Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 8.1890

Seite: 116
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Den größten Einfluß, besonders auf die
bildlichen Darstellungen unseres Heiligen,
hatte eben im Mittelalter die Bearbeitung
der Legende durch Jakobus de Vora-
gine in dessen Legenda aurea (Historia lorrt-
bardica) um 1290, die alsbald schon im 14.
Jahrhundert die weiteste Verbreitung gefun-
den hat. Wegen ihrer Wichtigkeit für die
mittelalterlichen Kunstdarstellungen des hl.
Georg führen wir sie eingehender auf. Sie
berichtet: Georgius, der Tribun von Kappa-
dozien kam einst zur Stadt Silene in Lydien,
in deren Nähe sich in einem Sumpfe ein
Drache aufhielt. Um das Ungeheuer von
der Stadt fern zu halten, gaben die be-
drängten Bewohner demselben täglich zwei
Schafe und als diese anfiengen fehlen,
ein Schaf und eineö ihrer Kinder nach dem
Loose preis. Endlich war das Loos auf die
Tochter des Königs gefallen; acht Tage lang
zögerte dieser, dein Drachen sein Kind aus-
zuliefern , mußte aber endlich dem Drängen
des Volkes nachgeben und die mit königlichen
Gewändern geschmückte Jungfrau dem Unge--
heuer zuführen. Unter Thränen begleitete er sic.

Hub so findet sie der ritterliche Jüngling
Georg; die Jungfrau erzählt chm ihr
trauriges Geschick und mahnt ihn zur Flucht.
Georg aber tröstet sie mit der Versicherung,
er werde sie in Christi Namen erretten.
Darauf steigt Georg zu Pferd, waffnet sich
mit dem Kreuze, greift den heranstürmenden
Drachen an unb verwundet ihn schwer mit
der Lanze. Hierauf heißt Georg die Jung-
frau ihren Gürtel dem Drachen um den
Hals legen. Diese thut es und der Drache
folgt ihr wie ein Hund zur Stadt. Beim
Anblick des Ungeheuers entflieht das ver-
sammelte Volk, Georg aber beruhigt das-
selbe und sagt, daß Gott ihn zu seiner (des
Volkes) Befreiung gesendet habe und daß
er den Drachen tobten werde, wenn alle an
Christum glauben wollen und sich taufen
lassen. Darauf läßt sich der König und
das ganze Volk taufen, Georg aber tödtet den
Drachen mit dem Schtvert. An jenem Tage
sind zwanzigtausend getauft worden, unge-
rechnet Kinder und Frauen. Der König aber
ließ zu Ehren Mariä und des hl. Georg
eine prachtvolle Kirche erbauen, aus deren
Altar ein lebendiger Quell entsprang, der
alle Krankheiten heilte. Die vom König
dem Georg gebotene reiche Belohnung ver-
theilte dieser unter die Armen. (Forts, folgt.)

Die zwei klassischen Gemälde
in der Kirche zu Salach, OA. Göppingen,

(1889 Nr. 10 S. 98) aufmerksmn machte, wurden
in letzter Zeit von dem gewiegten Kenner, Herrn
Professor Hauser, Konservator an der alten
Pinakothek in München, besichtigt. Er erklärte,
das; die Kreuztragung allerdings aus der Schule
der Carracci stamme und zwar von Pietro Be-
rettini (genannt Pietro da Cortona, 1596—1669);
jedenfalls sei die Luftpartie von ihm, wenn auch
die Figuren von anderer Hand sein sollten.
Der Schutzengel sei in der That eine Kopie
nach Murillo, ausgefiihrt von einem späteren
Italiener.

Geislingen. Stadtpfarrer Fuhrmans.
Annoncen.

Verlag von E. A. Seemann, Leipzig.

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