Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

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sich gegenwärtig in der Sammlung des
Lord Spencer Althorp bei Northampton
befindet. Der zweite Einbanddeckel des-
selben, im Jahr 1417 geschriebenen Codex
(einer Lobpreisung Mariä), trägt, als eben-
bürtiges Gegenstück zu dem hl. Christoph,
den offenbar aus der nämlichen Hand
stammenden Holzschnitt einer Verkündigung
Mariä. Beide sind nach primitiver Weise
durch Aufpressen gedruckt; die Farbe der
Umrisse ist tief schwarz; die höchst sorg-
fältige Kolorirnng von sanfter, heller und
seiner Gesammtwirknng. Nach der Art
der Zeichnung und Auffassung der vollen
weichen Körperformen, dem runden lang-
fließenden Zug der Gewänder schließt Fr.
Lippmann ans oberdeutschen Ursprung in
einer Kunstschule, welche älter als die
von Flandern herstammenden Neuerungen
und von ihnen noch unberührt ist."

Soweit Pros. v. Lützow, der ans S. 65
den Holzschnitt des hl. Christoph repro-
dncirt. Wo die Werkstätte sich befunden
haben möchte, ob in Buxheim selbst oder
in dem ganz benachbarten Memmingen,
oder in dem nicht weit entfernten Ulm
oder in einer andern oberschwäbischen
Reichsstadt, muß anheimgestellt bleiben;
der bedeutendste Sitz dieses Zweiges der
Knnstübnng war jedenfalls in Ulm.

Wir tragen zusammen, was v. Lützow
über die Beteiligung dieser letztgenannten
Stadt beibringt. Aus S. 60 heißt es °.
„Das verbreitetste Andachtsbuch im Mittel-
alter war: die Ans moriendi. Sein
Inhalt wurzelt in früh mittelalterlichen
Ideen, sein Stil weist ans niederländischen
Einfluß hin. Aber es gibt davon auch
mehrere frühe Ausgaben deutscher Ab-
stammung, die eine wahrscheinlich aus der
Kölner, eine zweite ans der Ulmer Schule;
drei andere mit deutschem Text, unter dem
Titel: die Kunst zu sterben; die eine davon
mit dem Namen H ans Sporer und der
Jahreszahl 1473, die andere, wohl ziem-
lich gleichzeitige mit der Bezeichnung:
Ludwig ze Ulm."

Ferner Seite 67 : „Durch Beischriften
aus einzelnen Blättern kennen wir die
Namen mehrerer Ulmer Formschneider:
des Hans Schlüsse r und des Mi ch a e l
Schorpp. Als Kartenmaler und zu-
gleich als Briesdrncker oder Formschneider

ist Hans Paur aufzufassen, von dem
zwei Blätter in der Bibliothek zu Stutt-
gart und im Knpferstichkabinett zu Mün-
cheu herrühren."

Die von Jäger aus den Urkunden er-
hobenen Namen ohne Werke, deren wir
Eingangs Erwähnung gethan haben, sind
bei v. Lützow angeführt S. 66. „Die
Reihe der deutschen Formschneider reicht
bis über den Anfang des 15. Jahr-
hunderts zurück. Schon 1398 finden wir
in Ulm einen Meister Ulrich urkundlich
erwähnt, welchen! ans dem Jahr 1441 die
Meister Heinrich, Peter von Erolz-
heim und Jörg, 1442 der Meister
Lienhart, 1447 Claus Stoffel und
Johann, 1455 der Meister Wilhelm,
1461 wieder ein Meister Ulrich, 1476
der Meister Michel, H a n s, C o n z und
Lorenz folgen." Wenn von dieser statt-
lichen Anzahl von Meistern des Form-
schnittes bislang keine Werke mehr nach-
weisbar sind, so können solche doch, wenn
auch ohne Namen, bestehen. Sobald näm-
lich der Buchdruck einen Aufschwung nahm,
so bestrebte man sich, den Druckwerken
eine xylographische Ausschmückung zu geben;
aber in diesem Falle trat der Name des
Buchhändlers in den Vordergrund, die
Namen der direkt arbeitenden Formschneider
traten zurück. In dein v. Lützow'schen
Werke heißt es darüber: „In dem handels-
inächtigen Ul in tritt (gegen Ende des
15. Jahrhunderts) ein Aufschwung des
Buchgewerbes ein, während dessen früheste
dortige Vertreter, Ludwig H o h e n w a n g
und Johannes Zainer sich noch in
engeren Grenzen bewegt hatten. Leonhard
Holl druckt 1482 in der Cosmographie
des Claudius Ptolemäus das erste Buch
mit in Holz geschnittenen Landkarten. In
künstlerischer Beziehung sind besonders die
Druckwerke des Konrad D in km nt h
beachtenswerth. Vortreffliche schwäbische
Meister, die den Einfluß Martin Schon-
ganers deutlich erkennen lassen, müssen
für den Ulmer Buchdruck thätig gewesen
sein. In der von Dinkmnth besorgten
Ausgabe von Thomas Vierers: schwäbischer
Chronik (1486) und in der demselben
Jahr angehörigen deutschen Uebersetznng
des Eunuchus von Terenz aus der näm-
lichen Offizin, treten zum erstenmal die
Landschaft und das Architektnrbild, nament-
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