Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

Seite: 68
DOI Heft: 10.11588/diglit.15908.41
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15908.45
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15908.46
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15908.47
DOI Seite: 10.11588/diglit.15908#0076
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1891/0076
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
68

Mußezeit alsbald dem Kunststudium zu. Ju
seinem strohgedeckten Lehmhause sammelte er un-
ermüdlich Materialien au fiir sein Handbuch
der kirchlichen Kuustarchävlogie des
deutschen Mittelalters, sein Hauptwerk,
welches in ganz Deutschland verbreitet ist und
auch in katholischen Kreisen seiner warmen Pietät
willen gute Aufnahme fand. Den ersten noch
sehr unvollständigen und mangelhaften Auflagen
folgten weitere ergänzte und verbesserte. Als die
vierte Auflage hergestellt und vergriffen und
bereits eine fünfte in Vorbereitung ivar, brannte
das ans Holz, Stroh und Letten erbaute Pfarr-
haus mit allen Sammlungen und Manuskripten
ab; doch konnte bei Weigel in Leipzig unter
Mithilfe des Oberpfarrers Wernicke in Kobnrg
eine fünfte Auflage 1883—85 edirt werden.
Das nun auf zwei starke Bände angewachscne
Werk ist das beste systematisch angelegte Sammel-
bnch dieser Art, besonders iverthvoll durch die
Verzeichnung aller bis dahin erschienenen Lite-
ratur ; jetzt freilich wäre wieder eine neue ^Auf-
lage nöthig, in welcher das gewaltige, in den
Staatsinventarien aufgespeicherte Material ganz
verarbeitet würde. Außerdem schrieb Otte: Ge-
schichte der romanischen Baukunst in Deutschland,
Leipzig, Weigel, 1874; Archäologischer Katechis-
mus 1859, 2. Anfl. Leipzig, 1873; Glockenkunde
1858, 2. Anfl. Leipzig 1884; Geschichte der kirch-
lichcn Kunst des deutschen Mittelalters. 1862.

Einen großen Verlust für die kirchliche Kunst
bedeutet der am 22. Dezember 1890 erfolgte Tod
des Stadtpfarrers von Frankfurt, Geistlichen
Rates Ernst M ünzenberger. Geboren am
5. Juli 1833 in Düsseldorf lvar er als Kaplan
in Düsseldorf, dann als Regens und Snbregens
in Limburg, seit 1870 als Pfarrverwaller und
Stadtpfarrer in Frankfurt thätig. Der uner-
müdliche, mit Seelsorgsarbeit immer überhäufte
Mann nahm sich noch Zeit und Kraft zu inten-
siven Knnststudien. Er legte sich selbst eine über-
aus reiche Sammlung von Knnstschätzen an, leitete
dann namentlich die Restauration des Kaiser-
domes und wagte sich 1886 an ein monu-
mentales Werk über die mittelalterlichen Altäre
Deutschlands; mir haben über letzteres von 1886
an in diesen Blättern laufenden Bericht erstattet.
Es gedieh leider bloß bis in die Mitte, bis zur
fünften Lieferung und läßt in seiner Nicht-
vollendung den Tod des überaus kundigen Ver-
fassers doppelt schmerzlich empfinden Hoffen
wir, daß es einen Fortsetzer und Vollender finde;
die artistischen Materialien sind, soviel wir hören,
in großer Menge vorhanden, lieber den Ver-
storbenen erschien eine kleine Lebensskizze von A.
M. Benevolus (Frankfurt, Fössers Nachf. 1891).

Literatur.

für jeden Kunstfreund hochinteressante Werk wurde
zunächst ausgegeben in Verbindung mit dem Vor-
lesnngskotalog der katholischen Universität in Frei-
burg in der Schlveiz, zu deren Professoren der
Verfasser zählt. Nach einem orientirenden Ueber-
blick über die altrömischen und altchristlichen
Bauten der Stadt Trier wird zunächst die Ka-
pelle von Heiligkreuz, nahe bei Trier, vor-
geführt, ein mit der Grabkapelle der Galla Pla-
cidia in Ravenna aufs nächste verwandter reiner
Krenzbau, um die Mitte des 11. Jahrhunderts
entstanden. Und dieses Bauwerk hatte man bis-
her für ein Werk der Renaissance gehalten! Von
nun an ist es, dank der gründlichen Untersuchung
des Verfassers, der kleinen Zahl der ältesten ro-
manischen Kirchen Deutschlands einzureihen, und
zwar gehört es wegen der reinen Kreuzsorm, des
Gewölbebanes und des Vierungsthurmes zu den
erlesensten Exemplaren jenes Stils. Die jammer-
voll profanirte Stiftskirche von Pfalzel (eine
Stunde von Trier) war von Kugler als spät-
romanisch agnoscirt, von Quast dem Ende des
9. Jahrhunderts zugetheilt lvorden. Der Verfasser
beweist, daß der Kern des Baues noch römisch
ist und daß die ursprüngliche Kirchenanlage aus
der Zeit der Aebtissin Adula um 700 stammt.
Somit ist die Stiftskirche nächst dem Dom von
Trier das älteste kirchliche Bauwerk auf deutschem
Boden. Die Wichtigkeit der Untersuchungen des
Verfassers leuchtet hienach von selbst ein. Möge
die schöne Schrift allseitige Beachtung finden und,
nach dem Wunsch des Verfassers, besonders auch
die praktische Folge haben, daß der schwer ver-
nachlässigten Stiftskirche von Pfalzel der so nöthige
Schutz und Erlösung aus ihrem elenden Zustand
wird.

Annoncen.

Holzschnitte, Lliches,

Abbildungen von Kirchen, Kapellen, sowie alle
anderen Illustrationen fertigt schön und billig
und bittet um geneigte Aufträge

Nnt. Staudachrr,

Rothebühlstr. 147, Stuttgart.

Gratis und franko.

§ager-Verzeichnis Nr. 55

Kunst

(Archäologie, Kunstgeschichte,
Malerei, MastiK re.).
Buchhandlung Gustav Fock,

Leipzig, Neumarkt 40.

Heiligkreuz und Pfalzel. Bei-
träge zur Baugeschichte Triers von
W. Eff mann. Freiburg, Bnch-
druckerei des Werkes vom hl. Pau-
lus 1890. 4», 159 S. und 107 Ab-
bildungen im Text.

Das für die Kunstgeschichte überaus wichtige,


Korrektur. Nr. 6 S. 56 Spalte 1 Zeile 2
von unten lies a—d statt a—c, Spalte 2 Zeile
10 von unten a—c statt a—b.

2)Iii einer Kunstbeilage: Frühgotlsische lvand-
malereien in jdfullingen.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
loading ...