Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

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kleinen Kindes. Diese Bilder sind sehr
fromm empfunden und würden sich, nament-
lich die Vision des hl. Franziskus, sehr eignen
zur Verbreitung in kleinem Format.

Der Marienaltar ist 32 Fuß hoch, er hat
den höchsten Aufbau und nimmt sich nament-
lich in den oberen Parthien etwas gabelig
aus. Nachdem der Bau der Konstruktion
entsprechend mit einer Schlußblume ge-
schlossen, welche eine Nische krönt, erhebt sich
noch einmal ein lustiges Gehäuse, welches
ganz oben die Statue des hl. Joseph (aus
dem vorigen Jahrhundert) trägt. Dieses
Bild wird oben überdacht von einer förm-
lichen Krone aus sich gegenseitig durch-
dringenden Frauenschuhen, aus der Mitte
derselbeu ragt noch eine hübsch durchbrochene j
Pyramide bis zum Gewölbe des Schisses
empor. —

Man wird aus dem Vorstehenden ersehen
haben, daß die Heiligkreuzkirche in Rottweil
des Interessanten und Schönen genug bietet,
und wenn man wohl zugestehen muß, daß
manches an der Restauration verfehlt wor-
den, unb wenn man vielleicht auch bedauern
darf, daß eine solche Summe (mehr als
51 000 Gulden) schon in den vierziger Jahren
ausgewendet wurde, so darf man doch nicht
vergessen, daß diese Restauration einst einen
entschiedenen Anfang zum Besseren bedeutete
und daß die damaligen Veranstalter und
Ausführer derselben vom besten Willen be-
seelt waren, durch materielle Mittel und
künstlerisches Können das Haus Gottes
würdig und schön zu schmücken.

St. (Seorg

in Legende und bildender Kunst.

Von Pfarrer D e tz e l in St. Christina-
Ravensburg.

(Fortsetzung.)

Wenn man auch die Berühmtheit sei-
nes Namens nicht auf die Erzählung des
Eusebius *) zurückführen will, worin er be-
richtet, ein vornehmer christlicher Jüngling
habe die an den öffentlichen Plätzen der
Stadt angeschlagenen Verfolgungsedikte ab-
gerissen und sei der erste der christlichen
Helden geworden, die für den Glauben
starben, so bleibt die oben angegebene Zeit
seines Martyriums doch historisch sestgestellt.
Auf all das weist schon die Uebertragung
seiner Gebeine nach Diospolis in Palästina
hin, woselbst auch seine Translation am
3. November feierlich begangen wurde. Dann

i) Vita Constantini M. lib. III. Vgl. Act.
S. S. 106.

ist der Kultus des Heiligen eilt sehr alter,
indem schon in den frühesten Zeiten sein Fest
in der römischen Kirche gefeiert wurde.
Schon das Sakramentarium Gregor d. Gr.
enthält das Gebet: „Omnipotens aeterne Deus,
pro cujus nominis veneranda confessione Beatus
Martyr Georgius diversa supplicia sustinuit, et
ea devincens perpetuitatis meruit coronam, per
Christum D. N.“ ')

Ein Beweis seiner historischen Existenz
mag auch der Umstand sein, daß er schon
sehr frühe, wie der alte Ordo Romanus
bestätigt, in Kriegsgefahren zugleich ntit den
Heiligen Mauritius und Sebastianus an-
gerufen wurde und daß auch die Verehrung
seiner Reliquien eine sehr alte gewesen sein
muß, da bereits durch die hl. Kaiserin Helena
solche nach Rom gekommen siitd. Wie sollte
es endlich auch zu erklären sein, daß schon
Konstantin d. Gr. einem Heiligen mehrere
Kirchen erbaute, der gar nicht existirte und
wie sollte es möglich sein, daß andere christ-
liche Gotteshäuser schon in den ersten christ-
lichen Jahrhunderten den Rauten eiites Hei-
ligen getragen habeit, von dem weder Nante
noch Zeit, noch Ort seittes Daseins irgend
wie bekanitt gewesen wären?

Gerade nun aber das Syntbol des Hei-
ligeit, der Drache, hätte bei eittem nicht
absichtlickeit Suchen ttach irgend einem heid-
nischen Mythus rein von selbst auf den
christlich-historischen Hintergrund der Legeitde
führen müssen. Die älteste Vorstellttng
nämlich, welche man sich von der Gestalt
des Bösen machte, weist auf das Bild der
Schlange oder des Drachen hin. Die
hl. Schrift läßt den Tettfel schon Gen. 3, 1
bei seinem ersten Erscheinen so auftreten,
ebenso kehrt in der Apokalypse (12, 9; 13, 2)
diese Vorstellung wieder und nach dem Psal-
misten (90, 3) sind Schlangelt, Drachen,
Basiliskeit und ähnliche Gethiere Sinnbilder

des Bösen: „Super aspidem et basilicum am-
bulabis et conculcabis leonem et draconem/1

Auch in den ältesten Martyrerakten, z. B.
denen der hl. Perpetua und Felicitas finden
wir dieses Bild des Drachen wieder. Wie
itahe lag also attch der bildeitden Kttitst der
altchristlichen Zeit die Darstellung des Bösen
unter der Gestalt dieses Ungeheuers. Die
ältere christliche Knust hatte nun aber bei
Aufführung dieser absoluten Negation des
Guteit, sei es unter dem Bilde eines Drachen
oder uitter dent einer Schlange oder soitst
eines Gethieres, durchaus keinen Selbst-
zweck, sondern sie wollte mit dieser Dar-
stellung entweder beu Sieg des Christen-
thums symbolisiren oder Schrecken und Grauen

i) Act. SS. 110.
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