Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

Seite: 56
DOI Heft: 10.11588/diglit.15907.33
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15907.37
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15907.38
DOI Seite: 10.11588/diglit.15907#0067
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1890/0067
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
56

arten so »ungestaltet war, daß der ursprüng-
liche schöne gothische Bailstil der Kirche bei-
nahe »»icht mehr z»» erkennen mar, und da
durch die Herstellung der oben genannten
Bangebrechen, »velche allein einen Kostenauf-
wand von wenigstens 15—20 000 sl. erfordert
hätten, diese Verunstaltungen der Kirche doch
»»icht beseitigt worden wären, so hat der
Stiftnngsrath und Bürgerausschuß »»ach vor-
ausgegaugeueu vielfältigen Berathungen der
Sache endlich beschlossen: mit der Herstellung
der Baugebrechen zugleich in» Innern der
Kirche durch einen sachverständigen Künstler
eine durchgreifende Restauration vornehmen
»iild diesen Tempel soviel als »»»öglich nach
dem ursprünglichen schöllen gothischeu Bau-
stile »nieder Herstellen z»t lassen."

„Die Anordnung und Ausführung dieser
Nestauration mit Verbindung der Herstellung
der vorhanden getveseueu Baugebrechen »vurde
nach vorausgegangeuer Genehmigung des
K. katholischen Kirchenraths taut Dekret vom
8. Oktober 1839 und der K. Kreisregiernng
laut Dekrete vom 1. April 1840 und 25.
Juni 1841 auf Anratheu des K. katholischen
Kirchenraths dem K. bayerischen Konservator
Professor Heideloff zi» Nürnberg übertragen,
»velche in den Jahren 1841, 1842 xtnb
1843 ausgeführt wurde ltnb »»ach dem Urteile
von Sachverständigen sehr gelungen ist."

Zum Gelingen der Restauration trug
jedeilfallö »vesentlich bei der Umstand, daß
Hcidclosf au den» Hauptplatze der Gothik,
iit Nürnberg, wohnte, »vo ihm Muster ii»
überreicher Menge zu Gebote standen, und
daß er als Laudeskonservator auch in den
übrigen Städten Bayerns u»»d zum Theil
allch der Nachbarländer bekaililt »var und
namentlich ailch mit verschiedenen Kunst-
händlern in Verbindung stand. So »vllrde
es ihm möglich, alle die Altäre zi» konstru-
iren lind z»l komponiren, deren Beschreibung
Aufgabe dieses Artikels ist. Beginnen »vir
mit dem Hochaltäre und setzen »vir die
Wanderung de»n Kapellenkranze des uörd-
lichen Seitenschisseö entlang fort, um nach
Besichtigung der auf der Südseite des Schiffes
ausgestellten Altäre bei dem au der südlichen
Ostfront deö Langhauses steheildeir Marieu-
altare (11) Abschied z»l nehmen.

(Schluß folgt.)

Literatur.

R ö u» i s ch e Q u a r t a l s chrift f ü r
ch r i st l i ch e A l t e r t h u m stunde
lt n b s i't v Kirche n g eschicht e.
Unter Mitwirkung von Fachgenossen

herausgegeben von Or. A. d e W a a l,
Rektor des Kolleginins von Campo
Santo. Jahrg. I—III, 1887—89.
Rom, Buchdruckerei der katholische»»
Lehrgesellschaft. Preis 16 M. pro
Jahrgang.

Nicht ohne innige Freude nimmt man den
schönen Fortgang und das Gedeihen dieser Zeit-
schrift wahr, die, ernährt aus dem klassischen
Boden der christlichen Kunst, besorgt und gepflegt
von tüchtigen und kundigen Händen, immer mehr
zu eii»cm Zentralorgan für christlich-archäologische
Forschung »vird. Inhalt, Anlage, Reichhaltigkeit,
Ausstattung lassen keinen Wunsch mehr übrig,
als den einen, daß das Interesse des katholischen
Alldcntschlands das Organ aller Zukunftssorgen
überhebc »nid ihm ein sicheres uub ehrenvolles
Fort leben garautire. Wir empfehlen daher das-
selbe inständigst der Berücksichtigung aller Leser
lind geben einen kurzen Ueberblick über die
archäologisch und kliusthistorisch wichtigsten Ar-
tikel der letzten Jahrgänge; manche davon sind
von grundlegender nnd tiefgreifender Bedeutnng,
alle interessant und gediegen. Zuerst heben
wir hervor eine durch alle Jahrgänge sich hin-
zichcnde Reihe von Katakombenstudien, »velche
die »leuesten Funde und Ergebnisse der Kata-
kombenforschung mitthcileu und fiir immer ihre
Bedeutung haben; ailf diesem Gebiet arbeiteten
besonders Kirsch, Wilpert, Maruechi, Armelliui,
Stevenson, Sauerland; auch der Name des Alt-
meisters de Rosst fehlt nicht. Weiter seien er-
wähnt die trefflichen Aufsätze des gründlichen
Rom- uni) Kunstkenners, unter dessen Namen
die Zeitschrift in die Welt geht; er behandelt die
Ausgrabungen bei der Confessio von St. Peter
im Jahr 1626; die apokryphen .Evangelien in
der altchristlichen Kunst; longobardische Gold-
nnd Silberarbeiten; figürliche Darstellungen auf
Teppichen; eucharistisches Gefäß in Lammesform;
Gewandstücke aus dem 4. Jahrhundert; Christus-
bild aus der Zeit Leo III. Swoboda bespricht
die Frage der Marmor-Polychromirung, Kirsch
ein altes Bleisiegel mit der Darstellung der
Taufe Christi, Wilpert das Opfer Abrahams in
der altchristlichen Kunst. Im II. Jahrgang be-
richtet P. Germano über die höchst interessante
Ausgrabung des Hauses der Märtyrer Johannes
und Paulus. Daneben noch eine Menge kleinerer
Mittheilungen und gründliche Referate und Re-
eensionei». Das erste Heft des vierten Jahr-
gangs 1890 enthält Aufsätze vou Strzygowski
über Reste altchristlicher Kunst in Griechenland,
von Künstle über das Mausoleum von St. Co-
stanza und seine Mosaiken; dann gibt Wilpert
seine Replik auf B. Schnitzes „Protestantische
Antwort auf römische Angriffe" (auf Wilperts
Prinzipienfragen der christlichen Archäologie). Es
folgen Mittheilungen von de Waal über alt-
christliche Sarkophagdeckel, von Kirsch über neue
Funde in Rom. Jedem Quartalheft sind drei
Tafeln mit Originalzeichnnngen und Origiual-
phototypien beigegeben.

Stuttgart Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Bolksbtatt".
loading ...