Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

Seite: 88
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mählig — und das ist unser Wunsch — das
Buch so vervollkommnet werden, daß es seinem
schönen Ziveck ganz zu ensprechen vermag. —

Die ehemalige B e n e d i k t i n e r-
abtei Weingarten. Ausführliche
Beschreibung der Kirche mit ihren
Schätzen und Sehenswürdigkeiten.
Von Karl Anton Busl, Pfarrer
in Bavendorf. Mit 5 Abbildungen.
Zweite, verbesserte und vermehrte
Auflage. Ravensburg, Dorn. 1891.
120 S. Preis 50 Pf.

Diese kleine inhaltreiche Monographie über
das einst bedeutendste Kloster Oberschwabens, ans
dessen Kirche ich in den „Historisch-politischen
Blättern" Bd. 102 S. 739 ff. aufmerksam ge-
macht habe, erschien erstmals zum 800jährigen
Jubiläum der Uebergabe der Heiligblntreliquie
(16. Mai 1890); sie geht jetzt mit zahlreichen
Verbesserungen und Bereicherungen zum zweiten-
mal in die Welt, Zeugnis; ablegend von dem
unermüdlichen Sammler- und Forschergeist des
Verfassers. Man sieht es dem kleinen Büchlein
nicht an, aus tvclchcr Arbeit es herausgewachsen
ist und welche Mühe die Zusammenstellung und
Feststellung dieser Menge von Daten und Zahlen
gekostet hat. Den Eingang bildet eine sehr ge-
drängte Geschichte des Klosters; dann wendet sich
der Verfasser zu den noch erhaltenen Resten
früherer Kirchenbauten und des alten Klostcrbanes,
um dann den grandiosen Kirchenban von 1715
in eingehender Schilderung vorznführen; sehr
verdienstlich sind die mühsamen Nachforschungen
über die Herkunft der einzelnen Altarblätter und
der Galeriebilder (Werke von Julius Pcnso,
Spieglcr, Carlo Carlone, Vincenzo Malo, Cara-
vaggio (?), Sanmel Hoogstraten, Nikolaus
Rosendael u. a.); besonders ausführlich sind die
Angaben über die Glocken. Dann folgt eine
Geschichte des hl. Blutes mit Abbildung des
Heiligblutgefäßes von 1726 und einer Beschrei-
bung des „Blutrittes", ferner ein Ueberblick über
die Geschichte der Welsen, die das Kloster grün-
deten, und eine Abtstafel mit Bildniß des letzten
Abtes, Anselm Ritter. Den Schluß bilden sehr
interessante Mittheilungeu über alte Karten und
Abbildungen von Weingarten und andere ans
das Kloster bezügliche Alterthümcr, sodann ein
Bericht über die Jubiläumsfeier 1890, endlich
die Mittheiluug eines jedenfalls über das 12.
Jahrhundert hinaufreichenden altdeutschen Wein-
gartner Wandlungsgebets. Zahlreiche Nachträge
sammeln die Resultate der seit 1890 fortgesetzten
Studien des Verfassers über Weingarten. Die
solide und gewissenhafte Arbeit des Verfassers
verdient alles Lob; es sei nur besonders her-
vorgehoben, welchen Werth dieselbe für die noch
so sehr in den Anfängen liegende Geschichte
der kirchlichen Baukunst und Malerei des vorigen
Jahrhunderts hat. Möge es dem Verfasser ver-
gönnt sein, auf diesem Gebiet noch manches Jahr
rüstig weiterzuforscheu. Obigem Büchlein, das

mit seinen 200 Seiten enggedruckten Textes und
fünf recht ordentlichen Abbildungen wirklich das
Aeußerste leistet, was um den Preis einer halben
Mark geleistet werden kann, wünschen wir viele
Freunde. —

Peter Parier von Gmünd, Doin-
baumeister in Prag, und seine Fa-
milie. Ein Beitrag zur deutsch-
österreichischen Künstlergeschichte von
Di*. Joseph Neuwirth, Privat-
dozent der Kunstgeschichte an der
deutschen Universität in Prag. Prag,
Calve. 1891. 146 S. Preis 5,20 M.

Nur mit wenige» empfehlenden Worten machen
wir unsere Leser auf diese tüchtige und gehalt-
volle Schrift aufmerksam, welche dem großen
Sohne des großen Erbauers der Heiligkrenzkirche
in Gmünd gewidmet ist und die ganze stark in
Verwirrung gekommene Parier- oder Arlerfrage
nach fast allen Seiten befriedigend und ab-
schließend löst. Namentlich mit Hilfe bisher nicht
benützter Archiv-Urkunden wird für immer die
alleinige Nichtigkeit des Namens Parier, die Her-
kunft von Gmünd in Schwaben und der zeit-
weilige Aufenthalt in Köln festgestellt. Der
Hanpttheil des Buches ist der großartigen Wirk-
samkeit Peters in Böhmen gewidmet; seine Thä-
tigkeit am Dom, die Erbauung der Moldaubrücke,
des Brückcnthurmes, des Chores der Aller-
heiligenkirche ans dem Hradschin und der Bar-
tholomänskirche in Kvlin wird eingehend besprochen,
sodann ihm auch das urkundlich nicht bezeugte,
aber ans inner» Gründen beweisbare Autorrecht
ans die Karlshofkirche und Teinkirche in Prag
und die Barbarakirche in Kattenberg unbedingt
zngesprochen; zuletzt findet seine Thängkeit auf
dem Gebiet der SkulptuN-ihre Würdigung und
wird die ganze künstlerische Eigenart des großen
Schwaben ins Licht gestellt. Möge die tüchtige
Monographie über diesen berühmten Sohn des
Schtvabenlandes bei uns die gebührende Beach-
tung finden! —

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