Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

Seite: 48
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noch weitere Augen auf diese Werke hinzu-
lenken. Möge er nur nach so schönem An-
fang den Muth und die Unterstützung zur
Fortführung des Werkes finden und auch
den übrigen Klosterkirchen derselben Kategorie
die Wohlthaten seiner Kunst zuwenden! —

Literatur.

Elements d’Iconographie
chretienne. Types symboli-
ques. Par L. C1 o q u e t, Secre-
taire de la Revue de l’art chre-
tien. Lille, Desclee, de Brouwer
&Cie. 1890. 387 p. Prix: 12 Eres.

Dieses herrliche Buch mit mehreren hundert
vortrefflichen Illustrationen und einem durchaus
gediegenen und klaren Text kann man nur
wärmstens empfehlen. Sein Inhalt ist überaus
reich; es enthält nach Vorführung der Prinzipien
die Ikonographie der drei göttlichen Personen,
der Gottesmutter, der Engel und Teufel, der
Heiligen, der Propheten, Patriarchen und Si-
byllen, der allegorischen Personifikationen, der
materiellen Welt (Erde, Meer, Sonne, Mond,
Sterne, Wolken, Winde, Licht, Wasser, vier Ele-
mente), der wirklichen und fabulösen Thicre und
der Pflanzen. Die Darstellung meidet im All-
gemeinen gelehrte Untersuchungen und gibt nur
deren Resultate, aber doch unterläßt sie nicht,
je die (französische) Hauptliteratur unten anzu-
merken. In manchen Kapiteln erweisen sich die
Hauptsätze als Ertrag sehr gründlicher und ein-
gehender Studien, die in der von uns schon
mehrmals empsohleuen Zeitschrift »Revue de
l’art chretien* hinterlegt sind. Nur die Be-
handlung der Kreuzfrage p. 66 ff. ist etwas ver-
altet und will auch das Suppedaneum noch als histo-
risch festhalten. Besonders interessant und praktisch
instruktiv siud die Kapitel über die Darstellungen
des Herzens Jesu und der unbefleckten Empfäng-
nis. Begreiflicherweise ist das verwendete Jllustra-
tions- und ikonographische Material der Haupt-
sache nach aus Frankreich bezogen; das ist in-
sofern für uns von Wert, als es uns die fran-
zösische christliche Kunst aller Jahrhunderte näher
bringt. Andererseits wird freilich durch das
schöne Buch aufs Neue der Wunsch nach einer
vorzugsweise mit deutscher Kunst rechnenden oder
nach einer universal angelegten Ikonographie
geweckt. Inzwischen ist uns aber die französische
Gabe hochwillkommen und sie wird ihren Werth
behalten, auch wenn einmal dieser Wunsch seine
Erfüllung gefunden hätte.

Romanische A l t e r t h ü in e r d e s
bayerischen Nationalmuseums
von Dr. Hugo Graf. München,
Nieger. 1889. 40. 95 S. und 15

Tafeln. Preis 4 M.

In einem Zeitraum vou 10- 12 Jahren hofft
die Direktion des Nationalmuseums in München
das geplante neue Katalogwert vou 16 Bänden
zum Abschluß bringen zu können, von welchem

zwei Bände (die Büchersammlung und die Samm-
lung der Abbildungen und Handzeichnungen zur
Kultur- und Kunstgeschichte Bayerns) 1887 er-
schienen sind, ein dritter, der oben angeschriebene,
1889 ausgegeben wurde. Der Inhalt des letzte-
ren zieht vor allem unser Interesse auf sich und
wir können fiir diese vortreffliche Registrirung der
romanischen Alterthümer nicht genug dankbar
sein; sie leistet die trefflichsten Dienste der Kunst-
forschung, dank der reichen und schönen Illustra-
tionen auch der Kunstpraxis, in erster Linie vor
allem dem Besucher des Museums, der nun erst
an der Hand dieses vorzüglichen Cicerone aus dem
Schauen bleibenden Gewinn ziehen kann. Möge
keiner, der das Museum besichtigen will, diesen
Führer verschmähen, dessen Dienste zudem so
wohlfeil zu haben siud. Die Angaben über die
einzelnen Stücke sind sehr genau und detaillirt, Zeit
und Herkunft nach Möglichkeit beigeschrieben,
ebenso die vorhandene Literatur stets vermerkt.
Der erste Theil führt die Originale auf, zuerst
die Bautheile, dann die Skulpturwerke; in beiden
Kategorien beanspruchen eine Hauptaufmerksam-
keit Bau- und Bildreste aus dem Kloster Wesso-
brunn, besonders die Apvstelsiguren, die, wie
jetzt ziemlich sichergestellt ist (s. „A. Zlg." 1890
Beil. 139 und 167), ihren Standort anr Lettner
hatten. Es folgen die Metallarbeiten, Minia-
turen, Inschriften u. s. w. Mit Recht sind die
derselben Periode angehörigen Gewänder und
Stoffe aus der textilen Fachsammlung ebenfalls
anhangsweise hier verzeichnet worden. Der
zweite Teil führt die Nachbildungen auf. Es
wäre freilich sehr zu wünschen, daß die hier be-
folgte Klassifizirung und Numerirung der Gegen-
stände auch für die Aufstellung und Numerirung
in der Sannnlung selbst hätte adoptirt werden
können; doch ermöglicht wenigstens die genaue
Angabe des Standorts und der Museums-
nummer das Auffinden des einzelnen ohne all-
zuviel Schwierigkeit. Die 14 Lichtdrucktafelu
find tadellos ausgeführt.

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