Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

Seite: 65
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wirksame als jungfräulich zarte und be-
scheidene Weise der Ornamentirung. —

Heber die ursprüngliche Heimat
einer Anzahl von Skulpturen in
der Pfarrkirche zu Mettenberg,

OA. Biberach.

Von Pfarrer Dr. Probst in Essendorf.

(Schlnß.)

Weitläufiger und schwieriger zu ent-
scheiden, wenn auch für die Kunstgeschichte
von Oberschwabeu weitaus wichtiger, ist
die Frage nach der W e r k st ä t t e, aus
welcher diese Skulpturen hervorgegangen
sein dürften. Ulm, Memmingen und
Ravensburg sind von Heggbach ungefähr-
gleich weit entfernt und können hier wohl
nur allein in Frage kommen, da an diesen
Orten ansehnliche Kunstwerkstätten am
Ende des Mittelalters blühten.

Da jedoch die Skulpturen selbst keines-
wegs sämmtlich gleichzeitig sind, so muß
zwischen den älteren, vom Ausgange
des 15. Jahrhunderts, und den jüngereu,
aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhun-
derts, unterschieden werden.

Zn den jüngeren gehören: die Vier-
Reliefs : Geburt, Anbetung und zwei
Werke der Barmherzigkeit, ferner die vier
Reliefs aus der Passion und die Bilder
deö hl. Blasius und hl. Sebastian. Alle
diese tragen ganz deutlich und ausgeprägt
den Charakter der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts (genauervon 1520 bis 1550)
an sich, besonders durch ihr Kostüm, wel-
ches in allweg mit diesem Zeitraum über-
einstimmt. Die charakteristischen Gewand-
stücke sind: die Schaube, das Birett, die
breiten Schuhe (Ochsenmänler oder auch
Bärenklauen genannt) und die geschlitzten
Gewänder, wobei die Beinkleider aber noch
anliegend sind. Wo diese Gewandstücke
dominirend sind und sämmtlich miteinander
verbunden auftreten, darf man ohne Be-
denken die Periode von 1520 bis 1550
als Entstehnngszeit annehmen. Näheres
darüber in den Münsterblättern VI. Heft
1889 mit Abbildungen in Lichtdruck. Vor-
her und nachher finden sie sich nicht niehr
so dominirend und nicht mehr in dieser
Weise vereinigt.

Für diese Zeitperiode aber ist in dem

oberschwäbischen Gebiete die Knnstprodnk-
tion ans einen sehr engen Kreis eingeschlos-
sen. In Ulm, Memmingen, Biberach, Lent-
kirch k. nahm gleichmäßig die Entwicklung
der Zeitverhältnisse einen sehr ungünstigen
Verlauf. Die einzige Ausnahme von Be-
deutung bildet Ravensburg. Die Präsum-
tion spricht deshalb stark für letztere Stadt.

Ein spezieller Anhaltspunkt läßt sich
überdies aus einem Monogramm gewinnen,
das an einem der Stücke des Cyklns, zu
welchem die vier Passionsdarstellnngen ge-
hören, angebracht ist. Dieser Cyklns um-
faßte auch noch andere Gegenstände, wor-
unter eine Geburt Christi (jetzt in Rißegg,
OA. Biberach). Hier ist ein A einge-
schnitten und im Bauche desselben ein Ick.
Letzterer- Buchstabe ist zwar im jetzigen
Zustande mit Farbe bedeckt, aber meine
Erinnerung ist ans dem Grunde bestimmt
genug, weil von unberufener Hand der
mißlungene Versuch gemacht worden war,
dieses H in ein D umzuwandeln. Dieses
Monogramm (AH) könnte recht wohl
auf einen Andreas Heidler bezogen
werden, welcher (nach Hafner, Württ.
Vierteljahrshefte 1889 S. 121) 1545 als
Maler in Ravensburg aufgeführt wird.
Ans die Familie Acker in Ulm läßt sich
das Monogramm nicht beziehen, weil das-
selbe nicht korrekt wäre und weil diese Fa-
milie wohl im 15. Jahrhundert vielfach in

Ulm thätig
war, aber
nicht in das
16. hinü-
bergreift
(cf. Manch
und Grün-
eisen, Ulms
Knnstleben
S.41,42).

Bezeich-
nend für
diesen Mei-
ster ist, daß
die Lands-
knechte ihm

Dornenkrönung. ^ ^sser

gelingen als die Figuren aus der Biblischen
Gechichte, weßhalb auch seine Darstel-
lungen ans der Passion immerhin besser
sind als die Geburt Christi und ähn-
liche Gegenstände, eine Erscheinung, die auch
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