Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 9.1891

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DOI Seite: 10.11588/diglit.15908#0123
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daß hier wirklich — bei genügender Erkenn t-
niß — die Wahrheit darüber gefunden
werden könne, welches das schönste Ver-
hältniß sei." Herr Göller, der dieses erzählt,
scheint selbst nicht bei jener Berathnng über
den Ausbail des Ulmer Münsterthurines als
Theilnehmer gewesen zn sein, denn er hat
über den Streitpunkt jener zwei Parteieil
eine ganz andere Ansicht, als nach Göllers
Bericht die Theilnehmer an jener Diskussion
hatteil. Jene meinten llämlich —- trotz der
Verschiedenheit ihrer Allsichten — daß bei
genügender Keililtniß eine objektiv gültige
Entscheidung über das schönste Verhältniß
gefunden werden köilnte. Göller aber ist
der Ansicht, daß eine solche objektiv gültige
Eiltscheidung überhalipt uilniöglich sei, weil
die Schönheit der Maßverhältnisse nach [einer
Meinung nicht von objektiven, sondern von
psychologischen, also subjektiven Bedinglingen,
iilsbesoildere voil Gedächtnißbildern abhängt.
Wir können lins hier auf eilte Kritik dieser
Ansicht, die nils — offen gesagt — etwas
sonderbar vorkommt, ilicht näher einlassen,
fonbcvit f^Af* s.-ifr f\pt Spr uArrffrrfxpit

Bollendling E
Ansicht jenei^
der MaßverM
dllrchgedrnncE
Abänderung^
zn dem viestE.

Ulmer Thur^

Nach dem E
Höhenverhäl^
Unterbau uuE
Schnitt abn-
wirklich cmäE
die AbweichiE
iliß des golb -
jedenfalls viE
sprünglichen ^
keineswegs
sein, daß deiE
Schilitt zu
habe. Es j=;
konstatirt weE
Plaues ztl -

treppe, die = ^

führt. Ich bin selbst schon zweimal auf jener
Weildeltreppe bis zuin oberen Kraitz gestiegen,
das erstemal zu einer Zeit, als noch Gerüste
in jener Höhe angebracht war, unb habe den
Ball der Pyramide bei diesen Besteigungen
von innen lind allßen betrachtet mtb bewun-
dert. Ich stimme in diesem Plinkte dem
Lobe Psleiderers vollkommeil bei und gestehe,
daß mir die Pyrantide des Ulmer Thurmes
besser gefallen als die der Köliter Domthürme,
bei welch letzteren bekailntlich in der Pyramide
keine Weildeltreppe ailgebracht ist.

Uebrigens hat, wenn man den ganzen
Münsterball in Ulnt voil allßen betrachtet,
alif die ästhetische Wirknng ailch der Umstand
einen günstigen Eiilstllß, daß dem Hanpt-
thurnl im Westeil die zwei Chorthürnte im
Osten gegenüberstehen. Dadurch wird eine
Art optisches uild ästhetisches Gleichgewicht
zwischen West xtnb Ost hergestellt, denn die
Ostthürme bilden eilte Art Gegengewicht
gegenüber dem Westtnrm. Beide Chorthürnte
zusammen halteil dem Westthlirtn sozusagen
das Gleichgewicht. Würden die letzteru fehlen,
pje ästhetische Wirkung des ganzen
ihr verlieren.

in dieser Beziehllilg kann man dem
künsterbau bei der äußeren Betrack-
Weu relativen Vorzug vor dem Kölner
träumen, weil bei dem letzteren den
itigen Westthürmen keine Chorthürme
nlgewicht gegenüber treten. Aller-
^ in man etwa die weit hervortreteu-
e des Ouerbaues uild den über der
sich erhebenden Dachreiter als
eile, die zu den beiden Westthürmeu
ich-ästhetisches Gegeugeivicht bildeil
ilseheu, ob sie aber in so vollkom-
eise dies leisten, ivie die Chorthürme
ir Münsters, kann mau bezweifeln,
tun jedoch nicht mehr beistimmen,
alt iil einer voil Pfleiderer S. 39
en Stelle sagt: „Der Ulmer Mün-
t im Innern einen großartigeren itnb
>eren Eindrttck als der Kölner Dom."
Gesammtivirkttng des Innern be-
ziehe ich deit Kölner Dom uilbedingt
er Münster vor uild glaube hierin
'zahl derjenigen, welche beide Bau-
chen, auf meiner Seite zu haben.

Literatur.

^heilige Schrift des Alt eil
I d Neuen Te stameuts. Alls
Vulgata übersetzt voil Dr. I o-
h Franz v o u A l l i o l i. Jllll-
Ae Volksausgabe mit 45 Voll-
eru iil Farbendruck, über 1000
eru Abbildungen itnb Karten im
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