Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

Seite: 105
DOI Heft: 10.11588/diglit.15907.61
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15907.64
DOI Seite: 10.11588/diglit.15907#0120
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1890/0120
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
105

deutlichen Umrisse eines gothischen Sakra-
menthäuschens. Desgleichen sand man, als
man die Rennaissancebogen in drei Fenster-
nischen durch Spitzbogen zu ersetzen suchte,
die alten Spitzbogen theilweise noch vor, so-
wie auch Bruchstücke von gothischem Maß-
werk aus geschlissenem Thon, ganz nach Art
der Gewölberippen, welche mit Ausnahme
der Schlußsteine ebenfalls aus gebranntem
Thon sind. Die alten Fensteröffnungen
stimmten fast genau mit den projektirteu
neuen Oessnungen überein, wie auch die
Maßwerküberreste fast dasselbe Profil hatten,
wie das bereits in Angriff genommene neue
Steinmaßwerk. Die vierte, hinter dem Haupt-
altar sich befindliche Fensteröffnung zeigte
nach Entfernung des Mörtels einen rund-
bogigeu Abschluß, welcher auch wieder in
ganz ähnlicher Weise beibehalten wurde, nur
daß die Oefsnnng nach innen wegen des
Altars, der durch ein Jnneulicht beeinträch-
tigt worden wäre, geschlossen wurde, während
sie nach außen als Bildernische offen blieb.
In diese Nische wurde ein über lebensgroßes
ans hartem Stein gut gearbeitetes 'Marien-
bild mit dem Jesuskind gestellt, welches früher
im Kloster Urspring auf einein Brunnen
postirt gewesen war; vor ca. 50 Jahren
wurde es von dem Fabrikanten Reichenbach,

dem damaligen Besitzer des Klosters, der
Gemeinde Schmiechen geschenkt. Dasselbe
soll von einem Wiblinger Klosterbruder ge-
fertigt sein und weist aus das 16. Jahr-
hundert zurück.

Was nun die Vorgefundenen M a l e-
reien anbelangt, so kan: man nach reif-
licher Ueberlcguug und Beratung zu dem
Schluß, daß dieselben nicht erhalten werden
können. Das Gewölbe mußte so ausgebessert
werden, daß die Blumen doch bis zur Un-
kenntlichkeit zerstört worden wären. Ebenso
hätte man die Wandungen unmöglich eben
Herstellen können, wenn man das einzige
restanrationssähige Gemälde hätte schonen
wollen. Um aber dennoch das Alte möglichst
zu erhalten, wurden die Blumen, das Bild
und das Meisterzeichen mit Schristzng durch-
gepaust. Die Blumen wurden nach Vollen-
dung des Gewölbes in ihrer ursprünglichen
Form und Kolorirung wieder anfgetragen,
soweit es thnnlich war, die Pause des Bildes
aber als Erinnerung an eine ehrwürdige,
opferwillige und kunstsinnige Zeit dem Pfarr-
archiv eiuverleibt. Die Wandungen und
Feusterlaibuugen wurden quadrirt. Da die
rauhen Flächen der Chorwaud ziemlich feucht
sind, so wagte man nicht, sie zu bemalen,
sondern mau beschloß, sie auf andere Weise
loading ...