Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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hcransgegeben von A. Schnütgen, Domkapitu-
lar in Köln (Düsseldorf, Schwann). Zielbewusste
Redaktion, Zusammenarbeit der tüchtigsten Kräfte,
reiche und noble Ausstattung mit vorzüglichen
Bildtafeln und Illustrationen haben dieses Organ
zur Freude und zum Freunde aller knnstliebenden
und kunstübenden Kreise werden lassen. Bon
unserem Standpunkt ans begrüßen wir es noch
besonders, daß im Jahrgang 1891 der Kunst-
praxis neben der mehr historischen und archäolo-
gischeir Forschung ein reichlich bemessener Raum
und ein nicht karger Antheil an den Knnsttaseln
und Illustrationen zugcdacht wurde. Am reichsten
ln dacht ist die Architektur. In Bild und Wort
wird vorgeführt die neue Pfarrkirche 51t Homburg
vor der Höhe (Architekt: Ludwig Becker, Mainz),
die zu Jntfaas bei Utrecht (Architekt: L. Tepe,
Utrecht) nebst innerer Ausstattung, die neue St.
Rochuskapelle zu Bingen am Rhein (Architekt:
M. Meckel in Frankfurt). Unmittelbar mit der
Praxis berühren sich die Erörterungen darüber,
in welchem Stil, besonders ob gothisch oder roma-
nisch zu bauen sei, welche sich durch mehrere Hefte
hinziehen, freilich auch manchen Widerspruch Her-
vorrusen. Sehr zu begrüßen ist eine durch Text
und Zeichnung veranschaulichte vollständige Sakri-
steieinrichtnng von Wilhelm Mcngelberg in Utrecht,
lehrreich, nur etivas großartig. Die Malerei ist
vertreten durch die für die Praxis wichtigen alten
Wandmalereien von Pfullingen, sodann durch
einen instruktiven Aufsatz über die Außenbema-
lnng der Kirchen (St. Beissel). Ferner findet sich
abgebildct die neue Bronzcthüre an der Nordseite
des Kölner Doms (Modell von Mengelberg, Guß
von P. Stoß in Stuttgart). Zur Paramcnlik
liefert einen Beitrag die Mittheilnng des Redakteurs
über einen neuen Brocatellstoff aus der Weberei
von Th. Gotzes in Krefeld.

Das im 23. Jahrgang stehende vortreffliche
Organ des Kunstvereins Seckau, „Der Kirchen-
schmnck", erscheinend in Graz, rcdigirt von dem
unermüdlich thätigen Professor Johann Grans,
Ehrenkämmcrer Sr. Heiligkeit, hat sich im ver-
flossenen Jahr ganz besonders um die Altar-
frage verdient gemacht. Die Mittheilnngen über
den neuen Ciborienaltar der Herz Jesu-Kirche in
Graz und über den Renaissance-Hochaltar einer
Klosterkirche ebendort, von Abbildungen begleitet,
sind ebenso instruktiv wie die wichtigen, ebenfalls
von Abbildungen durchwobenen Artikel über beit
Altarhochban im Allgemeinen und Altarbanten
der Renaissancezeit im Besonderen; die letzteren
lehren den Altarban dieser Spätzeiten vielfach
in neuem Licht betrachten. Dazu noch weitere
praktisch dankenswerthe Ausschlüsse über tvichtige
Punkte, besonders auch Proben schöner alter Ge-
wölbe- und Flachdeckenmalereicn.

Der von dem k. k. Konservator und Bene-
siziatcn in Terlan, Karl Atz, heransgegebene
„Kunstfreund" hat im letzten Jahrgang seine
verdienstvolle Kunstgeschichte von Tirol abge-
schlossen, ivelche je in separaten, eigens paginirten
Blättern den Nummern beigelegt wurde. In
einer Serie von Artikeln wird die Besprechung
der interessanten alten Wandgemälde in der Ter-
laner Kirche zu Ende geführt. Kleinere Mitthei-
lungen und Beantwortungen rein praktischer Fra-

gen machen das Blatt instruktiv. Recht gut und
zeitgemäß ist ein mit Proben von den Pacherschen
Altären illustrirter Artikel über ornamentale Holz-
schnitzkunst in Nr. 8; hier ist zu lernen, wie die
gothische Architektur und Ornamentik nicht unver-
ändert vom Stein aufs Holz übertragen werden
darf, sondern eine dem andern Material entspre-
chende Modifizirnng erfahren muß.

Literatur.

Ein C y k l u s ch r i st 0 l 0 g i s ch er Ge -
mal de ans der Katakombe der hl.
Petrns und Marcellinns. Zum ersten-
mal heransgegeben und erläutert van
Joseph Wilpert. Mir 9 Tafeln
in Lichtdruck. Freiburg, Herder 1891.
VII. und 58 S. gras; Folio. Preis:
8 Mark.

Nach der großen kritischen Arbeit über die
alten Kopien der Katakombengcmälde, von welchen
wir den Lesern im vorigen Jahrgang Nachricht
gaben, geht der tüchtige Katakombcnforscher nun-
mehr positiv vor und veröffentlicht im obigen
Werk einen bisher noch nie kopirten Cyklns von
Katakombenmalereien, dessen Wicderentdecknng er
zunächst beschreibt. Das Verzeichnis; der bisher
bekannten Katakombenbilder wird dadurch be-
reichert um eine Darstellung der Anbetung der
Magier, ferner der Begrüßung des Sternes durch
die Magier, der Taufe Christi, der Verkündi-
gung, einer Gerichtsscene mit Christus und acht
Beisitzern, um zivei Bilder des guten Hirten und
zwei Oranten, — dies alles kombinirt in einem
Deckengemälde der Kannner 54 in der oben ge-
nannten Katakombe; ferner um eine Darstel-
lung der Heilung der Blutflüssigen, des Gicht-
brüchigen und des Blindgeborenen, und der
Unterredung Jesu mit- der Frau am Jakobs-
brnnnen. Als Entstehnngszeit setzt der Verfasser
etwa die Mitte des 3. Jahrhunderts an. Ans
den Tafeln wird zunächst eine photographische
Aufnahme der Bilder in heutiger Gestalt, dann
deren Rekonstruktion durch den Verfasser gegeben
und so dem Leser ein selbständiges Urteil über
Gegenstand und Deutung der Bilder ermöglicht.
Der Verfasser erklärt ebenso tiefsinnig lvie be-
sonnen und überzeugend die Symbolik dieses
Bildcreyklns und findet dieselbe so tief empfunden
und theologisch so klar durchdacht, daß er sie
nicht dem Maler, sondern einem andern (geist-
lichen) Urheber zntheilen zu sollen glaubt. Sehr
wichtig sind einige praktische Folgernngen ans
den Bildern. Ans dem Berkündignngsbild kann
nunmehr die immer noch etwas zweifelhaft ge-
bliebene Scene eines Deckenbildes in der Kata-
kombe der hl. Priscilla ans dem 2. Jahrhundert
sicher als Darstellung der Verkündigung erwiesen
tverden, denn sie ist dem ersteren völlig gleich.
Aus den zwei Magierbildern , von welchen die
Anbetung eine Zweizahl, die Begrüßung des
Sternes eine Dreizahl der Magier anfweist, tvird
erschlossen, daß die Drcizahl derselben Regel ge-
wesen und die Zweizahl bloß in Folge von
Raummangel oder ans Rücksicht der Symmetrie
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