Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

Seite: 107
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Wahrung im Pfarrarchiv. Zwei
Bruchstücke dieser Gemälde finden
sich oben in der Abbildung des
Martyriums rechts und links bet-
gefügt: eine Scene unter dem
Kreuz und die Grablegung. Die
letztere, 1,40 na hoch, 65 ent breit,
beschloß mau als historisches Denk-
mal zu erhalten. Das Bild wurde
daher während der Erneuerung
des Bewurfes durch satten ab-
gegrcnzt und verhüllt, so daß es
noch jetzt in der alten Gestalt
sichtbar ist. Dasselbe wird von
Herrn Losen aus Nürnberg, wel-
cher zur kunstgerechten Bemalung
des Chores sachverständige An-
iveisungeu gegeben hat, restan-
rirt werden. Unterhalb des Bil-
des befindet sich die romanische
Fensternische, welche ebenfalls als ehrwürdiges
Andenken erhalten bleibt.

Die Sakristei, deren einfaches Gewölbe
nur durch vier Rippett gebildet ist, bot we-
nigstens etwas Interessantes. Am Schluß-
stein fand sich nämlich das nachfolgende
Meisterzeichen, ähnlich dem im Chor Vorge-
fundenen, mit der Jahreszahl 1480. Das-
selbe Meisterzeichen findet sich auch in Blan-
benren und Ulm (s. Kleinm, Württb. Bau-
meister und Bildhauer S. 84 und Fig. 36).

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Die Restauration im Aenßeren ver-
dient wegen ihrer Einfachheit und weil sich
nichts historisch Merkwürdiges vorfand, keine
nähere Besprechung. Die Mauerwände
wurden mit einem Spritzwnrf bedacht und
das ganze Gebäude durch ein Cementtrottoir
vor weiterem Eindringen der Feuchtigkeit
geschützt.

Der schmucklose ans rauhen Steinen her-
gestellte, an den Ecken mit Buckelqnadern
versehene Thurm ist offenbar aus der
romanischen Zeit und wurde später durch
Fachmauerwerk und gothisch sich zuspitzenden
Thurmhelm erhöht.

Noch verdient die bei Gelegenheit der
Restauration wieder aufgedeckte Krypta
Erwähnung, deren Lage ans dem Grundriß,
deren Gestalt aus nachfolgender, ebenfalls
der Güte des Herrn Baron v. Freyberg zu
verdankenden Abbildung zu ersehen ist. Sie

hat ein romanisches Thurmgewölbe, erhielt
aber offenbar in der gothischen Zeit wegen
des neuen Sakristeibanes einen andern Ein-
gang. Nach altem Bericht war der Altar
dein hl. Antonius geweiht. An der Stelle
wo jener gestanden war, finden sich noch
kleine Spuren von Renaissancemalerei mit
der Jahreszahl 1667. Ein sehr alter Altar-
stein, welcher jetzt oben an der Kirchenmauer
angebracht war, wird wohl die Mensa des
j Kryptaaltars gebildet haben. Derselbe wird
I wieder an seine vermnthliche Stelle kommen
j und das Ganze zu einer Heiliggrabkapelle
! eingerichtet werden.

Der Herausgeber, welcher persönlich von
der Kirche und deren Restauration Einsicht
genommen hat und wiederholt befragt wurde,
bezeugt gerne zum Schlüsse, daß das ganze
Werk mit lobenswerther Umsicht und llcber-
legnng geplant und mit Sorgfalt und
Energie in Angriff genommen wurde. Dem
Eifer des Pfarrers stand die Opferwilligkeit
und freudige innere Theilnahme der Parochia-
nen, besonders des Stiftnngsraths, treu zilr
Seite. Der Erfolg kann denn auch ein

wohl befriedigender genannt werden. Möge
Eifer unb Opfersinn noch so lange anhalten,
bis das ganze Werk zum guten Abschluß
gelangt ist! —

Die Altäre der Heiliakreuzkirche zu
Rot,weil a N.

Von Repetent Schnell in Rottweil.

(Fortsetzung.)

8) Der St. Nepomuk-Altar. Er
steht in der gleichnamigen Kapelle, welche
an Größe und Schönheit des Gewölbes alle
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