Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

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dem Kaufmann die Beratung von Männern zur
Seite stehen müsse, welche in Sachen kirchlicher
Kunst kompetent sind, hat der Unternehmer dieser
permanenten Ausstellung sofort Verbindung und
engere Fühlung mit der Leitung unseres Diözesan-
kunstvereins gesucht, auch wünscht er in den Dienst
des letzteren Vereins seine Exposition zu stellen
als ein Organ und dienendes Glied, durch welches
die in Thal und Praxis nmgesetzten
Lehren und theoretischen Winke des
„Archivs für christliche Kunst" zu leben-
diger Anschauung gebracht werden:
können. So ist dieses Unternehmen durch
letzter» Zielpunkt zugleich auch zu einem für die
liturgischen kirchlichen Bedürfnisse lebensfähigen
und in praktischer Beziehung gewiß segensreich
wirkenden getvorden, das sich dadurch eben über
die Bedeutung eines einfachen gewöhnlichen
kanfniännischen Unternehmens oder Geschäfts weit
erhebt.

Wenn wir so der idealen Seite dieser „Per-
manenten", sowie des praktischen Nutzens der-
selben für die Meister kirchlicher Kunst gedacht
haben, so erübrigt uns drittens noch hinznweisen
ans die Vortheilc, tvelche sie allen jenen zu bieten
im Statide ist, tvelche kirchliche Utensilien sich
anschaffen müssen. Da jeder Meister und Künstler
seine Eigenart hier zur Anschauung nitd Geltung
bringen kann, so wird in dieser Ausstellung
Käufern unb Liebhabern eine Answahl ge-
boten, lvie man sie in einem einzelnen Etablis-
sement nicht antrifft. Jedermann kann hier die
Arbeiten und deren Qualität und Preise ver-
gleichen mit ähnlichen andern, und zwar nicht
etwa nur ans dem Gebiete einer Technik,
sondern, ivie wir später noch berühren iverden,
auf dem Gebiete aller kirchlichen Techniken. —
Am 1. Juli 1889 wurde die Exposition mit Ar-
beiten von ettva 20 Firmen eröffnet; heute sind
gegen 74 daran beteiligt. Die „Permanente"
umfaßt: Gemälde und Glasmalereien, Mosaikwerke,
Skulpturen (in Holzschnitzerei, Tcrracotta und
Kunstguß), ferner verschiedenartige Werke der
Kleinkunst in edlen und unedlen Metallen (Kir-
chengeräte, Gefäße), Ornamente und Paramente,
Kirchenteppiche, Arbeiten ans der Kunstschreinerei
und Knnstschlosserei, keramische Basel: lind Fnß-
bodenbelage, Heiligenbilder, interessante Buchein-
bände. Alle diese Gegenstände, Hunderte an
Zahl, sind in einem günstig gelegenen, hell be-
leuchteten Raum von 90 Quadratmeter Grund-
fläche geschmackvoll grnppirt und übersichtlich aus-
gestellt, mit genauen Preisangaben versehen, und
in einem gedruckten Preisverzeichnis spezifiziert.
Wer bei besonder» Veranlassungen, wie Kommn-
nion, Firmung, Primiz, Sekundiz, Hochzeiten und
Jubelfeiern Geschenke geben, hiebei aber von
Gebetbüchern oder profanen Gaben absehen
lvollte, war meist gezwungen, von auswärts
solchen Bedarf kommen zu lassen. Jetzt bietet
Englers Permanente in Stuttgart in all diesen
Dingen reichlichste Auswahl vom Größten bis
Kleinsten, welche alle Ansprüche befriedigen kann.
Von der Fülle und Manchfaltigkeit der kirch-
lichen Arbeiten wird man daselbst angenehm
überrascht; fast kein bedeutender Knnstartikel für

kirchliche Bedürfnisse, darf man sagen, ist ver-
gessen worden.

Da der im „Kirchenschmnck" wieder angebahnte,
und im „Archiv für christliche Kunst" weiter ent-
lvickelte knnsthistorische kirchliche Standpunkt mit
vollem Recht mit Vorliebe die mittelalterlichen
soliden Formen zu neuem Leben wieder zu er-
wecken anstrebt, so hat derUnternehmer, der einstens
fleißig das germanische Mnseunr in Nürnberg be-
sucht und studiert hat, der Reproduktion
der alten guten k i r ch l i ch e n Kunstwerke
seine ganz besondere Aufmerksamkeit
zu ge wendet. Es bildet diese Kollektion eine
Art Museum für sich, das verdient, sowohl von
unfern jungen Meistern als auch vom hochwür-
digen Klerus eingehend betrachtet und beachtet
zu werden.

Das Ausstellnngslokal befindet sich in Stutt-
gart, Rothebühlstraße 77, I., Haltestelle Fenersce
der Straßenbahn, und ist mit letzterer in zehn
Minuten vom Bahnhof zu erreichen. An allen
Werktagen ist es geöffnet gratis 9—12 und
3—6 Uhr. Niemand ist genötigt, etwas zu
kaufen. Wenn die Besucher ihren Namen an-
geben lvollen, wird es gern gesehen. Auf einer
Etiqnette trägt jeder einzelner Gegenstand d i e
O r i g i n a l p r e i s e der Aussteller verzeichnet.
Dazu werden nur gerechnet die Baarauslagen für
Verpackung und Fracht. Dem Unternehmer
haben die Aussteller nur eine sehr bescheidene
Verkanfsgebühr zu entrichten, dagegen wird keine
Platzmiethe und sonstige Vergütung erhoben, auch
können dieselben jederzeit frei über ihr Eigentum
verfügen, Bedingungen von einer Coulanz, wie
sie Ausstellern gegenüber sonst selten anzntreffen
sind, besonders bei Privatnnternehmnngen.

Wir empfehlen diese permanente Ausstellung
des Herrn Engler allen Liebhabern und Freunden
kirchlicher Kunst, ganz besonders aber dem Klerus
und den Meistern kirchlicher Kunstarbeiten unsres
Landes mit bestem Gewissen und aus unpar-
teiischer, objektiver, warmer Sympathie für dieses
verdienstvolle Unternehmen.

Annoncen.

Herdersche Berlagshandlung, Hreiburg
im Breisgau.

Soeben ist erschienen und durch alle Buch-
handlungen zu beziehen:

Dr. N., Grundriß der Ge-
schichte der bildenden Aünste. Mit
vielen Illustrationen. Oierte Lieferung
(altchriftliche Kunst und Kunst des Islam),
gr. 8°. (S. 213—284.) M. 1.25.

Früher ist erschienen:

— ErsterTheil (1.—3. Lieferung): Die vor-
christliche Kunst. Mit 114 Illustrationen,
gr. 8°. (VIII n. 212 S.) M. 3.75.

Stuttgart Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt'
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