Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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Kette dar, den Dndelsack spielend. Damit
sollte vielleicht die damalige Liebhaberei für
gezähmte Thiere, jedenfalls aber das Mnsik-
inftrnment verspottet werden. Anch das
Instrument, das so lange „die erste Violine
gespielt" und nachher mit Unrecht deposse-
dirt worden war, scheint endlich wieder zu
Ehren gekommen zn sein — die Fiedel.
Eine Skulptur am Haupteingang der
Lyoner Kathedrale führt uns eine Sirene
vor (desinit in piscem), ihr Kind in den
Armen, wie sie den Tönen eines fiedelnden
Najaden lauscht. Die Sirene trägt eine
Krone ans dem Haupt und soll offenbar
eine Meereskönigin sein. (Bekanntlich ist
die Sirene ein Phantasiewesen, in das
Dichter und Sagenerfinder von jeher ver-
liebt gewesen zn sein scheinen. Sie spielt
in den Thierbüchern des Mittelalters eitle
wichtige Nolle und nachdem sie, erst ver-
hällnißmäßig spät, ihre natnrgeschichtliche
Giltigkeit eingebüßt, fristet sich noch in
Feenmärchen ihr Dasein.)

In mancher Beziehung Erbe und anch
noch Doppelgänger des Spaßmachers (der
anch schon mitunter ständig angestellt war)
ist ungefähr seit Anfang des 14. Jahr-
hunderts der Hofnarr. Im 15. Jahr-
hundert treffen wir ihn zum erstenmal
mit seinen verschiedenen Abzeichen in den
Buchmalereien und gegen Ende desselben
Jahrhunderts auch in Skulpturen an Ge-
bändelt tiiid im Holzschuitzwerk. Bei
Wright S. 185 sind zwei merkwürdige ge-
schnitzte Narrenbildnisse ans dem 15. Jahr-
hnlldert, der Kirche St. Levan in Wales
entnommen, zu sehen. Das eine scheint
das Bild eines alten, das andere das
cilteö jüngeren Narren ztl fein. Bei dem
alten, bärtigen läuft die Narrenkappe in
den Hals und Kopf eines Hahns ans;
bei dem jungen, bartlosen ist sie mit
Eselsohren sowie die Aermel mit Schellen
besetzt. Der erstere schwingt eitlen Leder-
riemen, der in einer Schnalle endet, der
zweite ist mit einem Kochlöffel ausgerüstet.
Noch zwei iils Gebiet der Narretei ein-
schlageitde Schnitzwerke giebt Wright alls
der Kirche St. Mullion, ebenfalls iit Wales.
Das eine stellt einen grimassenschneidenden
Frauenkopf dar, das andere das Brustbild
eines Mannes mit schellenbesetzten Aermeln.
In letzterem scheint die Narretei selbst per-
sonifizirt zri sein. (Forts, f.)

Inventar des Klosters Offenhausen.

Bon Theodor Schön in Stnttgart.

Ein am 10. März 1632 angefertigtes Inven-
tar des Klosters Offenhansen, welches sich im
Geheimen Hans- lind Staatsarchiv befindet, dürfte
vielleicht manchen Leser dieser Zeitschrift intercs-
sircn. Es lautet:

AlltarTüecher,Teckhinnnddergleich
in der undern Kürch:

i grosse, hültzene Tafel mit zvvon schlecht
Flügel, darinn etlich schlechte Bilder, darauff
ein Crucifix mit Mariae und Joannis Bildnuss.

I seydin Deckhin gelb und rot, drauff
Mariae Bildnuss mit dem Leichnam Christi.

i alt wullin Altar-Tuech.

i grüen und blaw, wullener Umbhang, jezo
an der Canzel.

i gar alt schwarz wullener Umbschlag am
Nebenaltar.

i alt gscheckheter Umbschlag ufifm undern
Altar.

Und sonsten etlich dergleichen leinen und
wullin Tiiecher, aber alles alt, zerrissen und
von Motten verzehrt.

Tafel und Bilder inn der obern Kürch:

i grosse, hültzin Tafel mit 5 doch ohnillu-
minirten Bildern und zwey gemahlten Flügeln,
drauff ein fein Crucifix.

Vil geringe gemahlte tüechene Täfelin.

Christi Bildnuss, rot weiss und blaw, mit
dem Osterfahnen, ist zimblich fein.

Etlich Fahnen, so doch zerrissen.

1 alte, hültzin Tafel, drinn 5 Steinebilder.

I rot hültzin Schüssel mit dem Flaupt Jo-
hannis.

II gross hültzin Leychter.

Etlich Fahnenstangen.

1 rotsametin Corporaltesch.

1 lange, angehefft Tafel, daran der Passion
gniahlt.

1 fein, hültzin Trüchlin.

1 Crucifix an der mitlen Saul.

1 Balm-Esel, drauff die Bildnuss Christi
sitzend.

Und noch vil dergleichen alte Bilder, Kin-
der- und Dockhenwerkh.

Wass uff dem Dorment, in allen Zellen hin
und wider stehet, ist lauter und zimblich vil
Schreinwerckh von Betstätten, Cästen, Truchen,
Sidlen, Altarcästlen und dergleichen, vil kleins
hültzin Dings, aber fast alles bey jüngster Plün-
derung von Soldaten zerrissen, zerhawen und
zerschlagen, jedoch das Eysenwerckh und anders
noch wol zugebrauchen und zum Geltt zubrin-
gen wer.

Zeitschriftenschau.

Indem wir im Folgenden die übliche Jahres-
übersicht über den Inhalt unserer kirchlichen Kunst-
zeitschriftcn geben, bemerken lvir znm Voraus, das;
lvir entsprechend der Grundtendenz des „Archivs"
durchweg jene Arbeiten bevorzugen, welche prakti-
schen Inhalts sind. An erster Stelle nennen wir
unser größtes und bedeutendstes katholisches Organ,
die „Z e i t s eh r i f t f ü r eh r i st l i ch e K ll n st",
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