Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

Seite: 104
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feite geschlossen werden. Außer Osterkerzen:
leuchtern (der gothische ist am unbefriedi-
gendsten) und Zeichnungen für Meßgewänder
folgen noch fünf Pietabilder, zu welchen der
Text einen sehr schwachen Kommentar gibt.

Heft 4. Schalldeckel zur romanischen
Kanzel des vorigen Heftes. Drei früh-
gothische Taufsteine; der mittlere „nach einem
alten frühgothischcn Motiv gezeichnet, und
soll der Fries mit seinen wellenartigen For-
men jedenfalls den Jordan und die Eckver-
ziernngen die mittelalterlichen Abzeichen der
Rom- und Palästinapilger, die Muscheln
darstellen" (Text S. 1); falls der Taufstein
richtig gezeichnet ist, ist er nicht frühgothisch,
sondern Renaissance, wie alle Formen und
Prosilirnngen klar zeigen; die symbolische
Vermnthnng ist zu kühn, zumal die Eckver-
ziernngen mit Muscheln nicht das geringste
zu thnn habeiy vielmehr — auf der Abbil-
dung wenigstens — gewöhnliche Blätter sind.
Blatt 27, schöner Flügelaltar von nicht ge-
nanntem neuerem Meister für die Pfarrkirche
zu Straubing entworfen, ohne Tabernakel,
spätgothisch. Blatt 29, sehr einfaches, mit
Ausnahme der oberer: Giebelabschlüsse nach-
ahnicnswerthes frühgothisches Chorgestühl
ans einer Kirche in Nordfrankreich. Blatt
30: dreierlei Nahmen für Statioilsbilder,
nicht in allweg befriedigend, theilweise gesucht
und zu anspruchsvoll; was sollen z. B. die
zwei plumpen Wasserschlaggesimse auf jeder
Seite von Nr. 73? Der Text läßt viel zu
wünschen übrig. Nr. 74: Romanischer Altar.
Der Text sagt, die alten romanischen Altar-
formen seien für unsere gottesdienstlichen An-
forderungen nicht mehr brauchbar; dies gilt
nur von dei: Hochaltären. Der Satz, daß
gothische Altäre unter allen Umständen spitz-
bogige Wölbung (des Chores) verlangen,
geht zu weit; wir haben auch nicht gewölbte
gothische Chöre. Der Entwurf selbst ist
zwar nicht ganz stilrein, geht aber noch an;
die Mensa wird zu kurz und zu schmal sein;
auf der Seitenansicht scheint ein Sepulchrum
unter der Altarplatte eingezeichnet zu fein,
das theilweise vom Altarüberban bedeckt wird
— unter allen Umständen fehlerhaft. Letztes
Blatt: ordentliche Entwürfe für Feldkrenze
ilnd Bildstöcke.

Wir werden fortlaufend über dieses Unter-
nehmen Bericht erstatten und auch in Zu-
kunft uns ebenso freimüthig über diese Blätter
auösprechen, welche einem so hohen und wich-
tigen Zwecke dienen. Die Lieferungen 5 und
6 enthalten eine Formenlehre des romanischen
und frühgothischen Stils, deren Besprechung
wir uns für später Vorbehalten, wenn einmal
die ganze Stillehre beendet sein tvird. Wenn

wir den: Werke einen gute:: Fortgang wün-
schen, so müsse:: wir mit diesen: Wunsch den
andern verbinden, es möchte die Redaktion
durch eine weitere tüchtige Kraft verstärkt
werden; der bisherige Redakteur ist wohl in:
Stande, die Bildtafeln zu besorgen, aber er
ist zu wenig schriftgewai:dt und steht auch
den: Geist katholischer Kunst und Liturgie
zu fern, als daß von ihm ein befriedigender
Text und eine ersprießliche Oberleitung zu
erhoffen wäre; inanche Sätze der ersten Lie-
ferungen rufen geradezu Zweifel wach, ob
er überhaupt katholischer Konfession sei.

Literatur.

R ö in i s ch e Q u a r t a l s ch r i f t für
christliche Alterthumskunde und für
Kirchengeschichte. Unter Mitwirkung
von Fachgenosfen herausgegeben von
Dr. A. de Waal, Rektor des
Kollegiums von Campo Santo. Vier-
ter Jahrgang 1890. Fünfter Jahr-
gang 1891. Heft 1—2. Rom,
Tipografia Sociale. In Kommission
bei Herder in Freibnrg. Preis pro
Jahrgang 16 M.

Seit wir das letzte Mal über dieses emi-
nent nächtige römische Organ berichlet haben, hat
dasselbe durch eine Reihe von tüchtigen Arbeiten
und wichtigen Mittheilungen seine Verdienste ge-
mehrt und sein Ansehen befestigt. Es ist von
unschätzbarer Bedeutung, daß wir in Rom selbst
eine so tüchtig geleitete Zeitschrift für Archäo-
logie und Kirchengeschichte haben, und es ist eine
Ehrensache für das ganze katholische Deutschland,
durch Abonnement dieser Zeitschrift die materiellen
Bedingungen für ein blühendes und sorgenloses
Weiterbcsiehen zu schaffen. Wir heben ans den
letzten Jahrgängen besonders die folgenden für
die Archäologie und Kunstgeschichte wichtige» Ar-
beiten hervor: Strzygowski, Reste altchrist-
licher Kunst in Griechenland; Kirsch, Beitrüge
zur Baugeschichte der alten Peterskirche, der
Altar des hl. Kreuzes in der alten Peterskirche;
Armellini, das wiedergefundeuc Oratorium
und Cömeterium der hl. Thekla an der Via
Ostiensis; de Waal, über die Confessio von
St. Peter; Swoboda, die altpalästinensischen
Felsengräber und die Katakomben; Wilpert,
Kritik einiger „unedirter" Katakoinbengeinälde;
Leroux d’Agincourt’s, die Basilika des hl. Sil-
vester über dem Coemeterium Priscillae, unbe-
kannte Malereien aus der Katakombe der heiligen
Petrus und Marcellinus; de Rossi, eine alt-
christliche Inschrift ans Tessalonich; Jelic, das
Cömeterium von Mauastrine zu Saloua und der
dortige Sarkophag des guten Hirten. Jedes
Heft bringt mehrere Tafeln mit sehr interessanten
Abbildungen. —

Stuttgart, Buchdruckerei derAkt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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