehr-
eckigen, sowie von bemalten Platten geschieht
nach besonderer Vereinbarung.

Eugen Keppler.

Jur Glockenkunde.

Wir haben eine reiche Glockenliteratnr,
aus welcher insbesondere die Glocken -
knnde von Otte als tüchtiges zusammen-
sassendes Werk hervorzuheben ist. Gleich-
wohl ist man sich über die Merkmale für
eine sichere Zeitbestimmung noch keineswegs
ganz klar geworden. Daher ist eine neue
Monographie gerade über diese Frage sehr
zn begrüßen, vollends wenn sie so durchaus
fachmännisch gehalten ist und auf so gründ-
lichen Untersuchungen sich aufbaut, wie die, von
welcher wir den Lesern kurz Kenntniß gebeil.
Ihr Titel lautet: Die Altersbestim-
mung der Glocken. Mit drei Blatt
Abbildungen. Von G. Schönermark,
Privatdozent an der Kgl. techilischen Hoch-
schule in Hannover. Berlin, Ernst uitb
Korn 1889. 20 S. groß 8°. Zunächst

wird die Geschichte der Glocke auf ihre ersten
Anfänge zurückverfolgt, dann eine sehr dankens-

werthe, faßliche Beschreibung der Herstellung
der Glocke gegeben vom Aufbau des Kernes
an bis zur Fertigung des Hemdes und des
Glockenmantels itnb bis zum Guß und der
Emporwindung der neuen Glocke; eine Illu-
stration erleichtert das Verständniß. Die
Hauptresultate der historischen Untersuchung
sind dann folgende. In der gairzen karo-
lingischen Zeit gab es wohl meift nur ge-
schmiedete Glocken; zwar steht urkundlich
fest, daß Karl der Große Glocken gießen
ließ, aber dies wird sich auf eine einzige
Gießerei an seinem Hofe beschränkt haben,
denn gegossene Glocken aus jener Zeit sind
bis jetzt noch nicht zu finden gewesen. Im
10. und 11. Jahrhundert erst fand der
Glockenguß in den Klöstern warme Pflege;
aus dieser Zeit sind Glocken in solcher Zahl
vorhanden, daß man ihre gemeinsamen Merk-
male Herausstellen kann. Hier kommt nament-
lich der Beschrieb zu statten, welchen der
Presbyter Theophilns in seiner Schedula diver-
sarum artium (herausgegeben von Jlg in den
Onellenschriften für Kunstgeschichte) vom
Glockenguß giebt und zwar wohl um 1100. Aus
dem Detail dieses Berichtes und ans genauer
Erforschung einiger Glocken, die unzweifelhaft
der romanischen Zeit angehören, gewinitt der
Verfasser für die romanische Glocke folgende
Hauptmerkmale: ihre Form ist keineswegs,
wie vielfach angenontinen wird, immer läng-
lich; die Höhe hat bei derselben meist das-
selbe Verhältnis zum Durchmesser, wie bei
den späteren Glocken; der Schein, als wären
sie übermäßig schlank, entsteht dadurch, daß
sie meist einen weit ausladenden Kranz haben,
über welchem die Form an Umfang sogleich
stark verliert; romanische Glocken haben ferner
meist keilten größeren Durchmesser als 0,70
bis 0,80 m, mehr als 1 m ist schon selten.
Jnschriftslose Glocken weisen nicht unbedingt
auf höheres Alter. Noch in romanischer
Zeit wurden Wachsfädenzieraten, d h. Orna-
mente , die zunächst mit Wachsfäden aufs
Modell aufgelegt wurden, an Glocken ange-
bracht.

Die Zeit vom 12.—14. Jahrhundert ver-
räth sich dadltrch, daß man mm anfieng, den
Mantel vom Kern abhebbar ztt machen und
so die Möglichkeit erhielt, Inschriften da-
durch der Glocke beizubringen, daß man
sie in den Mantel einritzte oder eingrub.
Mit dieser bedeutenden Erleichterung wächst
Zahl und Umfang der Inschriften. Dieser
Modus wird mehr als ein Jahrhundert bei-
behalten; innerhalb dieser Zeit entscheidet
dann die Form der Schriftzüge, aber als
falsch wird dargethan, daß die Kursivschrift
der Majuskelschrist voraufgegangen sei. Die
eingeritzte Schrift erscheint nicht selten ver-
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