Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

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ist immer noch viel, ja wohl das äußerste
Mögliche; gleichwohl vermögen wir diese
Bilder nicht zu empfehlen, und wir wür-
den wünschen, daß die Firma sie abgehen
ließe. Es liegt uns eine kleine Serie
davon vor; da sind allerlei Namenszüge
und Symbole aus Rosen und anderen
Blumen hergestellt; dann symbolische Bil-
der: aus einem Herzen fließt Blut in einen
Brunnen, ans dem Tauben trinken; dabei
der Vers:

Unschuld, Geduld und Liebe weiht

Den Quell zum Trank der Ewigkeit.

Ferner: ein Kreuz, das auf deni Wasser
schwimmt und auf dem eine Taube sitzt;
darüber in den Lüften ein Anker; was
thnt ein Kreuz und eine Taube mit einem
Anker, und was thnt ein Anker droben
in der Luft? Auf einem andern ist trotz
des kleinen Raumes vereinigt: ein Herz,
ein Kreuz, ein Pelikan mit seinen Jungen,
Rosen, Lilien, Speer, Hysopstengel, Blut-
strom, Blitzstrahl und Schlange, — doch
des Guten etwas ztt viel. Ein anderes
hat den Vers:

Der Same thut es nicht allein,

Der Boden muß empfänglich sein.

Das Bild aber zeigt das Jesuskind,
welches Tauben füttert. Auf einem andern
halten zwei Hände eine Hostie, in welche
das Jesuskind ans einem Heubündel lie-
gend hineingemalt ist; was soll das Heu
in der Hostie? Wir wollen die Firma
solcher Dinge wegen nicht allzu hart
anlasseu; es lag uns nur daran zu zeigen,
welches die Folgen sind, wenn man zu
wohlfeil arbeiten will, und nur den Wunsch
wollten wir aussprechen, daß derartiges
in Zukunft nicht mehr hergestellt werde.

Jm Uebrigen wiederholen wir ausdrück-
lich tioch einmal das Zeugnis der Zufrieden-
heit, das den deutschen Firmen gebührt, so
sehr auch selbstverständlich ein weiteres Fort-
schreiten zu noch besseren Leistungen zu
wünschen ist. Da hier so viel Gutes, zum
Theil recht Gutes imb religiös Gesundes
geboten wird, so ist um so unbegreiflicher
und beklagenswerther der noch immer starke
Import französischen Fabrikats in Deutsch-
land. Wahrlich nicht aus Chauvinismus
eifern wir dagegen; wir würden diese Art
von religiösen Bildern eben so scharf ver-
urteilen, wenn sie Deutsche zu Urhebern
hätte, — deßwegen weil sie die

Sache d e r R e l i g i o n nicht fördern,
s o n d e r n schwer schädigen, weil
sie das Heilige zum sinnlichen
S p i e l, z u s e n t i m e u t a l e m G e s ü h l s-
k i tz e l in i ß b r a u ch e n, weil s i e a n st a t t
heiliger T h a t s a ch en und Persön-
lichkeiten süßliche, s e l b st g e m a ch t e
A l l e g o r i e n d a r st e l l e n, weil sie die
gesunde und kräftige Moral und
Tugend der Kirche entnerven,
durch eine moderne Influenza
v e rs e u ch e u, h e rz k r a n k u n d schwi u d-
süchtig machen, weil sie im Be-
streben, sich b e i h Y st e r i s ch e u w e i b-
l i ch e n P e r s o n e n e i u z u s ch m e i ch e l n,
dem Manu, dem normalen Ver-
stand und Herzen Religion und
Frömmigkeit zum U e b e r d r u ß u n d
zum Ekel mach en.

Sprechen wir uns deutlicher aus. Wir
reden von jenen weitverbreiteten, den mei-
sten aus eigener Anschauung bekannten
Spitzenbildern, welche in reicher Auswahl
die Firmen von E. Bounard, Ch. Letaille,
L. Turgis, Bouasse-Lebel in Paris in die
Welt senden. Nach meinen Erfahrungen
scheinen insbesondere die Frauenklöster
Centren ihres Umtriebs und ihrer Ver-
breitung zu sein. Vor mir liegt eine
reiche Serie. Es ist eine wahre Selten-
heit, wenn auf einem dieser Bilder eine
biblische Begebenheit, oder eine Heiligen-
gestalt sich dargestellt findet, — ist nicht
schon das ein schlimmes Zeichen? Was
aber wird dargestellt? Eine oft sich wie-
derholende Figur ist die christliche Seele,
meist repräsentirt durch eine sinnlich
schmachtende Mädchengestalt; hier steht sie
mit dem Rücken gegen einen Altar und
Tabernakel und schaut verzückt nach oben;
die Unterschrift lautet: Christ, erinnere
dich, daß du heute Tilgenden (sie) zu
erflehen hast; auf einem Pendant liegt sie
höchst faul und bequem auf einen Felsen
hingelagert und ein elegantes Kettchen
geht von Hand zu Hand; die Mahnung
lautet: Christ, erinnere dich, daß du
heute einen Himmel zu verdienen hast!
Auf einem andern Bild verbindet Maria
das Herz dieser Jungfrau durch einen
seltsam geformten Strang mit dem Herzen
Jesu; daun wieder sehen wir das Mäd-
chen in einem Schiff rudernd, Maria
hält das Steuer; oder es schreitet umher,
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