Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

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nicht die Legende des hl. Hippolyt, sondern
in allen acht Tafeln eine znsammenhängende
Darstellung der Legende des hl. Georg vor
uns. Diese 10 Darstellungen bieten zudem
noch das weitere Interesse, daß sie sich voll-
ständig, so zu sagen wörtlich, an die Legende
des Jakobus de Voragine, wie wir sie
oben gegeben haben, anschließen. Wenn auch
die meisten cyklischen Bilder des Heiligen
sich mehr oder weniger von dieser Legende
abhängig zeigen, so ist doch sonst keine Reihen-
folge von Darstellungen, die so ins Detail
eingehend sich von der Legenda aurea abhängig
zeigt, wie die künstlerische Schilderung unseres
Heiligen auf den Tafeln des Wallraf-Richartz-
Museums; in den einzelnen Scenen ist sogar
die Reihenfolge der Thaten und Wunder ein-
gehalten, wie sie die Legende gibt. Eine
kurze Beschreibung der einzelnen ScenenH,
verglichen mit der obigen Wiedergabe der
betreffenden Legende, wird das ergeben:

Ta f. 172a Der weinende König und die
Königin führen die mit kostbaren Gewändern
und einem Diadem geschmückte Tochter dem
Thore der Burg zu, von deren Thurm dem
in: Mittelgründe sichtbaren Drachen ein
Lamm zugeworfen wird.

Taf. 173a. Im Hintergründe links
kommt Georg geritten. Im Mittelpunkt
kniet er betend vor der Jungfrau Maria
und dem Kinde, das ihn: einen Schild reicht.
Im Vordergründe reitet Georg dem Drachen
entgegen und stößt ihm die Lanze in den
Rachen. Die Jungfrau steht neben ihm und
hält ihren Gürtel vor sich hin. Im Hinter-
gründe rechts geleitet St. Georg die Jnng-
sran, welche den Drachen an ihrem Gürtel
führt, nach der Stadt.

Taf. 173b. Dieses Bild ist durch eine
Säule in zwei Theile getheilt. Links tödtet
St. Georg beit Drachen mit dem Schwert,
der König, die Königin, die befreite Königs-
tochter ttttb viel Volk dabei. Die rechte
Hälfte stellt das Innere einer mit Säulen
und gemalten Glasfenstern geschmückten Kirche
dar; in dieser steht der Heilige, die Hand
segnend erhoben, vor einem Taufbecken, in
welchem der König, die Königin und viele
andere mit andächtiger Geberde die Taufe!
empfangen. Hinter dem Taufbecken ein
Priester. Auf dem Gemälde trägt der Hei-
lige anfangs Rüstung, von der Taufe des
Königs an (Nr. 173b rechte Seite) erscheint
er in einem pelzverbrämten Rocke.

Vgl. Kretschmar, (Der sog. Hippolpt-
Altar im Mus. Wallraf-Richartz in Köln) in:

Zahrbuch der K. Preuß. Kunstsamm-
lungen. 4. Bd. 1883. S. 93 f., woselbst auch
eine einfache Abbildung der Tafeln in Umriß-
zeichnungen gegeben ist.

Taf. 174a. Das Bild enthält zwei
Scenen. Links steht der Heilige vor einem
Götzenbilde, das von zwei Männern ange-
betet wird, und schmäht dasselbe, was den
dabei stehenden Dacian, als heidnischer König
durch einen Turban bezeichnet, ztt der ab-
mahnenden Handbewegnng veranlaßt. Rechts
ist der Heilige an ein Kreuz gebunden, ein
Scherge zerreißt seinen Körper mit einem
Haken, ein anderer brennt ihn mit glühender
Kohle, die ein Dritter im Fetter erhitzt, ein
Vierter reibt seine Wunden mit Salz. (Ge-
rade so gibt der Tept bei Jakobns de Vora ■
gute die Reihenfolge der Martern.)

Taf. 172b. Hier wiederum zwei Scenen.
Links der Heilige im Kerker, dem Christtts
mit segnender Hand zuzusprechen scheint.
Auf der rechten Seite steht der Heilige von
zwei Schergen gehalten vor dem Gefängnis;,
den Giftbecher in der Linken, die Rechte
segnend erhoben. Aus dein Getränk ringeln
sich Schlangen. Vor ihm kniet der Zauberer
Athanasius, zu dent Heiligen aufblickend.
Hinter ihm Dacianus mit Gefolge.

Taf. 173e wiederum zwei Scenen. Links
kniet der Heilige vor einem doppelten Rade,
das durch Feuer vom Himmel zerstört wird.
Rechts steht der Heilige in einem gefüllten
Kessel, in dem ein Scherge mit einer Stange
rührt, ein anderer schürt das Feuer unter
dem Kessel. Dahinter Dacian und sein Ge-
folge.

Taf. 173ck. Der Heilige wird geschleift
mit dem Gesicht am Boden. Dacian und
sein Gefolge zu Pferde begleiten ihn.

Taf. 174b enthält zwei Scenen. Der
Heilige wird enthauptet. Im Hintergründe
wird Dacianus ttitb Gefolge, in eiligster
Flucht nach der Stadt zurückkehrend, dtirch
Fetter vom Himmel verzehrt. Rechts ist
dargestellt, wie der Körper des Heiligen in
einer Kirche beigesetzt wird.

Schließlich seien noch erwähnt: Drei
Darstellungen in einer Seitenkapelle von
@t. Ambrogio zu Mailand, Fresken,
welche den Kamps und den Tod des Heiligen
zeigen, von Bernardino Luini, einem
Schüler des Leon, da Vinci, um 1500 gemalt.

Ein Eyklus in der St. Engelbertus-
Kapelle im Dome zu Köln, wo auch die
seltene Darstellung des Schleifens zur Richt-
stätte zu finden ist.

Eine Reihe von 15 scenen aus der
Legende des Heiligen im Georgenchore deS
Domes zu Bamberg, von Jakobns Ziegler
1575 gemalt.

Zwei Scenen endlich aus der Georgs-
legende finden sich auf dem von C. V o s
Ende deS 15. Jahrhunderts gemalten Altar-
flügel, der ans der Abel'schen Sammlung
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