Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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Stuttgart, bei Ebner & Senbert. I, S. 177),
welcher namentlich diese — nach Schnaase „auch
in der Komposition vorzüglich schöne" — Kreuz-
abnahme sowie eine Grablegung zwar als „flüch-
tigere, aber dennoch geistreiche Arbeiten" bezeich-
net und als eigenhändige Leistungen Schonganers
gelten lassen will, der Ansicht, daß der ganze
Bildereyklus allerdings unter des Meisters Namen
aus seiner Werkstätte hervorgegangen, aber unter-
starker Mitwirkung von Gehilfen gemalt sein
möge. — Die nicht geringe Zahl der dem Schou-
ganer zugeschriebenen Gemälde dürfte darauf
zurückzuführen sein, daß eine Reihe von Dar-
stellungen nach Vorlagen Schonganerscher Kupfer-
stiche durch Dritte gemalt wurde; hauptsächlich als
Kupferstecher — man zählt jetzt 139 beglaubigte
Blätter von ihm; und wie manches mag erst
verloren gegangen sein — war sein Einfluß am
Oberrhein, im Elsaß tvie in Schwaben ein sehr
weitreichender. Unter solchen Umständen wird
man die voit Häßler mit Authentizität (in der
achten Veröffentlichung des Himer Vereins sowie
in „Ulms Kunstgeschichte im Mittelalter", S. 118)
vorgenommene von Woltmann, Schnaase u. s. w.
ignorirle Zuschreibung einer jetzt im Museum
der vaterländischen Alterthümer zu Stuttgart be-
findlichen , auf Tafel 24 der angeführten Kunst-
geschichte abgebildeten Darstellung des Erzengels
Michael an Schongauer mit aller Vorsicht auf-
zunehmen haben. Häßler ist aber gar so zuver-
sichtlich in seinem erwähnten Sendschreiben (S.76
unten) Z, als einzig doknmentirte Bilder Schon-
gauers in Deutschland (ausnühmlich des Elsaßes)
zwei damals (1855) in seinem Besitze befindliche
Stücke mit aller Bestimmtheit für sich in An-
spruch zu nehmen, ohne dieselben indes; hier zu
bezeichnen oder zti beschreiben. Dies sollten
tvahrscheinlich die ebengenannte Darstellung des
hl. Michael, sowie der hl. Dorothea sein ,ans einer
oberschwäbischen Kapelle stammend; die hl. Doro-
thea scheint er aber selbst als Schongauersches
Werk wieder anfgegeben zu haben. Auch ans diese
„Funde" ist die neuere Schonganerforschung nicht
eingegangen. 2)

*) Häßler sagt hier: „In Deutschland finden
sich doknmentirte Bilder von ihm (sc. Schongauer)
mit Ausnahme der zwei in meinem Besitze be-
findlichen meines Wissens nirgends." (!!)

2) Der Eingangs dieses Aufsatzes erwähnte
Herzog Wilhelm von Bayern scheint ein sehr
eifriger Bilder-Liebhaber und Sammler gewesen
zu sein. So hatte z^mselben bei einem Besuche
des Benediktiner-Klosters Zwiefalten im Jahre
1612 (nach Arsen. Snlgers airiralis Zwiefalten-
ses, II. 211 und Holzherr, Geschichte des genann-
ten Klosters, S. 169, unten) ein sehr werthvolles
alles, das Martyrium des hl. Bartholomäus dar-
stellendes Bild — vielleicht gar ein „Zeitblom" —
in der dortigen Klosterkirche so sehr gefallen, daß
er es (im Jahre 1616) sich ausbat und nach
Erhalt desselben dem Kloster dafür Reliquien
sandte. Vielleicht ließen sich in der wohl im
königlichen bayerischen Hausarchio aufbewahrten
Korrespondenz dieses Fürsten noch manche Noll-

Literatur.

Moderne K i r ch e n - D e k o r a t i o n e u.
Ein Vorlagewerk für ornamentale
Kirchenmalerei. Nach Original-Aufnah-
men ans den Kirchen Wiens und der Um-
gebung. Herausgegeben von Ferd.
Ritter von Feldegg, Architekt und
Lehrer an der k. k. Staatsgewerbeschule
in Wien. Wien, Kunstverlag von Anton
Schroll & Cie. 1890. Heft 1 und 2
ä 8 Blatt. Preis des Heftes: 14 M.

Dieses prachtvolle Werk ist auf vier Liefe-
rungen mit im Ganzen 32 Blättern in Farben-
druck berechnet; der Gesammtpreis wird sich ans
56 M. belaufen — nicht zuviel für das, was
geboten wird. Die ersten beiden Lieferungen
enthalten Dekorationsmotive aus der Votivkirche,
der Altlerchenfelder-, Fünfhans-, Weißgerber-,
Elisabeth-, Brigittenauer-, sowie ans der griechisch-
katholischen Kirche in Wien. Es sind Teppich-
muster, Bordüren, Wandqnadrirungen und Ge-
wölbemalereien, entworfen von Franz und Karl
Jobst, E. von der Nüll, Ignaz Schönbrunner,
Th. von Hansen in Wien. Man kann die Ent-
würfe modern nennen nicht nur wegen der Ent-
stehnngszeit, sondern auch ihrem Charakter nach,
aber man muß dann von diesem Wort jede
schlimme Nebenbedeutung fernhalten; so sehr die
moderne Formgebung und Ornamentalionsweise
verwerthet erscheint, so sind die Dekorationen doch
durchaus kirchlich, nicht alle gleich streng stilisirt,
aber alle mehr oder weniger beeinflußt und be-
seelt von der alten Kunst; namentlich werden
die alten Gewebedessins mitunter sehr glücklich
berathen und verwendet. Die Farben sind aufs
Feinste gestimmt und vermittelt und sie verbinden
sich zu jenem milden Gesammteindrnck, den die
alte Wandmalerei selten erreicht, wohl aber die
alte Textil- und Stickknnst. Die künstlerische
Ausführung der Tafeln muß nocf) ganz be-
sonders hervorgehoben werden; die Chromo-Litho-
graphien von Hausier, Schmntterer & Cie. in Wien
lassen nichts zu wünschen übrig; ein sehr gnter
Gedanke war es, nicht glattes Papier sondern
geripptes oder geriffeltes zu verwenden, dessen
rauhe Oberfläche der Wandfläche nahe kommt
und den Charakter der Wandmalerei zu kräftigem
Ausdruck bringt. Die vorzüglichen Mustertafeln
können bestens empfohlen werden und viel dazu
beitragen, den Sinn für feine und vom Profanen
sich enthaltende kirchliche Wanddekoralion zu schär-
fen und zu bilden. Selten freilich wird es mög-
lich sein, auf die kirchliche Dekorationsmalerei
soviel Arbeit, Zeit und Geld zu verwenden, als diese
Vorlagen voranssetzen; immerhin können dieselben
auch dann bezüglich der Zeichnung und Farben-
gebung als Muster dienen, wenn eine viel ein-
fachere und kräftigere Ausführung gewählt wird,
wie sie für gewöhnlich vollständig genügt.

zeu, Fingerzeige und Winke für die ältere Kunst-
geschichte Süddeutschlands beziehungsweise Schwa-
bens finden?!

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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