Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

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für seine Wohnung. Und dann vergesse
er nicht, wenn er ein Uebriges besitzt, daß
anch die Stiftung eines Kruzifixes oder
eines religiösen Bildes in die Hütte des
Armen ein gutes Werk ist, ein Werk der
geistlichen Barmherzigkeit.

Romanische Ranzel.

Der Entwurf der Beilage stammt von
Architekt Ca des in Stuttgart und wurde
gefertigt für die im romanischen oder, besser
gesagt, im Rundbogenstil erbaute Kirche
in Schömberg, ausgeführt von Knnst-
schreiner Benz in Gmünd. Mit Recht
hat der Zeichner sich nicht an den etwas
wilden Stil der Kirche gehalten, sondern
mit dem romanischen Stil vollsten Ernst
gemacht. Die äußere Randkrönung des
Schalldeckels dürste vielleicht etwas höher
und reicher ausgesührt werden; die stilistische
Tüchtigkeit des Entwurfs hält auch strenger
Kritik Stand.

Die Altäre der Heiligkreuzkirche zu
Rottweil a. N.

Von Repetent Schnell in Rvttweil.

(Fortsetzung.)

10') Der Nikolaus-Altar stammt
wie der oben genannte Petrusaltar zum Theil
uoch ans der alten gothischeu Einrichtung, zum
Theil ist er durch Heideloss neu erstellt
worden. Alt sind der Altarschreiu und die
zwei Altarslügel, sowie die Statuen des hl.
Nikolaus, des hl. Thaddäus, der hl. Mar-
garetha und der Mutter Gottes. Nell ist
die Predella und der Aufsatz über dem
Schreili, bestehend alls acht Fialen mit ent-
sprechenden Füllnllgen in den Zwischen-
räumen.

Für die neue Schreinerarbeit erhielt Paul
Haas 275 sl., für die Schnitzereien Roter-
mund 160 sl. Wie die übrigen Altäre
so wurde auch dieser neu gefaßt uild ver-
goldet, wofür Hütter 900 sl. erhielt. Es
ist, wie gesagt, ein Flügelaltar mit drei Ni-
schen. In der mittleren, etwas erhöhten,
steht die Statue des hl. Bischofs Nikolaus,
rechts diejenige des hl. Thaddäus und links
die der hl. Margaretha. Diese drei, ca. 1,40
Meter hohen Figuren haben an den Unter-
gewändern geradlinige, fast parallele Falten,
während die Obergewänder teilweise stark
geknittert sind, aber nicht eckige, sondern ab-
gerundete Brüche zeigen. Die Gesichter der
beiden nlännlichen Heiligen siild schmal, aber

ziemlich dilrchgearbeitet, während dasjenige
der weiblichen Figur breiter und ausdrucks-
loser ist und mit den anderil beiden nur die
ziemlich spitzige Nase gemein hat. Behand-
lung der Falten uitb Haltung lassen auf
einen schwäbischen Bildhaller gewöhnlichen
Schlages schließen. Besser in der Fal-
tengebung und feiner in der Haltung
ist eine Madonna mit dem Kinde, welche
über der mittleren Hauptnische zwischen
Fialen unb unter einem Baldachin von
Blattfüllungen Platz gefunden hat. Hier
ist der Ausdruck gemüthvoller, der Falten-
wurf geschmeidiger. Diese Statue befand
sich früher in einem Zopfaltar in der Kreuz-
kirche.

Die Flügel sind auf der Vorderseite ge-
schmückt mit hübschen Basreliefs. Auf der
Epistelseite sehen wir den hl. Christophorus,
mit der Rechten einen geästeten Stab hal-
tend, die Linke in die Seite stemnrend das
Jesuskind auf den Schultern über das
Wasser tragein Die Schnitzerei auf dem
Flügel der Evangelienseite stellt den hl.
Sebastian dar, an einen Baum gebunden
und von Pfeilen durchbohrt. Diese beiden
Reliefs sind besser geschnitzt als die drei Fi-
guren in den Nischen. Die Rückseite der
Flügel enthält gemalte Darstellungen aus
der Legende des hl. Nikolaus nnb zwar auf
jedem Flügel zwei. Auf der Evangelienseite
oben sehen wir einen Jüngling auf der
Staffel einer Kirche knieen: vor ihm und
hinter ihm steht je ein Diakon, die ihn an-
scheinend znm Eintritt in die Kirche bewegen
wollen. Hierüber gibt uns die Legenda
aurea Aufschluß. Sie erzählt: „In Myra
starb der Bischof. Die Bischöfe versam-
melten sich nun daselbst, und in der Nacht
hatte der vornehmste derselben einen Traum,
daß er nämlich den zum Bischof weihen solle,
welcher am Morgen zuerst zur Kirche
komme, er heiße Nikolaus. Dieser Bischof
sagte nun den andern, sie sollen recht beten,
er selbst aber wolle vor der Thüre der Kirche
schlafen. Und wunderbarer Weise kam am
Morgen Nikolaus. Der Bischof ergriff ihn
und fragte nach dem Namen. Er, voll
Taubeneinfalt, sprach geneigten Hauptes:
Nikolaus, Eller Heiligkeit Dieiler. Sie
führten ihn nun in die Kirche und setzteil
ihn, obgleich er sich sehr dagegen sträubte,
auf den bischöflichen Stuhl." Unterhalb der
genannten Darstellung befindet sich allenr
Anschein nach das Votivbild. Ein Fuhr-
inann, welcher im Wasser steht, streckt die
Hände fleheild empor. Nebeil ihm ist ein
mit einem Faß beladener Wagen, der von
einem Schimmel durch das Wasser gezogen
wird. Oberhalb erscheint der hl. Nikolaus
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